Regina Bruder,

Lernmotivation – in Mathe

Abb. 1: Das Rahmenmodell der Lernmotivation nach Krapp (1993)
Abb. 1: Das Rahmenmodell der Lernmotivation nach Krapp (1993)

Regina Bruder, Tina Hascher

In diesem Beitrag werden grundlegende Erkenntnisse zum Thema Motivation mit Bezug auf das Lernen von Mathematik vorgestellt und erläutert. Fallbeispiele aus Originaltagebüchern illustrieren die Schülerperspektive zur Thematik. Zudem geht es um Antworten auf die Frage, wie Lernmotivation entsteht und im Mathematikunterricht gefördert werden kann.

Motivation beschäftigt sich mit „Warum-Fragen des menschlichen Handelns. Solche schulischen Warum-Fragen könnten beispielsweise lauten:
  • Warum lernt eine Schülerin oder ein Schüler bereitwillig oder eben nicht?
  • Warum muss man einen Schüler oder eine Schülerin häufig kontrollieren, damit er oder sie lernt warum manchmal nicht?
  • Warum kann ein guter Unterrichtseinstieg die Motivation der Lernenden ansprechen aber im Verlauf der Stunde „verliert man die Lernenden dennoch?
  • Warum sehen Lernende manchmal ständig auf die Uhr und warum sind sie mitunter so engagiert, dass sie sogar den Pausengong überhören?
Haben Sie sich solche oder ähnliche Fragen auch schon gestellt? Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Motivationstheorien (siehe etwa Krapp/Hascher 2014a, b). In diesem Beitrag stellen wir einige grundlegende Erkenntnisse aus der Motivations- und Interessenforschung mit Bezug zum Mathematikunterricht vor.
Erkenntnis 1: Motivation ist ein Prozess mit erkennbaren Merkmalen
Motivation ist wie das Lernen an sich ein Phänomen, das im Inneren eines Menschen abläuft. Schon aus eigener Erfahrung wissen wir, dass sie einen Prozess darstellt: Motivation setzt nicht plötzlich ein und existiert dann einfach. Vielmehr muss sie entwickelt und aufrechterhalten werden. Sie kann sich steigern, aber auch abflauen. Sie kann angestoßen werden und dann wieder abbrechen. Ihr Verlauf hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen, wie das Rahmenmodell der Lernmotivation von Krapp (1993) in Abb. 1 zeigt.
Motivation lässt sich anhand verschiedener Merkmale erkennen (vgl. Krapp & Hascher 2014b) und wird vor allem sichtbar durch
  • die Auswahl einer Tätigkeit: Lernende lassen sich aktiv auf gestellte Mathematikaufgaben ein, sie beginnen mit Lösungsversuchen und holen ggf. auch Hilfe;
  • die Beharrlichkeit bzw. das Durchhaltevermögen bei einer Tätigkeit: Lernende geben nicht gleich auf, wenn der erste Lösungsversuch misslingt und aktivieren sich zum Weitermachen;
  • die Intensität, mit der einer Tätigkeit nachgegangen wird: Lernende lassen sich nicht schnell ablenken, sondern ignorieren Störungen; sie fokussieren ihre Aufmerksamkeit auf ein Problem und stellen inhaltsbezogene Fragen;
  • das Handlungserleben bei einer Tätigkeit: Lernende bekunden Freude beim Mathematiklernen bzw. zeigen Engagement und Interesse, sind neugierig und haben „Aha-Erlebnisse (siehe u.a. mathematik lehren 115).
Aus dem Tagebuch von Annika (7. Klasse):
„In jeder zweiten Woche bekommen wir ein Problem, welches wir zu Hause lösen. Die Probleme sollte man durch Probieren versuchen zu lösen. Erkenntnisse, Gedanken und Lösungen sowie alles, was man aufschreibt, kommt direkt ins Heft. Durch das lernt man, schwere Aufgaben durch Probieren anzugehen und immer schneller zu lösen. Es sind Aufgaben, die man gerne angeht und wenn man einmal begonnen hat, ist man so fasziniert, dass man nicht mehr aufhören will, bis die Lösung vor einem auf dem Papier steht.
Die Schülerin ist fasziniert und kommt geradezu in einen „Flow beim Lösen der Aufgaben. Die aktive und selbstständige Auseinandersetzung führt zu einer hohen Motivation; der zweiwöchige Rhythmus dazu, dass die Neugier auf diese Aufgaben nicht abnimmt. Es scheint der Lehrkraft zu gelingen, durch geeignete herausfordernde Aufgabenstellungen die Schülerin sogar zu Hause für Mathematik zu gewinnen.
Als ein Charakteristikum für Lernmotivation wird die Freude am Lernen gesehen. Weil man Freude stets positiv empfindet, versuchen Menschen, diese zu aktivieren bzw. aufrechtzuerhalten. In Bezug auf die Wirkung der...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 221 / 2020

Motivation

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13