Lars Bergmann, Bendine Lohse-Grimmer

Kompetenztrainings im Schulversuch

Beispiele aus dem Test zum Problemlösen im Online-Bereich
Beispiele aus dem Test zum Problemlösen im Online-Bereich, Friedrich Verlag

Lars Bergmann, Bendine Lohse-Grimmer

Ergebnisse einer Evaluation

Wie können Entwicklungsfort-schritte im Wissen und Können zum Argumentieren, Modellieren und Problemlösen über längere Zeiträume gemessen werden? Wie wirken sich die Kompetenztrainings auf die Haltungen und Einstellungen der Lernenden zum Mathematikunterricht aus und wie entwickelt sich das mathematische Grundwissen und Grundkönnen in den Projektklassen?
Schon zu Beginn des Projektes LEMAMOP wurde der Wunsch deutlich, die erhofften Effekte auf die prozessbezogenen Kompetenzen auch in allen Jahrgängen (5 bis 11) messen zu können. Vieles spricht aber auch gegen solche Versuche, weil die Einflussfaktoren auf den Kompetenzerwerb während eines Schuljahres nicht kontrolliert werden können. Hinzu kommt, dass bisher keine für den Unterricht praktikablen Stufen- und Entwicklungsmodelle für diese Kompetenzen mit Operationalisierungen für alle Klassenstufen zur Verfügung stehen. Und schließlich können mit klassischen Tests ohnehin nur einzelne Kompetenzfacetten gemessen werden.
Wegen der knappen zeitlichen Ressourcen an den Schulen haben wir uns entschieden, Neu-land zu betreten und erstmals ei-ne Online-Diagnose durchzufüh-ren. Es stand für jede Klasse je-weils nur eine Unterrichtsstunde für jede Diagnoserunde zur Ver-fügung. Es wurden drei Diagno-serunden geplant eine zu Be-ginn des Schuljahres 2013/14, eine zum Ende des Schuljahres 2013/14 und eine ein Jahr später. Aufgrund der hohen Fluktuation in der dritten Runde wurden zusätzlich noch Vergleichsklassen einbezogen, die nicht am Projekt teilgenommen hatten, aber auch von den Projektlehrkräften unterrichtet wurden.
Die Online-Diagnose basiert auf einem System des Psychometrischen Instituts der Universität Cambridge (UK). Damit wurde zunächst ein digitaler Fragebogen entwickelt, der insbesondere die Einstellung zum Problemlösen (Aufgaben siehe Online-Material ), zum Argumentieren und zum Modellieren erfasst hat. Darüber hinaus wurde der bereits beim MABIKOM-Schulversuch etablierte Basiswissentest integriert. Die Schülerinnen und Schüler konnten direkt im Anschluss eine individuelle Auswertung erhalten. Es zeigte sich, dass die mit Kompetenztrainings im Umfang von etwa drei Schulwochen pro Jahr unterrichteten Schülerinnen und Schüler keinesfalls schlechtere Ergebnisse erzielten als Lernende in den Kontrollklassen. In den Projektklassen, in denen regelmäßig „vermischte Kopfübungen zum Wachhalten der Grundlagen auch aus länger zurückliegenden Themengebieten eingesetzt wurden, konnten die Testergebnisse deutlich verbessert werden.
Für eine zumindest punktuelle Erfassung von Kompetenzfacetten wurde ein adaptives Testformat gewählt. In der zur Verfügung stehenden Unterrichtsstunde konnten jedoch nicht alle drei Kompetenzbereiche gleichberechtigt abgebildet werden. Den Lernenden wurde in der ersten Diagnoserunde zunächst eine Problemaufgabe auf einer mittleren Niveaustufe (Beispielorientierung) präsentiert und je nach Bearbeitungserfolg wurde dann eine weitere Aufgabe auf einem niedrigeren geschätzten Niveau (Probierorientierung) oder auf einem höheren geschätzten Niveau (Feld-orientierung) angeboten. Die drei Niveaustufen wurden als Orientierungslevel im Basisartikel beschrieben. Durch die automatische Auswertung mit dem Online-Tool konnten gezielt weitere Fragen gestellt werden.
Exemplarische Ergebnisse aus den drei Diagnoserunden
Insgesamt konnte beobachtet werden, dass die Problemlöseaufgaben nur zu einem sehr geringen Anteil überhaupt gelöst werden konnten. Allerdings zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler über einen zunehmend breiteren Fundus an Heurismen verfügten und somit mehr Möglichkeiten hatten, überhaupt einen Ansatz zur Be-arbeitung der Aufgabe zu finden (Abb. 1 ).
Für das Argumentieren wurde Bezug genommen auf das für die österreichische Abiturprüfung entwickelte O-M-A-Stufenmodell, das die drei Handlungsbereiche Operieren, Modellieren und Argumentieren ...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 198 / 2016

Langfristiger Kompetenzaufbau

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13