Ludger Scherer

Helena auf einem rotfigurigen attischen Krater ca. 450-440 v. Chr.
Helena auf einem rotfigurigen attischen Krater ca. 450-440 v. Chr., Foto:Jastrow, gemeinfrei

Ludger Scherer

Helena antike Schönheit in zeitgenössischen Kinder- und Jugendmedien

Helena ist zum Synonym numinoser weiblicher Schönheit geworden – mit all ihren Reizen und Gefahren. Das große Spektrum der mythologischen Überlieferung hat dabei schon immer zum literarischen Spiel mit einzelnen Elementen und Motiven eingeladen, wobei insbesondere die Frage nach Helenas Schuld am Trojanischen Krieg zahlreiche konträre Deutungen erfahren hat. Ihr Mythos ist jedoch auch insgesamt vielfältig und reich an Varianten. Aus einem reichen Reservoir von Überlieferungssträngen und Mythemen schöpft die Kunst von der Antike bis in die Gegenwart und arbeitet sich mit zahlreichen Interpretationen am Mythos der Schönheit ab.1
Entsprechend ist Helena ebenfalls in aktuellen Kinder- und Jugendmedien präsent, wenn auch weniger prominent vertreten als andere – männliche – Protagonisten der antiken Mythologie. Ihre Transformationen reichen, wie die folgenden Beispiele zeigen, von „Edutainment-Formaten, die Wissensvermittlung und Unterhaltung verbinden, bis zu biografischen Fiktionalisierungen im Jugendroman. Dem Zielpublikum entsprechend wird Helena dabei kindgerecht gezeichnet oder als Teenager präsentiert, also ihre Lebenszeit vor der Begegnung mit Paris in den Blick genommen. In der Geschichte der Mythenadaptionen stellen erzählende Darstellungen des mythologischen Handbuchwissens eine wichtige Etappe dar, deren bekannteste wohl Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums (1838 – 40) sind.2
Nomen antiquitatis
Helena taucht in nicht wenigen Publikationen für Kinder und Jugendliche als typischer Name für Griechenland respektive die griechische Antike auf, ohne explizite Bezugnahme auf ihren Mythos.
„Helena und Xenophon
Dies ist beispielsweise bei Erika Zwierlein-Diehls Bilderbuch „Helena und Xenophon (1974) der Fall. Das als „archäologisches Kinderbuch betitelte Werk präsentiert Schwarz-Weiß-Abbildungen griechischer Vasenmalerei zur Illustrierung der Kindheit in der Antike. Helena und Xenophon sind hier nur archetypische antike Namen, mit deren Hilfe Kindern des 20. Jh.s der Alltag ihrer Altergenossen im alten Griechenland nahegebracht werden soll. Diese Tendenz, Helena als typisch griechischen Namen bloß plakativ einzusetzen, erreicht übrigens auch wissenschaftliche Studien, z.B. „Helenas Töchter. Frauen und Mode im frühen Griechenland (Junker/Tauchert 2015).
„Pina reist nach Griechenland
Nominell taucht Helena auch in dem brasilianischen Kinderbuch „Diário de Pilar na Grécia (2010) von Flávia Lins e Silva auf, in Deutschland 2013 unter dem Titel „Pina reist nach Griechenland publiziert. Die phantastische Reise der Titelheldin von Rio de Janeiro nach Griechenland wird ausgelöst und überschattet von der Suche nach ihrem geliebten Opa Pedro, einem gelehrten Kenner der antiken Mythologie, der auf einer Vortragsreise in Griechenland gestorben ist. Dort trifft Pina auf das Mädchen Helena und deren großväterlichen Freund Tiresias.
Dieses Griechenland ist einerseits in der Gegenwart, andererseits in mythischer Zeit lokalisiert. Pina erlebt dort mit der gleichaltrigen Helena mythologische Abenteuer im Palast des Midas, beim Tanz mit Dionysos und auf der Reise mit Pegasus auf den Olymp. Sie steigt sogar in den Hades hinab und führt ein kurzes tröstendes Abschiedsgespräch mit ihrem Opa, bevor sie auf magische Weise nach Brasilien zurückkehrt. Freundschaft und Verarbeitung der Todeserfahrung stellen die wichtigsten Themen dieses Reisetagebuchs dar, das mit fotografierten Objekten, geografischen und mythologischen Notizen der Protagonistin angefüllt ist und damit eine kindgerechte Form der Wissensvermittlung betreibt. So findet sich beispielsweise das griechische Alphabet erklärt, auch wenn ausgerechnet bei der Transkription von Helena als „HEΛENA (34) ein Fehler unterläuft. Diese, was Kleid und Sandalen betrifft, vage hellenisierend gezeichnete Helena bleibt als gleichaltrige Freundin jedoch...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 1 / 2017

Antike in der Jugendliteratur

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Fachwissen Schuljahr 5-13