Mathe-Fragen im Quiz-Format

Andrea Hennekemper
Bei der Fernsehsendung „Wer wird Millionär? darf es zu jeder Frage genau eine richtige Antwortmöglichkeit geben. Die folgende vor einigen Jahren gestellte und diskutierte 16000-Euro-Frage zur Mathematik erfüllte diese Vorgabe nicht:
Jedes Rechteck ist ein ...
A: Rhombus
B: Quadrat
C: Trapez
D: Parallelogramm
Als richtige Antwort galt D. Doch auch die Antwortmöglichkeit C wäre richtig gewesen: Wird bei der Trapez-Defini-tion nur die Parallelität von zwei Seiten verlangt und nicht deren unterschiedliche Länge, dann ist jedes Rechteck auch ein Trapez. Dieses Beispiel ist ein schöner Einstieg in das Definieren und Argumentieren bei Vierecken.
Eigene Fragen entwickeln
Es ist für Schülerinnen und Schüler eine Herausforderung, Fragen korrekt zu stellen und sich auch interessante falsche Antworten zu überlegen. Dabei werden Begriffe entwickelt, Zusammenhänge entdeckt und Begründungen formuliert. Hier ist der Austausch untereinander wichtig und ich lasse die Jugendlichen zu zweit arbeiten. Sie dürfen aus einem Pool von kleinen Begriffskarten (Trapez, Winkel, Diagonale, Symmetrieachse, parallel, orthogonal usw.) jeweils zwei Begriffe zufällig ziehen, um dazu richtige oder falsche Aussagen zu formulieren. Um für Abwechslung zu sorgen, erstellen die Schülerpaare jeweils drei Fragen zu Vierecken und zur Wiederholung zwei weitere Fragen wahlweise zu Termen, linearen Funktionen, Prozenten oder Dreiecken. (Bei Termen liefert übrigens eine Sammlung typischer Fehlerquellen gute Anregungen für Fragen und Antwortmöglichkeiten.) Dies liefert Denkanstöße und eine gewisse Vielfalt.
Spieladaption im Unterricht
Bei „Wer wird Millionär? gibt es 15 Gewinnstufen. Diesen werden je nach Schwierigkeitsgrad nun die selbst erstellten Fragen zugeordnet. Wenn in der Klasse mit 30 Lernenden 15 Schülerpaare jeweils fünf Fragen erstellen und erproben, stehen schon 75 Fragen zur Verfügung, also pro Gewinnstufe fünf (bzw. fünf Fragesätze). Ich lasse die Zuordnung der Fragen in Sechsergruppen vornehmen: Die Lernenden erhalten neun zufällig ausgewählte „Vierecksfragen und sechs „Wiederholungsfragen. Die Einschätzung der Schwierigkeit erfolgt aufgrund der in der Erprobung gemachten Beobachtungen und der Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler.
Sind alle Gruppen mit der Zuordnung der Fragen fertig, kann das Spielen beginnen: Jede Gruppe würfelt einen „Spieler und einen „Moderator aus. Dieser bekommt den Fragensatz einer anderen Gruppe und einen Spielkasten (s. Kasten).
Kasten 1: Einen Frage-Antwort-Kasten bauen
Kasten 1: Einen Frage-Antwort-Kasten bauen
Material: Karton/Pralinenkasten oder Ähnliches, eine 4,5-V-Batterie, ein Glühlämpchen mit Fassung, 3 Kabel, 4 Reißzwecken oder Musterklammern, 1 Korken, 1 langer Nagel, Karteikarten, Alustreifen
Kosten: mit ca. 1,80€ pro Kasten ist zu rechnen, zusätzlich 2€ für 100 Karteikarten DIN-A7.
Bauzeit: ca. 30 Minuten.
Wenn man mit dem Nagel die Reißzwecke neben der richtigen Antwort berührt, leuchtet das Lämpchen, weil sich mit einem Alufolienstreifen auf der Rückseite der Karte der Stromkreis schließt.
Der weitere Spielablauf ist wie beim Original. Wie im Fernseh-Spiel gibt es Sicherheitsstufen bei 500€ und bei 16000€. Und auch Joker dürfen für Aspekte der Selbsteinschätzung und der Spielstrategie nicht fehlen. Der Fifty-fifty-Joker wird übernommen, anstelle des Publikums dürfen Mitschüler abstimmen (evtl. Handzeichen vereinbaren oder Zettel mit A, B, C, D vorbereiten) und statt eines Anrufjokers wird ein Buchjoker zugelassen. Mit einem Zeitlimit bei der Beantwortung der Fragen wird das Spiel noch spannender und ist mit Blick auf die Unterrichtszeit besser planbar. Lassen Sie die Klasse darüber entscheiden. Vielleicht wünschen sie sich ergänzend einen Zeitjoker für knifflige Fragen.
Wir haben vereinbart, dass fertige Gruppen als Publikum zu einer noch nicht fertigen Gruppe gehen. Sieger ist, wer die höchste Gewinnstufe erreicht hat.
Sp...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 206 / 2018

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