Inklusion

Eine Herausforderung auch für den Mathematikunterricht

Kaum ein Thema wird im deutschen Bildungsbereich aktuell so intensiv diskutiert wie die Inklusion. Sie ist eine der größten Herausforderungen und entwickelt sich in der kontinuierlichen Auseinandersetzung von Befürwortern und Gegnern. Wir möchten über die bisherige Entwicklung und die aktuelle Lage informieren, auf Probleme und offene Fragen bei der Umsetzung von inklusiven Settings im Mathematikunterricht eingehen und Handlungsperspektiven hierzu aufzeigen.

Rudolf vom Hofe, Kerstin Tiedemann
Noch ist hinsichtlich des Themas Inklusion in der Schulpraxis vieles ungeklärt: die Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften, die Frage von Doppelbesetzungen für Inklusionsklassen und die zum großen Teil unzureichende Finanzausstattung der Länder. Weitere Probleme sind der Umgang mit der Vielfalt der Behinderungen und Lernprobleme und die Frage nach einer sinnvollen Lehreraus- und Weiterbildung, welche die notwendigen pädagogischen und didaktischen Basisqualifikationen in den Themenbereichen Umgang mit Heterogenität und Inklusion sowie Grundlagen der Förderdiagnostik vermitteln kann.
Ungeachtet dessen stehen schon jetzt täglich Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten vor der Aufgabe, Mathematik in inklusiven Settings zu unterrichten in dem Rahmen, den die jeweiligen Bedingungen zulassen. Nun gibt es bereits eine Reihe von Vorschlägen, Konzepten und Materialien, die Lehrerinnen und Lehrer bei der Realisierung von inklusivem Unterricht unterstützen sollen. Diese stammen zumeist aus dem Grundschulbereich und sind nicht ohne Weiteres auf die Sekundarstufe zu übertragen. Auch allgemeine Ratschläge, wie etwa bestehende Konzepte zur inneren Differenzierung einfach nur konsequenter als bisher umsetzen zu sollen, stoßen in der Sekundarstufe oft an ihre Grenzen. In diesem Heft sollen daher erste Praxisberichte und Vorschläge für die Umsetzung von inklusiven Settings in der Sekundarstufe I dargestellt werden. Dabei werden sowohl zielgleiche als auch zieldivergente Konzepte beschrieben. Ergänzt werden diese Vorschläge durch erprobte Materialien zur Vorbereitung, Durchführung und Bewertung von inklusivem Mathematikunterricht.
Inklusion in Deutschland
Am 13. Dezember 2006 wurde von den Vereinten Nationen ein Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verabschiedet. Bedenkt man, wie in der Vergangenheit in manchen Ländern und in manchen Zeiten mit behinderten Menschen umgegangen wurde, ist dies ohne Frage ein wichtiger Schritt im Zuge einer umfassenden Umsetzung der Menschenrechte. Das zentrale Anliegen dieser Konvention im Bereich Bildung ist die Einbeziehung aller Kinder und Jugendlichen in das allgemeine Schulsystem. Je nach Kind, soll dieses gemeinsame Lernen zielgleich oder zieldifferenziert erfolgen. Inklusive Bildung soll zum Regelfall werden; Eltern sollen grundsätzlich das Recht haben, dass auch ihr Kind mit Behinderung im allgemeinen Schulwesen beschult wird bzw. eine allgemeine Schule besucht. Am 21. Dezember 2008 stimmte der Deutsche Bundestag diesem Vertrag zu.
Für Deutschland bedeutet dies erhebliche Änderungen der bisherigen Praxis. Hier gibt es ungefähr eine halbe Million Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, nur 18 Prozent von ihnen besuchten im Jahr 2009 eine reguläre Schule. Die anderen gingen auf Sonder- oder Förderschulen und verließen diese meist ohne Abschluss und Berufsperspektiven. International hingegen sind laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung durchschnittlich 85 Prozent der behinderten Kinder und Jugendlichen ins allgemeine Bildungssystem integriert (Klemm 2013).
Bislang wird er Begriff „Inklusion recht unterschiedlich gebraucht (vgl. Kasten 1).
Kasten 1: Was ist „Inklusion?
Kasten 1: Was ist „Inklusion?
Drei verschiedene Interpretationen
  • Fokussierung des „inklusiven Unterrichts auf Behinderte (enges, behinderungsbezogenes Begriffsverständnis, UNESCO 2005; 2013).
  • Fokussierung auf...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 201 / 2017

Inklusion

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-13