Regina Bruder/Julia Reibold

Weil jeder anders lernt

Regina Bruder/Julia Reibold

Ein alltagstaugliches Konzept zur Binnendifferenzierung

Schülerinnen und Schüler aller Leistungsgruppen brauchen Lernangebote, die ihnen weitreichende Entwicklungschancen bieten. Wie kann man im Alltag diesen Erwartungen gerecht werden? Verschiedene Ansätze werden vorgestellt und zu einem praktikablen Konzept verbunden.

Paul denkt immer gründlich über seine Antworten nach und meldet sich im Unterrichtsgespräch viel seltener als bei der Besprechung der Hausaufgaben oder nach Phasen der Stillarbeit. Sahra mag Geometrie richtig gerne, findet aber das Rechnen mit Buchstaben „schrecklich kompliziert. Meltem ist fix im Rechnen und Martin schnell gelangweilt Diese Jugendlichen in ihren Eigenarten zeigen: Individuelle Unterschiede hat es schon immer gegeben und entsprechend ist auch das Thema „Binnendifferenzierung im Grunde nicht neu.
Manchmal kann man die unterschiedlichen Her-angehensweisen der Schülerinnen und Schüler an ein Thema oder eine Aufgabe schon in der Vorbereitung einplanen oder sie in der Stunde als Bereicherung für die gesamte Lerngruppe erkennen und nutzen. Ab und zu können weit auseinander klaffende Lernvoraussetzungen aber auch zu einer Überforderung der einen bei gleichzeitiger Unterforderung von anderen führen und auch uns Lehrerinnen und Lehrer in Situationen bringen, die nicht mehr mit angemessenem Arbeitsaufwand befriedigend bewältigbar erscheinen.
Differenzieren: Alle fordern und fördern
Bei Konzepten der „Binnendifferenzierung oder „innerer Differenzierung werden die Schülerinnen und Schüler innerhalb ihrer Lerngruppe individuell gefördert. Im Gegensatz dazu gibt es auch eine äußere Differenzierung, bei der die Schüler nach ihrem Leistungsvermögen in verschiedene Kurse oder Gruppen aufgeteilt werden. Formen äußerer Differenzierung werden immer wieder kontrovers diskutiert, wie die erneut entbrannte Schulform-diskussion (am Beispiel Hamburg) zeigt. Binnendifferenzierende Maßnahmen, um die es in diesem Heft geht, haben weniger Akzeptanzprobleme und scheinen eigentlich in jeder Lerngruppe sinnvoll.
Als Ideal eines binnendifferenzierenden Unterrichts gilt: Alle Schülerinnen und Schüler sollen bestmögliche, aber individuell durchaus unterschiedliche Entwicklungsfortschritte erzielen (vgl. Abb.1 , Silvester 1998). Das kann bedeuten, gleichschrittiges Lernen aufzulösen (Hußmann/Prediger 2007). Meist wird dabei die sogenannte „Schere zwischen lernstarken und lernschwachen Schülern in den verschiedenen Kompetenzbereichen noch größer. Beides zu akzeptieren, nämlich den Gleichschritt (partiell) aufzulösen und die „Schere nicht nur zuzulassen, sondern sie im Sinne der Begabtenförderung auch zu ermöglichen, sind nicht zu unterschätzende Hürden, die man erst einmal für sich als Lehrkraft überspringen muss, bevor es an die Auswahl geeigneter Differenzierungsstrategien und -methoden gehen kann.
Der folgende Überblick über verschiedene, in der Fachdidaktik Mathematik aktuell diskutierte oder auch länger bekannte, Strategien und Methoden zur Binnendifferenzierung ist sicher nicht im Detail vollständig. Allen diskutierten Varianten ist jedoch gemeinsam: In der Praxis wird noch recht wenig davon umgesetzt. Das hat viele Gründe, und neben den eigenen Erwartungen (wie Unterricht und Lernen sein sollte) spielt sicher die Vorstellung eine Rolle, dass nahezu alle binnendifferenzierenden Maßnahmen als sehr arbeitsaufwändig in der Vor- bzw. Nachbereitung gelten und schon deshalb nicht flächendeckend umgesetzt werden können. Von diesem Argument ausgehend, stellen wir ein praktikables Unterrichtskonzept vor, das verschiedene Methoden und Strategien zur Binnendifferenzierung miteinander verknüpft. Dieses Konzept wurde von der TU Darmstadt gemeinsam mit Lehrkräften in Niedersachsen im Projekt MAthematische BInnendiffereinzierende KOMpetenzentwicklung (MABIKOM) erarbeitet und wird seit zwei Jahren in den Klassen 5 bis 10 in Niedersachsen erprobt.
Stra...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 162 / 2010

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