Vorteile und Nachteile

Unterrichten mit dem interaktiven Whiteboard

Das interaktive Whiteboard im Fach Mathematik: Welche Vor- und Nachteile hat die Technik? Und gibt es günstige Alternativen?

Ein interaktives Whiteboard als Tafelersatz
Foto: Friedrich Verlag

Mathematik mit dem interaktiven Whiteboard

Viele Schulen führen es ein, in anderen ist es Standard, wieder andere kehren wieder zur klassischen Kreidetafel (kombiniert mit Beamer und Dokumentenkamera oder OHP) zurück: Das Medium "interaktives Whiteboard" (IWB) erlebt mit dem Digitalpakt einen neuen Aufschwung. Doch wie verändert sich dadurch der Unterricht? Welche Vorteile ergeben sich speziell für das Lehren und Lernen von Mathematik?

Möglichkeiten der Präsentation, Kommunikation und Dokumentation

An der Kreidetafel entwickelt sich das Tafelbild langsam, gemeinsam mit der Klasse. Es kann verändert werden, allerdings nicht ganz so einfach wie am interaktiven Whiteboard. Dort lassen sich "kinderleicht" Elemente per Stift oder Fingergeste bewegen, drehen, skalieren oder hervorheben. 

Schon die klassische Beamerausstattung liefert die Möglichkeit, dynamisch veränderbare Objekte, mathematische Programme (CAS, TK, DGS ...), Bilder sowie auditive und videobasierte Materialien in den Unterricht einzubinden. Die Grenzen dieser Präsentation sind bekannt: Beamer-Präsentationen eignen sich nicht dafür, um gemeinsam mit der Klasse ein Tafelbild zu entwickeln. Es fehlt die Möglichkeit, auf Schüleräußerungen flexibel einzugehen und diese einzuflechten, oder Darstellungen kurzfristig zu ändern. Die Veränderung der Beamer-Darstellung läuft „verdeckt“ am angeschlossenen Rechner ab - dies kann leicht wie ein Bruch im Unterrichtsablauf wirken und die Distanz zwischen dem Präsentierenden und der Klasse vergrößern. Beim IWB oder der klassischen Tafel ist dieser Bruch nicht gegeben. 

Ob Beamer oder IWB: Schülerinnen und Schüler können damit einfacher Gruppenergebnisse oder gemeinsame Bearbeitungen interaktiver Arbeitsblätter präsentieren. Eine Dokumentenkamera bindet auch nicht-digitale Materialien und Medien ein (Notizen im Schülerheft, gebastelte Modelle oder Schulbuchseiten). Digitale Beiträge der Lernenden können zum Beispiel über vernetzte Tablet-PCs auf dem Whiteboard sichtbar gemacht werden.

Die Vorteile von interaktiven Whiteboards im Mathematikunterricht

Mit einem interatkiven Whiteboard ergeben sich verschiedene Möglichkeiten einer veränderten Unterrichtsgestaltung. So kann man

  • während des Unterrichts das Tafelbild einfach (um-)strukturieren, speichern und später teilen 
  • externe Programme, wie etwa Comupter-Algebra-Systeme, dynamische Geometrie-Software, Funktionenplotter, Tabellenkalkulationen oder Simulationsprogramme einbinden
  • digitale Tafelwerkzeuge wie Geodreieck oder Zirkel nutzen (weitere können – unter Umständen kostenpflichtig – hinzugefügt werden)
  • mit vorstrukturierten Tafelbildern sowie multimedialen und interaktiven Unterrichtselementen den Unterricht einfacher vorbereiten
  • Medien leicht vernetzen: das Tafelbild enthält dieselbe Grafik wie das Arbeitsblatt oder Schulbuch (Ergebnisse lassen sich so leichter besprechen)
  • erarbeitete Ergebnisse dienen als Erinnerungshilfe zu Beginn der nächsten Stunde
  • in einem eigenen „Materialpool“ gesammelte Elemente bei Bedarf aufrufen und auch spontan in die Unterrichtseinheit ergänzend integrieren 
  • handschriftliche Ergänzungen einfügen und speichern, geladene Bilder einfach beschriften oder geometrische Figuren einzeichnen (etwa Sechsecke in Bilder von Bienenwaben)  

Welche Nachteile sind mit dem Einsatz von IWBs verbunden?

  • Die Größe der beschreibbaren Fläche ist sehr begrenzt. Entwickelte Tafelbilder verschwinden schnell oder werden überdeckt. Manchem wird die gewohnte, unkomplizierte und flexibel handhabbare Kreidetafel fehlen.
  • IWBs benötigen eine Aufwärmzeit und die Justierung ist anfällig und muss häufig erneuert werden.
  • Aufgrund des notwendigen Bedienerwissens könnte die Lehrerzentrierung des Unterrichts zunehmen; alle brauchen Zeit, um mit der Technik und möglichen Schwierigkeiten umgehen zu lernen.
  • Die Geschwindigkeit des Unterrichts kann durch vorgefertigte Folien beschleunigt oder auch überhöht werden.
  • Durch Lernpfade vorstrukturierte Unterrichtsfragen sind häufig kleinschrittig und erinnern sehr stark an Multiple-Choice-Fragen.
  • Die Kosten der Anschaffung sind sehr hoch. Darüber hinaus fallen Wartungskosten und Betriebskosten an (bis zu 5 € pro Tag und Board), die dauerhaft gewährleistet werden müssen.
  • Der didaktische Mehrwert gegenüber Beamerpräsentationen ist schwer oder gar nicht messbar.

Günstigere Alternativen zum Whiteboard

Das mobile Wii-Whiteboard/-Schwabenboard: Mit der Infrarotkamera einer Wii-Fernbedienung (auch Wiimote genannt), einem Beamer und einem InfrarotStift wird eine Wand zur interaktiven Tafel. Eine Anleitung und Hinweise auf passende Software (Smoothboard) finden Sie hier: Schwabenboard

Das eBeam-Whiteboard: Mit einem Kurzdistanzprojektor, einer Wandhalterung, einem Infrarot-Stift und passender Software wird jede glatte Oberfläche (etwa Weißwandtafel) zum interaktiven Arbeitsplatz. Im Internet finden sich mehrere Anbieter dazu.

Ideen zum Präsentieren mit dem Whiteboard

Die Programme der IWB-Hersteller sind strukturell gleich aufgebaut. Leicht lassen sich Folien erstellen, Texte eintippen, Textfelder verschieben und verändern, Figuren und Flächen einfügen und grafisch gestalten. Formen wie Rechtecke oder Kreise werden zu einer Schulbade, einem Container. Diese "Magische Fläche" nimmt erlaubte Objekte (passende Wörter) auf und lehnt andere ab. So entstehen Zuordnungsaufgaben. Wenn man Objekte (etwa Zahlen) mehreren Containern zuordnen möchte, kann man sie vervielfachen – und so die Übung übersichtlich gestalten. 

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