Tassilo Küpper, Anastasia Romanuk, Anne Simone Schulten

Algorithmen im Theaterstück

Tassilo Küpper, Anastasia Romanuk, Anne Simone Schulten

Theater mit mathematischer Thematik zur Motivation

Inwieweit eignen sich mathematische Themen als Grundlage für ein Theaterstück? Und lässt sich über eine solche „spielerische Präsentation die Motivation für diese Themen steigern? Können dadurch sogar mathematische Inhalte vermittelt werden? Solche Ansätze waren schon früher bekannt (z. B. Hefendehl-Hebeker 1985), sind dann von uns im Rahmen der Kölner Kinderuni mit drei Stücken1 umgesetzt worden (Küpper 2016 und 2017 sowie Küpper & Schulten 2015).
Das dritte Stück haben wir 2017 entwickelt, motiviert durch die Diskussion zur Vermittlung von Kenntnissen zur Digitalisierung. Es befasst sich mit einem Kernelement der Digitalisierung, den Algorithmen. Unser Ziel war es, mit „Keine Angst vor Netzgespenstern einerseits zunächst Basiswissen über digitale Prozesse und Algorithmen zu vermitteln und andererseits auch die vielfach verbreitete Skepsis und Furcht hinsichtlich des allgegenwärtigen Einflusses von Algorithmen zu thematisieren.
Konzeption zu „Keine Angst vor Netzgespenstern
Mit dem Titel und dem Hinweis auf „Netzgespenster greifen wir die gängigen Befürchtungen hinsichtlich der Macht der Algorithmen auf, die in vielfältiger Weise mit zum Teil undurchschaubaren Auswirkungen genutzt werden und die Nutzer schlimmstenfalls indirekt über die zur Verfügung gestellten Daten „ausnutzen, nach weitverbreiteter Meinung: „Algorithmen beherrschen uns! In diesem Sinne erscheinen in einem Prolog die „Netzgespenster auf der Bühne und verkünden charakterisierende Slogans:
Google: „Ich weiss alles!,
Facebook: Ich notiere alles!,
Maps: „Ich weiß immer, wo du bist!,
Twitter: „Wir sprechen überall mit!,
Amazon: „Ich weiß, was du brauchst!,
Big Data: „Bei mir ist alles gespeichert!,
Cloud: „Ich bin überall!,
Fake News: „Wer glaubt uns nicht?,
Social Bots: „Wir machen Stimmung!
Gemeinsam behaupten sie dann selbstbewusst:
„Wir sind die Netzgespenster, die Herrscher der modernen Welt!
Wir sammeln Eure Daten und machen daraus Gold und Geld
Algorithmen sind famos, nützlich, schnell und grandios.
Doch was wir nebenbei noch treiben, würde mancher gern vermeiden.
Nach diesem Droh-Szenario vertreibt der „Mathe-Zauberer die Netzgespenster mit dem Anspruch, selbst besser über Algorithmen Bescheid zu wissen (Szene 1). Zum Beweis führt er unter Einbeziehung von zwei (fiktiven) Zuschauern, die anschließend im Stück weiter mitspielen, einen auf einem einfachen Algorithmus basierenden Kartentrick vor.
Die Auflösung des verblüffenden Tricks wird zunächst zurückgestellt; stattdessen erklärt der Mathe-Zauberer die Herkunft des Begriffs „Algorithmus, der auf den persischen Gelehrten Al Kwarizmi zurückgeht, der in Szene2 selbst erscheint und seinen „Algorithmus zur Multiplikation großer Zahlen entdeckt und an seinen Freund weitergibt aber in verschlüsselter Form, wodurch die Möglichkeit entsteht, als weiteres einfaches Beispiel für einen Algorithmus die „Cäsar-Verschlüsselung vorzuführen.
In einer Zwischenszene rekapituliert der Mathe-Zauberer den bisherigen Stand und erklärt dann das Spiel „Die Türme von Hanoi, anhand dessen die Funktionsweise eines Algorithmus systematisch erfasst werden soll. In Szene 3 sieht man auf der Bühne im Hintergrund die „Mönche von Benares bei der Aufgabe, den Turm umzusetzen.
Verwundert durch das vergebliche Bemühen der Mönche, entwickeln die Lernenden selbst ein systematisches Verfahren zur Lösung des Problems, stellen das Vorgehen anhand eines Flussdiagramms dar und kommen angesichts der einfachen Prozedur auf die Idee, damit einen Roboter zu programmieren.
Der Roboter löst in der Tat die ihm gestellte Aufgabe problemlos, sodass sich die Frage stellt, warum die Mönche dazu nicht in der Lage waren: eine Überleitung zu Komplexitätsüberlegungen, die das exponentielle Wachstum der auszuführenden Schritte und damit den alle Erwartungen...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 221 / 2020

Motivation

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6