Elias Hoffmann

Barney Stinsons „Playbook“ und Ovids Ars amatoria

Schülerarbeit: Collage aus verschiedenen Fotos und Symbolen. Darunter der Spruch „Tu mihi sola places“
Schülerarbeit: „Tu mihi sola places“, Foto: © Elias Hoffmann

Elias Hoffmann

Das Playbook aus der TV-Serie „How I met your mother und Ovids Ars amatoria haben dasselbe Ziel: „to pick up chicks. Die Schüler befassen sich mit ausgewählten Passagen der Ars amatoria und aktualisieren sie in ihrer kreativen Umsetzung. Nach dem Muster des Playbooks entsteht so ein moderner Liebesratgeber auf Grundlage des antiken Textes.

Es ist die 8. Folge in der 5. Staffel der US-Serie „How I Met Your Mother, in der der Beau Barney Stinson, der stets auf der Suche nach einer neuen kurzlebigen Affäre ist, seine Freunde notgedrungen in sein Spiel mit dem geheimen Playbook einweiht: ein Buch, in welchem er sämtliche Rollen gesammelt hat, in die er je nach Anlass und Situation zu schlüpfen weiß – sei es der exotische Fremde „Lorenzo von Matterhorn oder der verständnisvolle Zuhörer auf dem Empire State Building –, stets dasselbe Ziel verfolgend: „to pick up chicks and give them the business . Und wenngleich ihn seine Freunde in der Folge dafür zurechtweisen und damit drohen, das Playbook zum Schutze aller Frauen New Yorks bei Facebook zu veröffentlichen, versuchen sie sich im Anschluss doch selbst – in Teilen mit Erfolg – an bestimmten Rollen.
Doch was hat nun dieser Verweis in die amerikanische TV-Serienkultur mit Ovids Ars amatoria zu tun? Und auf welche Weise sollen Schüler an dieser Stelle selbst zu Rezipienten antiker Dichtung werden?
Ein Vergleich des Playbooks mit der Ars amatoria
Die Ars amatoria ist zwar kein Liebes-Kompendium diverser Charakterrollen, gleicht jedoch im Kern dem Thema und Ziel des Playbook: to pick up chicks. Diesem Gedanken folgend offenbart Ovid zunächst dem Leser, dass ein jeder die ars amandi zu erlernen vermag (lecto carmine doctus amet, Ars 1,2), das ersehnte Mädchen aber sprichwörtlich nicht vom Himmel fällt (non tenues veniet delapsa per auras, 1,43), sodass Engagement bei der Suche gefragt sein wird!
Anschließend wird Rom zum metaphorischen Jagdrevier erklärt und Ovid offenbart, an welchen Stellen die Aussicht auf Beute am größten erscheint (Scit bene venator, cervis ubi retia tendat, 1,45) – sei es das Theater (1,89ff.), der Circus (1,135ff.) , oder das Forum (1,77ff.), jeder Ort bietet seine Chancen, aber auch Eigenheiten, die es zu beachten gilt. Und so hat es auch hier viel mit Schauspielerei zu tun, wenn dem Liebessuchenden empfohlen wird, im Circus schnellstmöglich das Pferdegespann auszumachen und anzufeuern, welches in der Gunst der ersehnten puella steht (Nec mora, quisquis erit, cui favet illa, fave, 1,146). Auch für den privaten Raum werden Tipps gegeben und auf die zentralen Risiken bei einem Gastmahl hingewiesen, denn mit dem Alkohol war das auch schon in der Antike so eine Sache – und gerade zu später Stunde bei nächtlichem Kerzenschein oblag man auch früher schon gerne mal einer verhängnisvollen Sinnestäuschung (horaque formosam quamlibet illa facit, 1,250). Doch nicht nur der rechte Rahmen, auch das eigene Auftreten wird in der Ars amatoria kritisch in den Fokus genommen: Und diesbezüglich erörtert Ovid ganz nach Barney Stinsons Credo – Suit up! – Kleidungsstil und Körperpflege: Saubere Zähne, frischer Atem, geschnittene Nägel, passende Schuhe (1,513ff.) – kurzum Hinweise zu einem gepflegten Äußeren, mit welchen man sich auch heute gut beraten fühlen kann. Und selbiges gilt auch für ein weiteres Kapitel der Ars amatoria, die Kunst der Komplimente: So wird „mager bei einem geübten Verführer zu „grazil, aus „dick wird „kurvig, und zu Gunsten des Erfolgs das Wort zur suggerierten Realität (Nominibus mollire licet mala, 2,657ff.) .
Diese lebensnahe Aktualität der Ars amatoria fordert dazu auf, gemeinsam mit den Schülern ein modernes Äquivalent während der Lektüre auszugestalten, welches im engeren Sinne zwar kein Playbook ist, dem aber als Liebesratgeber doch zumindest nahekommt. Je nach Textauswahl kann der Umfang natürlich variieren; auf Grundlage der aufgegriffenen Passagen ergäbe sich...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 3 / 2017

Schüler lesen Ovid

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (> 10 Std.) Schuljahr 10-12