Michael Stierstorfer / Martin Hofschuster / Markus Janka

Petrons Satyrica und ihre Rezeption

Filmfoto aus Marco Ferreri, 1973, „Das Große Fressen“
Foto aus Marco Ferreri, 1973, „Das Große Fressen“, © imago / AD

Michael Stierstorfer / Martin Hofschuster / Markus Janka

Anhand von Rezeptionsdokumenten, die nahe an der Lebenswelt der Lernenden liegen, erkennen die Schüler die Wirkkraft der Satyrica. So eröffnen sich ihnen neue Interpretationsperspektiven auf den antiken Text.

Petrons einzigartiges Werk Satyrica stellt einen Archetyp des europäischen Schelmenromans dar und zählt zu den wichtigsten Quellen des Vulgärlateins. Die modern anmutende Erzähltechnik und Figurengestaltung1 sind aus literarästhetischer und wirkungsgeschichtlicher Perspektive wichtige Faktoren für die Prominenz dieses prosimetrischen Romans im Unterricht und in der Populärkultur. Prominentes Beispiel ist Fellinis Verfilmung „Satyricon, die sich auch in puncto Ästhetik als wegweisend für die im Folgenden vorgestellten Rezeptionsdokumente erweist. Nicht nur aus diesen Gründen hat dieses satirische Werk, das u.a. das geschmacklose Gebaren einer halbgebildeten, neureichen römischen Oberschicht parodiert, seit einigen Jahrzehnten seinen festen Platz im schulischen Curriculum der Oberstufe. Dabei spielt im Rahmen eines kompetenzorientierten Unterrichts der Einbezug von Rezeptionsdokumenten unterschiedlicher Epochen eine wichtige Rolle.
Vertiefung durch Rezeptionsdokumente
Die folgenden Überlegungen stellen mehrere Dimensionen prototypischer Schelmenhaftigkeit aus den Satyrica vor, die anhand aktueller Rezeptionsdokumente mit den Schülerinnen und Schülern vertieft werden können. Auf diese Weise eröffnen sich neue Interpretationsperspektiven für den antiken Text. Dass moderne (audiovisuelle) Rezeptionsdokumente einen Gewinn für die Interpretation der klassischen Texte darstellen, hebt insbesondere Janka am Beispiel der Serie „Rome (2005 – 2007) hervor: „Eben dieser Blick von der Gegenwartskultur zurück auf die Gegenstände der Antike, der dann in einem dialektischen Prozess jeweils neue Gesichtspunkte und Blickwinkel auch für die werkimmanente Interpretation der klassischen Texte erschließt, prägt das [] vorgestellte Lektürekonzept. Diese rezeptionsdialektische Hermeneutik lateinischer Lektüretexte ist als konsequente Weiterentwicklung der [] etablierten Strategien der modellorientierten Interpretation, des ‚existentiellen Transfers und der aktualisierenden Textbegegnung zu verstehen.2
Einen wichtigen Ansatz zum Einbezug von Rezeptionsdokumenten der Hochkultur liefert die neue Schulausgabe von Bernek. Bernek regt im Rahmen der Lektüre des Gastmahls des Trimalchio zum gezielten Vergleich mit motivisch, thematisch und darstellungstechnisch verwandten Passagen aus Thomas Manns „Der Tod in Venedig oder „Der Zauberberg bzw. Bertolt Brechts Theaterstück „Herr Puntila und sein Knecht Matti an.3
Rezeptionsdialektische Interpretation
Unser Unterrichtsvorschlag bezieht sich auf den Comic „Asterix bei den Schweizern (Uderzo und Goscinny 1973) und die Graphic Novel „Peplum (Hincker 2010) und auf deren Vergleich mit ausgewählten Passagen aus dem Originaltext. Über diese Werke, die näher an ihren medialen Nutzungsgewohnheiten liegen, gelangen die Schüler zu einem tieferen Verständnis von Petrons Satyrica und deren Wirkungspotenzial auf moderne kreative Rezipienten. Ziel ist zudem, dass Schüler antike und moderne Ästhetik satirischer Verspottung miteinander vergleichen. Dadurch erkennen sie, dass satirisch-spottende Schreib- und Inszenierungsweisen seit der Römerzeit ähnlichen Regeln folgen.
Moderne Rezeption als Brücke zum Originaltext
Wie lassen sich derartige Rezeptionsdokumente als motivierende Einstiege in den Originaltext oder als Hinführung zur Thematisierung der Cena und als Interpretationsimpuls funktionalisieren?
Man könnte in der Motivationsphase z.B. eine Servier-Szene aus dem Film „Das große Fressen (Ferreri 1973; Abb. 1 ) oder eine Zeichnung zu einschlägigen Szenen des Gastmahls des Trimalchio von dem Künstler Manfred Henninger (1979) oder von Lovis Corinth (1919, Abb. 2 ) zeigen. Eine Szene aus Ferreris Film kann...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 2 / 2017

Satirisches und Satire

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 11-13