Boris Dunsch

O vitae Philosophia dux

Marmorstatue Ciceros außerhalb des Justizgebäudes in Rom
Marmorstatue Ciceros außerhalb des Justizgebäudes in Rom, Renata Sedmakova / Shutterstock.com

Boris Dunsch

Ciceros Hymnus auf die Philosophie (Tusc. 5,5f.)

Der bekannte Auszug aus dem Proöm des fünften Tusculanen-Buchs eignet sich sprachlich und inhaltlich gut für einen Einstieg in die Lektüre philosophischer Texte. Die Beschäftigung mit dem Hymnus kann zur Reflektion über die Rolle der Philosophie anregen, eine Unterrichtsreihe zur Rhetorik eröffnen oder als Ausgangspunkt für eine Beschäftigung mit Ciceros Leben und Werk dienen.

Die Lektüre der Philosophica Ciceros nimmt im Lateinunterricht eine wichtige Stellung ein.1 Unter diesen Texten ist der Hymnus auf die Philosophie in der Mitte des Proöms zum fünften Tusculanen-Buch einer der bekanntesten . Er findet sich in vielen Lektüreheften zur römischen Philosophie. Sein Anfang (O vitae philosophia dux) bildet oft deren Motto und wird regelmäßig auch im Titel anderer fachdidaktischer und fachwissenschaftlicher Werke verwendet.2 Dieser Artikel soll zeigen, dass er auch kurz nach Abschluss der Lehrbuchphase verwendet werden kann.
In diesem Zusammenhang wird die Gattung Hymnus diskutiert und gezeigt, wie dies auch Impulse für den Unterricht setzen kann. Ciceros Hymnus wird in seinen historischen Kontext eingeordnet, diese Kontextualisierung für die Interpretation fruchtbar gemacht und nicht zuletzt eine Reihe von Texten vorgestellt, die zusammen mit ihm gelesen werden können und die Möglichkeit bieten, ihn als flexiblen Ausgangspunkt für weitere thematische Lektüren zu nutzen.
Der Hymnus als Einstieg in die Lektüre philosophischer Texte
Es gibt viele Faktoren, die den Hymnus zu einem idealen Übungsplatz machen, auf dem Schüler Kompetenzen und Kenntnisse erwerben und trainieren können. Aus dem Umstand, dass es sich um einen übersichtlichen, in sich geschlossenen Text handelt, ergeben sich mehrere Vorteile: Er kann für sich allein gelesen werden, lässt sich aber auch leicht mit anderen Texten kombinieren. Seine regelmäßige Komposition lädt dazu ein, an ihm das Gliedern von Texten zu üben und ein Gliederungsschema zu erarbeiten. Dies erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit seinem Inhalt – eine Arbeit, die an diesem relativ kurzen Text gut geleistet werden kann und den Schülern schnelle Erfolgserlebnisse im Umgang mit einem als anspruchsvoll wahrgenommenen Originaltext ermöglicht. Zugleich handelt es sich um stark stilisierte Prosa. An ihr können nicht nur Methoden der formalen Textanalyse, z.B. das Erkennen rhetorischer Stilmittel und ihrer Funktionen, eingeübt werden, sondern sie bietet den Schülern auch Signale für die inhaltliche Gliederung. Außerdem hat der Hymnus eine Intention, die auch Jüngere gut herausarbeiten können, und ist, zumindest auf einer allgemeinen Ebene, aus sich heraus verständlich. Deshalb scheint mir der Hymnus als Paradetext einer philosophischen Propädeutik schon für die Übergangslektüre in Klasse 10 geeignet, wenn er entsprechend aufbereitet wird, v.a. durch Vorgabe einer Gliederung und ausreichende Vokabelhilfen (Material 1 ).3 Er kann aber auch erst später im Rahmen einer thematischen Lektüre gelesen werden, dann natürlich mit einem entsprechend höheren Anteil an Eigenarbeit der Schüler; hierfür soll dieser Aufsatz ebenfalls Anregungen bieten.
Sprachliche Merkmale des Hymnus
Die Syntax des Hymnus ist durch ihre markanten Parallelismen, Responsionen, Vergleiche, Aufzählungen und Ciceros Verzicht auf größere Periodenbildung vergleichsweise wenig komplex. Bei ausreichenden Vokabelhilfen ist die Erschließung seines Inhalts kein größeres Problem. Der Text bietet viele Möglichkeiten zur Wiederholung und Vertiefung im Bereich Morphologie. So sind einige Verben im Text Komposita, deren Bedeutungen aus bereits bekannten Simplicia erschlossen werden können (con-vocasti; con-fugimus; ante-ponendus). Viele in der Lehrbuchphase erarbeitete Arten von Verben und von ihnen abgeleitete Bildungen begegnen den Schülern wieder, z.B. Partizip und Gerundivum; aber auch Neues lernen sie kennen, z.B. deverbative...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 6 / 2016

Cicero

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 10-12