Ursula Bicker, Kerstin Hopp

Autos und Motorräder

Ursula Bicker, Kerstin Hopp

Sachsituationen zu Gleichungssystemen verstehensorientiert erarbeiten

Die Herausforderung: maximale Heterogenität
Das Thema „Gleichungssysteme ist in unserem Lehrplan zur Qualifikation der Berufsreife nur als fakultatives Angebot für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler vorgesehen. Es bietet aber wegen der Möglichkeit des systematischen Probierens einen einfachen Zugang auch für Leistungsschwächere, andererseits auch genügend mögliche Herausforderungen für Leistungsstarke. Gleichzeitig bietet es Anlässe für alle, die früher behandelten algebraischen Themen zu wiederholen und zu vertiefen.
Ein Grundproblem bei allen algebraischen Themen ist unserer Erfahrung nach das „Hantieren ohne Verständnis: Mehr oder weniger gut werden Routinen beim Umformen von Termen und Gleichungen gelernt, darin wird aber oft kein Sinn gesehen. Daher war es uns bei der gemeinsamen Planung der Unterrichtseinheit wichtig, die einzelnen Lösungsverfahren (auch grafisch) in enger Anbindung an den Sachkontext zu entwickeln und die Schülerinnen und Schüler das auch immer verbalisieren zu lassen.
Alle Aufgaben sind von den Lernenden mit geeigneten Hilfsmitteln handelnd-experimentell lösbar, dies wird bei Leistungsschwächeren konkretisiert und ihre Einbindung in das gemeinsame Lernen aufgezeigt.
Drei Jungen aus unserer Klasse
Drei Jungen aus unserer Klasse
Jonas ist zu Schuljahresbeginn an die Realschule plus gewechselt. Er besuchte zuvor das Gymnasium. Im Fach Mathematik ist er leistungsstark. Ungewohnt sind für ihn noch das Mathematisieren von Alltagshandlungen und die Aufforderung zum Darstellungswechsel. Nach einer Reihe von Misserfolgserlebnissen am Gymnasium zeigt er sich sehr motiviert, wenn er seine mathematischen Kompetenzen vor der Klasse unter Beweis stellen kann.
Max ist ein Junge mit Trisomie 21. Er mag Autos und Tiere und arbeitet gerne anhand von konkretem, ansprechendem Material. Er ist u. a. mit dem Numicon-Material vertraut. Max arbeitet nach wie vor an der Festigung des Kleinen Einspluseins und übt zudem Zählstrategien wie z.B. das Weiterzählen in Zweierschritten. In den vergangenen Schuljahren wurde immer wieder an seinem Gleichungsverständnis gearbeitet. Max kann Gleichheit und Mengengleichheit anhand konkreter Materialien erkennen und herstellen und er ist mit dem Waage-Modell vertraut.
Max zeigte in jüngster Vergangenheit Interesse, selbst auch am Koordinatensystem zu arbeiten. Er kann mithilfe des Geodreiecks Geraden zeichnen und mit zunehmender Genauigkeit Punkte miteinander verbinden. Es fällt Max noch oft schwer, sich genau an Aufgabenstellungen zu halten, anstatt z.  B. Lernmaterialien rein kreativ einzusetzen.
Mesut ist sehr beliebt in seiner Klasse und als großer Autoexperte bekannt. Bei ihm wurde sonderpädagogischer Förderbedarf im Bereich „Lernen festgestellt. Differenzierte Aufgabenstellungen nimmt er nur ungern an, lieber orientiert er sich daran, welche Aufgaben seine Freunde wählen. Beim Lösen der Aufgaben nutzt er meist schematische Lösungswege oder lässt sich die Ergebnisse von den Freunden geben, ohne den Lösungsweg zu hinterfragen. Das Lösen von Termen auf konkret handelnder Ebene gelingt meist, jedoch ohne Verbindung zwischen „Mathesprache und „dem wahren Leben. Erhebliche Schwierigkeiten zeigt Mesut im Bereich der räumlichen Orientierung, Koordinatensysteme kann er selbstständig nicht zeichnen. Zudem zeigt Mesut Probleme bei der Handlungsplanung. Er ist sehr offen für Ablenkungen und führt komplexe und mehrschrittige Arbeitsaufträge nicht immer vollständig aus. Strukturierungshilfen, wie z.B. Checklisten mit visualisierten Handlungsschritten, dienen ihm als Hilfe.
Autos und Motorräder
Als Einstiegsaufgabe dient eine Variante der klassischen Tieraufgabe mit Anzahlen von Köpfen und Beinen; wir wählen aber den Kontext „Auto/Motorrad, weil dieser die Lernenden stärker anspricht. Ich habe eine bildliche Repräsentation der...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik 5-10 Nr. 48 / 2019

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