Luitgard Schatral

Du musst es selbst tun ...

1 |  Beispiel für ein Lernstraßenprotokoll zur Wiederholung des Themas „Zuordnung“
1 | Beispiel für ein Lernstraßenprotokoll zur Wiederholung des Themas „Zuordnung“ , © Friedrich Verlag

Luitgard Schatral

Mit einer Lernstraße Selbstständigkeit entwickeln und Selbstwirksamkeit erleben

Lernstraßen
Lernstraßen
Worum gehts?
Eine Lernstraße enthält eine Sammlung von aufeinander aufbauenden Lernaufgaben.
Den Ausgangspunkt bildet ggf. eine Eingangsdiagnose (Standortbestimmung), mit der Vorkenntnisse bzw. Lücken festgestellt werden. Darauf aufbauend bearbeiten die Lernenden Aufgaben, die Lücken füllen und Verständnis aufbauen. Beispielsweise sammeln sie Fachbegriffe, entwickeln dazu Beispiele, Bilder und Erklärungen und visualisieren diese ggf. in einem Begriffsnetz.
Die Schülerinnen und Schüler entscheiden dabei selbst, ob sie allein oder mit einer Lernpartnerin/einem Lernpartner arbeiten und welche Hilfen sie einsetzen.
Didaktische Ziele
Ziel der Lernstraße ist nicht in erster Linie, die Bearbeitung des Lernstoffs zu organisieren und zu gestalten; vielmehr geht es um die Einführung einer Arbeitskultur, die zu einer Haltungsänderung der Lernenden führen soll, bis hin zur Übernahme der Verantwortung für ihr eigenes Lernen.
Sozialform
Einzel- und Partnerarbeit
Hinweis
Die Methode wurde unter diesem Begriff von der Autorin selbst entwickelt, daher gibt es keine weitere Literatur dazu. Der Begriff „Lernstraße wird, zum Teil abgewandelt, auch für andere methodische Vorgehensweisen verwendet.
„Ich verstehe das einfach nicht! Welche Lehrkraft kennt diesen resignierten Spruch nicht aus dem Mathematikunterricht?
Früher habe ich in einer solchen Situation den gerade gezeigten Mathematikstoff für meine Schülerinnen und Schüler wieder und wieder wiederholt und erklärt. Manchmal bin ich fast verzweifelt, weil trotz aller Wiederholungen die Lernenden doch nicht mehr verstanden haben.
Irgendwann ist mir meine Großmutter eingefallen, die mir mit unendlicher Geduld Stricken und Häkeln beigebracht hat. Ich habe ebenso gejammert: „Ich kann das nicht! Ihre Antwort war immer gleich: „Du musst es selbst tun, sonst lernst du es nie.
Und wie glücklich war ich damals, als es endlich klappte. Ich wollte nichts anderes mehr machen.
Eine Arbeitskultur entwickeln
Diese Leidenschaft durch Selbsttätigkeit möchte ich auch bei den Schülerinnen und Schülern wecken. Mir ist klar, dass ich dafür eine Arbeitskultur entwickeln muss, die den Schülerinnen und Schülern das selbstständige Lernen überhaupt erst ermöglicht. Die folgenden vier Grundprinzipien sind mir als Basis für die Zusammenarbeit wichtig:
1) Miteinander ins Gespräch kommen
Dazu rege ich an, dass immer zwei Sitznachbarn die gestellten Aufgaben gemeinsam lösen sollen. Zudem übe ich mit allen die Flüstersprache ein und vereinbare ein Zeichen für den Lautstärkepegel.
2) Partnerarbeit verstehen
Ich bespreche im Plenum, was Partnerarbeit bedeutet. „Es geht darum, dass beide durch gegenseitige Unterstützung und Hilfe zum Ziel kommen. Wir klären konkret, was das bedeutet: Die jeweiligen Partner müssen lernen, miteinander zu verhandeln, auf welche Art sie die Aufgaben lösen wollen, z. B. „Wir rechnen jetzt beide bis zur Aufgabe 5 und dann vergleichen wir miteinander. Nach der Arbeitsphase reflektieren wir gemeinsam, welche dieser Vorgehensweisen sich bewährt haben und warum.
3) Eine Fehlerkultur entwickeln
Fehler sind ein wichtiger Teil jedes Lernprozesses. Der Weg, wie eine Aufgabe bearbeitet wurde, ist entscheidend, und dass die Lernpartner sich ihren Weg gegenseitig erklären können. Sätze wie „Ich habe ein anderes Ergebnis. Wir schauen jetzt beide noch einmal, wo der Fehler steckt stehen für gegenseitige Achtung.
4) Unterstützung einholen
Wenn ein Schülerpaar nicht weiterkommt, rege ich an, im Heft, im Regelheft, im Buch oder ggf. auf dem Lösungsblatt nachzuschauen. Wenn das Problem dann noch immer besteht, kann eine andere Gruppe oder ich als Lehrkraft befragt werden.
Um möglichst wenig andere Gruppen durch Nachfragen zu stören, setze ich farbige Kärtchen ein. Ein grünes Kärtchen auf dem Tisch...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik 5-10 Nr. 51 / 2020

Lernen hat Methode

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10