Otmar Kampert

Nike oder Victoria

Nike-Relief in Ephesos
Nike-Relief in Ephesos, Jackie Ramirez / Pixabay

Otmar Kampert

Die Unterschiede der griechischen und römischen Göttervorstellung in der Reihe „Helden des Olymp von Rick Riordan

In der Reihe „Helden des Olymp spielen griechische und römische Götter eine Rolle. Am Beispiel von Nike und Victoria erarbeiten die Schüler Gemeinsamkeiten und Unterschiede und erkennen, dass die beiden Göttinnen auch in der Antike nicht identisch waren.

Nach dem großen Erfolg der „Percy Jackson-Reihe, in der griechische Götter die heutigen USA unsicher machten, erweiterte Rick Riordan die Handlung der sich anschließenden Reihe „Helden des Olymp inhaltlich um römische Götter und geografisch um Europa. Ein Grund für den Erfolg neben den spannenden Geschichten dürfte auch der Humor sein, der häufig gerade an den spannendsten Stellen aufscheint und die Gegenwart des Lesers mit der Antike verbindet. Als Percy Jackson, der Sohn des Poseidon, und Leo, der Sohn des Hephaistos, überlegen, wie sie die Göttin Nike aufspüren können, entwickelt sich folgender Dialog zwischen den Teenagern:
  • „Was, wenn wir zum Beispiel Adidas-Schuhe lobten?, überlegte Percy. „Würde das Nike so wütend machen, dass sie hier auftaucht?Leo lächelte nervös. Vielleicht hatten Percy und er noch eine Gemeinsamkeit – einen Sinn für Albernheiten. „Klar, das wäre garantiert total gegen ihren Sponsorenvertrag. DAS SIND NICHT DIE OFFIZIELLEN SCHUHE DER OLYMPISCHEN SPIELE! JETZT WERDET IHR STERBEN! (Riordan, Blut 113)
Zeus ist nicht Iuppiter: Griechisches und römisches Götterverständnis
Durch das Aufeinandertreffen von griechischen und römischen Halbgöttern erscheinen die Götter auch in griechischer und römischer Sicht. Immer wieder wird in der Reihe thematisiert, dass die Götter Identitätsprobleme bekommen, wenn sie gleichzeitig ihre griechische und römische Seite zeigen sollen (Material 2 ).
Aber nicht nur das Aussehen der Götter verändert sich, sondern auch der Charakter. So wird ein Satyr, Trainer Hedge genannt, von einem Faun abgegrenzt:
  • So langsam hatte sie die Unterschiede zwischen Faun und Satyr begriffen. Wenn sie jemals einschliefe, während ein Faun Wache hielt, wären beim Aufwachen ihre Vorräte gestohlen, jemand hätte ihr einen Schnurrbart ins Gesicht gemalt und der Faun hätte sich längst aus dem Staub gemacht. Trainer Hedge war anders – meistens auf gute Weise anders [] (Riordan, Blut 62).
Die griechischen Götter
Wenn man sich mit griechischen Gottheiten beschäftigt, so bilden die Werke von Hesiod und Homer die Grundlage. In dem polytheistischen System der anthropomorphen Götter sind diese für Menschen nur dann sichtbar, wenn jene es wollen. Aber die Götter sind nicht allmächtig oder allgegenwärtig, sondern an Raum und Zeit gebunden. Sie werden oft von Emotionen geleitet und verhalten sich auch amoralisch. Obwohl sie Regeln der Gerechtigkeit und der Moral bei den Menschen aufrechterhalten, haben für ihr eigenes Handeln ihre eigenen Interessen und ihre Verpflichtungen gegenüber Verwandten und Freunden Vorrang.
Erscheinen sie Menschen, werden sie oft als groß, schön, wohlriechend und eindrucksvoll beschrieben. Sie sind mehr als ein Mensch, aber doch beschränkt.1 Zeus beispielsweise wird als stärkster und mächtigster Gott geschildert. Diese Eigenschaften dominieren sein Wesen und Handeln. So ist er seinem menschlichen Pendant im Trojanischen Krieg, Agamemnon, zugeneigt, sein Umgang mit Frauen ist von Kampf und Sieg bestimmt. Allmächtig ist aber auch er nicht: So trifft bei dem Zweikampf zwischen Hektor und Achill nicht der Göttervater die Entscheidung, sondern das Schicksal wird abgewogen (Ilias 22,208 – 13). In ähnlicher Weise stellt Zeus am Anfang der Odyssee fest, dass Ägisth sein Leiden über das für ihn vorgesehene Maß gesteigert habe (Odyssee 1,34 – 39).
Die Vielzahl der griechischen Götter führt auch immer zu komplementären Paaren, wie z.B. Hera und Zeus. Ordnung kann jeder Gott nur in seinem eigenen Bereich schaffen und er greift nur dann ein, wenn dieser verletzt...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 1 / 2017

Antike in der Jugendliteratur

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 5-6