Katrin Eilers

Erstes Üben auf eigenem Niveau

Katrin Eilers/Lars Bergmann

Mit Aufgabensets die Selbsteinschätzung fördern

Die Phase des Übens und Festigens neu erlernter Fähigkeiten eignet sich bekanntermaßen gut zur Differenzierung. Jeder von uns hat dabei einige Strategien, auf einzelne Schülerinnen und Schüler einzugehen: Zusatzaufgaben für die Schnelleren, individuelle Gespräche in Stillarbeitsphasen und vorbereitete Hilfen für Schwächere, oder auch nach Schwierigkeit gestufte Arbeitsblätter für alle.
Viele Lehrerinnen und Lehrer, die ihren Unterricht stärker individualisieren, haben sich mit der Zeit Aufgabensammlungen erstellt und bieten diese als binnendifferenzierendes Element an. Nach welchen Kriterien Aufgaben ausgewählt werden, ist meist recht unterschiedlich zum Teil gibt das Schulbuch einen Fundus vor, man erinnert sich an Aufgaben, die gut liefen oder man konstruiert selbst welche.
Was ist ein Aufgabenset?
Gerade bei den ersten vertiefenden Übungen zu einem neuen Thema bietet es sich an, eine gewisse Struktur der Aufgaben bei der Zusammenstellung zu beachten. Dies wird in einem sogenannten Aufgabenset umgesetzt. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von zehn Aufgaben steigender Schwierigkeit, die eine Vielfalt im Sinne der acht Strukturtypen (Abb.1 , vgl. Bruder 2003) abdecken. Von einfachen Grundaufgaben reicht das Spektrum bis hin zu offenen (Anwendungs-)Aufgaben. Somit ermöglicht das Aufgabenset den Schülern mit ihren unterschiedlichen kognitiven Voraussetzungen und Präferenzen einen individuellen Anschluss an das jeweilige Thema zu finden.
Es werden nicht alle Schülerinnen und Schüler alle Aufgaben lösen und schon gar nicht in der gleichen Zeit. Alle sollen jedoch mindestens einen Teil der Aufgaben bewältigen können. Die Leistungsstärkeren werden durch die aufsteigende Komplexität gefordert. Wichtig ist es, den Schülern die Zielsetzung transparent zu machen. Haben die Lernenden die Aufgaben bis zu einem bestimmten Punkt bearbeitet, sind die Voraussetzungen für erfolgreiches Weiterlernen erreicht.
Beispiele für Aufgabensets
Aufgabensets lassen sich zu jedem thematischen Block gut selbst erstellen. Beginnend mit etwa vier geschlossenen Aufgaben, bei denen ein erarbeitetes Verfahren angewendet werden muss, wird das nächste Level durch einfache Umkehraufgaben erreicht. Abgeschlossen wird das Set durch möglichst offene Aufgaben, die einen erhöhten Transferanspruch stellen.
Das Arbeitsblatt 1 zeigt ein mögliches Aufgabenset zu Termen in der Klasse 8. Zu einem komplexen Thema bieten sich auch mehrere Aufgabensets an, wie etwa bei den quadratischen Zusammenhängen in Klasse 7. Hierbei kann der Schwerpunkt auf die funk-tionalen Zusammenhänge oder auf die algebraischen Lösungsverfahren gelegt werden. Im Arbeitsblatt 2 geht es um die Scheitelpunktform einer Parabel.
Die Aufgaben 1 bis 4 sind in beiden Sets geschlossene Aufgaben mit steigender Komplexität. Sie orientieren sich am Kalkül und dienen der Festigung elementarer Grundlagen. Wer sie löst, beherrscht die Basisfertigkeiten. Mit der Aufgabe 5 beginnt die Öffnung.
Die Aufgaben 6 bis 8 hinterfragen bei den Funktionen ein vertieftes Verständnis verschiedener Darstellungsformen. Bei den Termen steht mit einfachen Umkehraufgaben (Bruder 2003) der Zusammenhang zwischen Kontext und Term im Mittelpunkt. Die Aufgaben 9 und 10 sind in beiden Fällen ein Angebot zur Forderung und Förderung leistungsstarker Schüler. (In Arbeitsblatt 1 sollen mit Termen Zusammenhänge erkannt und begründet werden, in Arbeitsblatt 2 bieten sich Parametervariationen und Koordinatisierung an.) Die letzten beiden Aufgaben verlangen also einen Transfer des Bekannten mit einem neuen Blickwinkel, ohne verpflichtende Lerninhalte für alle vorweg zu nehmen.
Bei beiden Aufgabensets wird kein gleichförmiges Vorgehen erwartet, jeder sollte aber in der Lage sein, in der Zeit von 20 Minuten fünf Aufgaben zu bearbeiten. Wer alle Aufgaben lösen konnte, ist bereits sehr gut gerüstet für den...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 162 / 2010

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