Peter Neumann

Gehört „Klappern“ zum sportpädagogischen Geschäft?

Peter Neumann

Sebastian Hörl & Ronald Edermayr (2020)
Best of! 70 innovative Bewegungsspiele. Für Sportunterricht, Verein und Freizeit. Sekundarstufe I + II
Auer Verlag
88 Seiten. 19,90 €
In ihrem kurzen Vorwort räumen die beiden Autoren freimütig ein, dass es eigentlich schon „genug Bücher, Beiträge und Beispiele zu Bewegungsspielen gibt sowohl in digitaler als auch in gedruckter Form. Doch ihrer Ansicht nach gibt es (noch) kein Bewegungsspielebuch, in dem die publizierten Spiele allesamt praxiserprobt und cool, selbst- als auch sozialkompetenzförderlich, kognitiv aktivierend, einfach zu verstehen und einfach zu spielen seien. Damit legen Sebastian Hörl und Ronald Edermayr die Messlatte ihres kleinen Buches (ziemlich) hoch!
Wer das Buch nun vor diesem Hintergrund in die Hand nimmt, wird schnell feststellen, dass die Autoren die beispielhafte Einlösung ihrer weitreichenden pädagogischen Wirkungsversprechen nicht leisten, da sie keine weiterführenden didaktisch-methodischen Überlegungen vorlegen. Stattdessen geht es um die übersichtliche und praxisnahe Beschreibung ausgewählter Bewegungsspiele.
Die 70 Bewegungsspiele werden verschiedenen Spielrubriken zugeordnet:
  • Laufspiele (24)
  • Fangspiele (8)
  • Ballspiele mit der Hand (24)
  • Ballspiele mit dem Fuß (9)
  • Ballspiele mit der Hand und/oder mit dem Fuß (5)
Die Beschreibung der jeweiligen Spiele ist dabei immer gleich aufgebaut und überschreitet selten den Umfang einer Textseite. Die Leserinnen und Leser werden kurz und verständlich über die Spielidee, das Spielmaterial, den Ablauf des Spiels (Spielbeschreibung) sowie über Variationsmöglichkeiten informiert. Diese Basisinformationen werden mithilfe von Piktogrammen angereichert. Damit die Leserinnen und Leser die jeweilige Spielbeschreibung besser verstehen können, werden beispielsweise Spielaufbauten oder Laufwege mit einem Schaubild illustriert. Zudem werden Kopiervorlagen abgedruckt, die beispielsweise für die „Memory-Staffel oder die „Begrifferaten-Staffel nützlich und notwendig sind.
Die Textgestaltung und das Layout sorgen zweifelsohne dafür, dass die beschriebenen Bewegungsspiele schnell erfasst werden können. Der Zugang und Umgang mit den Spielen ist somit unkompliziert möglich und für die Praxis gedacht und gemacht: Eilige Leserinnen und Leser finden alles Wichtige auf einer Seite beschrieben.
Neben dem guten Eindruck, den das vorliegende Buch hinsichtlich seiner Praktikabilität macht, sind aus fachdidaktischer und spieldidaktischer Sicht aber auch kritische Aspekte anzuführen:
„Innovation ist kein geschützter Begriff, doch wenn im Titel „innovative Bewegungsspiele angekündigt und versprochen werden, dürfen Leserinnen und Leser auch „Neues und „Innovatives erwarten. In der schulsportlichen Praxis arbeitende Leserinnen und Leser werden aber vermutlich schnell merken, dass ihnen viele der hier vorgestellten Bewegungsspiele bekannt sind oder bekannt vorkommen.
Ein breiter Einsatzbereich mit einer großen Zielgruppe (Lehrkräfte, Trainerinnen/Trainer, Übungsleiterinnen/Übungsleiter, Freizeitbetreuerinnen/-betreuer) sichert dem Buch sicherlich ein potenziell höheres Kaufinteresse als die Konzentration auf nur eine Zielgruppe. Aber „Sport und Spiel verfolgen in Schule, Verein und Freizeit aus sportpädagogischer Sicht sehr unterschiedliche Intentionen und Ziele.
Solche didaktischen Differenzierungen werden von den Autoren negiert, weil und insofern es ihnen allein um das Bewegen der Spielenden geht und nicht um Lernen. So wird eine Förderung der Spielfähigkeit der Schülerinnen und Schüler beispielsweise im Sinne eines klugen, fairen oder vielseitigen Spielens hier nicht verfolgt.
Bewegungsspiele und Staffeln werden begrifflich und didaktisch oftmals in einen Topf geworfen. Im vorliegenden Buch gibt es dazu einige Beispiele, wie die oben schon genannte Memory-Staffel. Nun mag es kleinkariert erscheinen, wenn ich aus sportdidaktischer Sicht auf bedeutungsvolle Unterschiede...

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Fakten zum Artikel
aus: Sportpädagogik Nr. 5 / 2020

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