Laura Zinn/Otmar Kampert

Lehren, Lernen und die neu-imaginierte Antike des 21. Jahrhunderts

Chiron in der Verfilmung von „Percy Jackson – Diebe im Olymp“
Chiron in der Verfilmung von „Percy Jackson – Diebe im Olymp“. , Foto: © akg-images / Album / 1492 Pictures / Imprint Entertainment

Laura Zinn/Otmar Kampert

Die Schule und das Schulleben in ausgewählten Werken der Kinder- und Jugendliteratur werden in diesem Unterrichtsvorschlag mit dem Schulleben in der Antike verglichen. Die Kontrastierung der Schulsysteme ermöglicht anschließend eine kritische Reflexion.

Bei der Betrachtung von Werken, die eine neuimaginierte Form der Antike1 in eine dem 21. Jh. angenäherte fiktive Welt versetzen, lässt sich häufig eine charakteristische Kombination von Lernen, Lehrmethoden und Wissen über die Antike beobachten. Dies ist einerseits sicherlich dem Genre zuzuschreiben, das spätestens mit der Verlagerung fantastischer Ereignisse in ein Schulsetting wie in J.K. Rowlings „Harry Potter-Serie die Schule erneut zum tragfähigen Handlungsort gemacht hat. Andererseits weist es durch die Kombination von Lehren, Lernen und der als Bildungsgut funktionalisierten Antike über die typischen school-story-Elemente dieser fantastischen Kinder- und Jugendliteratur hinaus.
Schule als Handlungsort und Bildungsinstitution
Antike Mythenstoffe fungieren hierbei als eine Form von Geheimwissen, das sich „in mehrfacher Hinsicht als zentral in fantastischen Werken [erweist] – insbesondere wenn man bedenkt, dass in fantastischer Literatur die Naturgesetzlichkeiten einer fiktionalen Welt nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet werden können und deshalb grundsätzlich erst eingeführt und erklärt werden müssen.2 Zur Vermittlung dieses Wissens über die neue Ebene der romaninternen Wirklichkeit – in diesem Fall der neuimaginierten Antike – werden unterschiedliche Lern- und Lehrkonzepte in die Werke eingebettet, die sich bei einer Behandlung im Unterricht als Startpunkt für eine Beschäftigung mit den dargestellten Mythen funktionalisieren lassen.
Stereotype Lehrmethoden
Oft werden stereotype, zumeist negativ besetzte Lehrmethoden des Unterrichts, wie der Frontalunterricht oder „Frage-Antwort-Spiele verwendet, die das Verhältnis zwischen Lehrkörper und Schülern kritisch in den Blick nehmen. Die Frage-Antwortspiele sind meist eng gefasste, knapp zu beantwortende Wissensfragen, die dazu dienen, den Stand des Gelernten zu überprüfen; sie werden in der Literatur häufig dazu verwendet, aus Sicht der Schüler ein Gefühl des ungerechtfertigten und ungerechten „Vorgeführtwerdens zu erzeugen.
Entdeckendes Lernen
Entdeckendes Lernen kommt erst im Zuge der neuen, mit dem Fantastischen verbundenen Lehr- und Lernformen vor. Zu Beginn wird Schule also von ihrer negativen/langweiligen/etc. Seite gezeigt. Diesen negativ konnotierten Formen des Lehrens und Lernens werden andere, für die Protagonisten zweckdienlichere Lernkonzepte entgegengestellt, die sich häufig aus Mischformen von Eigenstudium durch Lesen und eine nahezu detektivische Rechercheleistung, einem Training durch Mentoren und dem Lernen in der Peer Group zusammensetzen. Bei der Behandlung der im Folgenden angeführten Lektürebeispiele sollte daher ein Bewusstsein dafür entstehen, dass es sich hier um kritische Darstellungen von Schule als Bildungsinstitution handelt, was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen kann.
Keine Akzeptanz aufgrund von Andersartigkeit
„Percy Jackson
Vorsichtig muss mit der Tatsache umgegangen werden, dass den im Anschluss an Rick Riordans „Percy Jackson-Pentalogie entstandenen Werken eine Anti-Schul-Haltung zugrunde liegt, die sich nach Sheila Murnaghan folgendermaßen begründen lässt: „Riordan aims to draw in and satisfy his child readers by catering to the distaste for school that he assumes they feel.3 Die Heldinnen und Helden, (Halb-)Götter und (Halb-)Göttinnen können in dieser primär als rein menschlich verstandenen Bildungsinstitution aufgrund ihrer Andersartigkeit keine Akzeptanz finden. Dazu trägt ihr unangepasstes Verhalten bei, das sich beispielsweise in Riordans „Percy Jackson-Reihe über den titelgebenden Sohn des Poseidon beobachten lässt. Percy wird diagnostiziert, er leide an ADHS und Legasthenie, was...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 1 / 2017

Antike in der Jugendliteratur

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 7-9
  • Thema: Rezeption
  • Autor/in: Laura Zinn, Otmar Kampert