Ulrich Kortenkamp

Tydlig: Keine-Tabelle-Kalkulation

Ulrich Kortenkamp

Haben Sie eine tolle App gefunden? In der Rubrik „Was geht App?! stellen wir Apps für das Mathematiklernen vor. Ihre Entdeckungen können Sie an apps@cermat.org senden, wir schauen sie uns an und berichten. Heute: Tydlig – eine Tabellenkalkulation ohne Tabelle (iOS).

Tabellenkalkulationen sind wunderbare Werkzeuge, nicht nur im Mathematikunterricht. Man kann mit diesen Programmen Daten sammeln, darstellen und vor allem strukturiert Berechnungen durchführen. Der Clou: Neben der tabellarischen Darstellung der Ergebnisse gibt es eine zweite Ebene hinter jeder Zelle verbirgt sich zusätzlich zu ihrem Wert auch dessen Berechnungsvorschrift. Und jede Zelle kann einfach referenziert werden: Ihre Koordinaten (wie „C7) dienen in Formeln als Bezeichner von Variablen, für die der jeweiligen Wert der Zelle eingesetzt wird.
Die erste Tabellenkalkulation war Visicalc. Das revolutionäre Produkt wurde vor 40 Jahren auf dem Apple][ vorgestellt. und sorgte mit für dessen kommerziellen Erfolg. Es dauerte nicht lange, bis man auch auf IBM-Rechnern Tabellenkalkulationen nutzen konnte. Und heute gehören sie zur Standardsoftware nicht schlecht für ein Programm, welches sich primär mit „Mathe beschäftigt.
Was kann die App?
Die App „Tydlig (derzeit nur für mobile Apple-Geräte erhältlich) ist eigentlich ein Taschenrechner, „erfindet diesen aber neu (so die Werbung des Herstellers). Obwohl eine tabellarische Strukturierung fehlt es ist eben keine Tabellenkalkulation , kann man dennoch eingegebene Zahlen oder berechnete Werte wie eine Variable benutzen: Tippt man eine Zahl an, so lässt sie sich wieder ändern und die Rechnung, in der sie verwendet wurde, wird aktualisiert. Nun das ist nicht so neu. Ebenso wenig aufregend: Man kann den Wert durch einen Schieberegler ersetzen. Spannend ist Tydlig, weil man einen Wert in anderen Berechnungen referenzieren kann, indem man einen Pfeil von diesem Wert aus auf seine Verwendungsstelle einfügt (Abb. 1 ).
Und was bedeutet das?
Ob an der Tafel oder im Heft die Visualisierung referenzierter Werte über Pfeile (Abb. 2 ) ist nützlich und hilft beim Übergang von der Arithmetik in die Algebra. Tabellenkalkulationen können diese Verknüpfungen ebenfalls sichtbar machen. Sie nutzen dazu primär die in den 1980er-Jahren notwendige Technik der Referenzierung über Zellen-Koordinaten. Auf Touch-Screens kann man ohne diese Bezeichner auf Werte verweisen. Tydlig nutzt dies aus wie in der Tabellenkalkulation, aber ohne Tabelle!
Ideen für den Unterricht
In Lehrerhand kann die App zur Demonstration von Zusammenhängen genutzt werden (Abb. 3 ). Ein „Was wäre, wenn …? lässt sich vorführen und man kann zum Beispiel sehen, welche Veränderungen bei den Kosten passieren, wenn weniger Personen an der Klassenfahrt teilnehmen. Ja, das geht alles auch mit einem Funktionenplotter. Aber um die Darstellung eines Funktionenplotters zu verstehen, muss man Terme (und damit Variablen) verstehen. Tydlig setzt früher an: Mit der App kann man erklären, wie diese zustande kommen, und Schritt für Schritt weiter abstrahieren. Auch in Schülerhand kann Tydlig den Weg von der einzelnen Berechnung zur Termdarstellung ebnen. Allerdings müsste dafür die Bedienung noch verbessert werden.
Insgesamt: ein spannendes Konzept mit dem Potenzial, Algebra in der Schule zu erneuern!
Tydlig
Von Tydlig AB. Ca. 2 €.

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aus: Mathematik lehren Nr. 217 / 2019

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