Was ist eine gute Mathe-Hausaufgabe?

Die Lernzeit gut nutzen - das gilt auch für Hausaufgaben. Damit diese zumindest ab und zu vom notwendigen Übel zu einer interessanten Aktivität werden, geben wir hier einige Tipps.

Mathe-Hausaufgaben
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Zur Planung einer Unterrichtsstunde gehört auch (meistens) die Konzeption einer sinnvollen Hausaufgabe. Klar, dass manchmal die "didaktische Reserve" zur Hausaufgabe wird oder gerade bei Übungsstunden "der Rest". Doch je nach dem, was ich mit der gestellten Hausaufgabe erreichen möchte, gibt es viel Raum für kreative, kognitiv anregende Formate. Und Hausaufgaben sind immer auch eine Möglichkeit, die Selbstverantwortung der Schülerinnen und Schüler zu stärken. 

Mehr als reines Üben: Funktionen von Hausaufgaben

Gerade im Mathematikunterricht können Hausaufgaben sinnvoll genutzt werden zum

  • Üben (vom Automatisieren grundlegender Fertigkeiten und Fähigkeiten über das Vernetzen mit bisher Erarbeitetem bis hin zum produktiven Entdecken von Zusammenhängen),
  • Anwenden des Gelernten in verschiedenen Kontexten (Transfer), Vernetzen (auch fächerübergreifend)
  • Vertiefen und Festigen erworbener Kenntnisse (zusätzliche Beispiele, Begründungen, Erfahrungen ... sammeln),
  • Vorbereiten des weiteren Unterrichts (besonders im Flipped-Classromm-Konzept)
  • Diagnostizieren der Lernleistung (aus Lehrersicht) und konstruktiver Umgang mit den eigenen Fähigkeiten und Schwächen (aus Schülersicht),
  • Lernen lernen (selbstständiges Arbeiten), Vorbereiten auf Leistungsbewertungen (Test, Klassenarbeit, Portfolio usw.).

Weiterführende Unterrichtseinheiten

Aufgaben interessanter machen

Manchmal ist weniger mehr - das gilt auch für Hausaufgaben. Wenn deren Bearbeitung Erfolgserlebnisse und Anerkennung liefert und produktives Lernen daheim auch zu guten Noten führt, kann die "Pflicht" als sinnvolle Lerngelegenheit erlebt werden. Neben Aufgabenkontexten aus der Lebenswelt oder echten und bewältigbaren "Nachdenk-Fragen" kann auch methodisch differenziert werden: Im Rahmen längerfristiger Hausaufgaben bieten Wahl- und Zusatzaufgaben unterschiedlicher Schwierigkeit oder mit verschiedenen Kontexten Freiräume für schülereigene Entscheidungen und fördern die Selbstständigkeit. (Kurze (!) Hausaufgaben zwischen den Stunden sind dabei nicht ausgeschlossen). Weitere Tipps: 

  • Mathematik als "Experte" einsetzen: 
    Hier sind zwei Argumentationen (oder Lösungswege) – entscheide und begründe, wer Recht hat.
    Berate Paul bei seinen Entscheidungen (Einkaufen, Renovieren, Telefontarif wählen usw.) mit Hilfe der Mathematik.
  • Sinnvolle „Päckchen“ zusammenstellen und Zusatzaufgaben zum Nachdenken stellen:
    Kann man immer so rechnen? Wann geht das nicht?(Kannst du ein Beispiel finden?)
  • Aufgaben erfinden lassen, mit gleichem mathematischen Inhalt aber frei wählbarem Kontext (Wir schreiben ein Übungsbuch!).
  • Aufgaben nach dem Lösen noch variieren lassen: Kannst du die Aufgabe verändern, sie leichter oder schwerer machen?
  • Möglichkeiten zur Selbstkontrolle bieten.
  • Das Reflektieren anregen:
    Was hat mir geholfen, die Aufgabe(n) zu lösen?
    Welche Regeln, Sätze oder Strategien?
    Welche Aufgabe ist dir besonders leicht/besonders schwer gefallen – und warum?

Auch kreative Aufgaben (etwa eine Geschichte zu ... schreiben lassen, eine Lernlandkarte oder Mind-Map erstellen lassen) oder experimentelle Aufgaben (Würfelexperimente, Bau- und Bastelanleitungen ausführen, ...) bereichern das Repertoire. Hier kommen auch die aktuellen Apps für Hausaufgaben (wie Socratic) an ihre Grenzen, denn "Foto machen und Lösungsweg abschreiben" geht dann nicht mehr.

Wissen, was erwartet wird

Motivation und Leistungsbereitschaft steigen, wenn die Schülerinnen und Schüler einen engen Zusammenhang zwischen dem Unterricht und den Hausaufgaben sehen. Die Lernenden brauchen eine klare Aufgabenstellung, Termin und ggf. Zeitrahmen, transparente Ziele (Was lerne/übe ich dabei? Warum soll ich das tun?) sowie eine Transparenz hinsichtlich der Bearbeitungsweise. Der letzte Punkt ist besonders bei ungewöhnlichen, langfristigen Hausaufgaben wichtig.  

Zum Download

Das Merkblatt "Feste Gewohnheiten helfen beim Lernen" finden Sie hier.

Ein Beispiel für eine Hausaufgabe zum Thema Winkel an geschnittenen Parallelen finden Sie hier

Literatur

Kirstin R. Lobemeier/Brigitte Dedekind: »Gute Hausaufgaben« im Mathematikunterricht der Grundschule Eine Umfrage im Rahmen von SINUS-Transfer Grundschule zur Didaktik der Mathematik in der 4. Klassenstufe 

Evely Komorek/ Regina Bruder: Die Lernzeit nutzen - In: mathematik lehren 140 Hausaufgaben

Fakten zum Artikel
Methode & Didaktik Schuljahr 5-13

Weiterführende Unterrichtseinheiten

Mehr zum Thema finden Sie in den folgenden Beiträgen, die über unser Angebot Friedrich+ Mathematik abrufbar sind:

Weil jeder anders lernt
Memoflip