Benjamin Frankl

Mater terra laesa

Karikatur von Thomas Plaßmann, "Plastik": Ein Mensch wirft Abfall in einen überquellenden Mülleimer, der auf einer Erdkugel balanciert.
Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die Anklagepunkte gegen den Menschen in Paulus Niavis' Iudicium Iovis mit aktuellen Missständen und Forderungen rund um Umwelt- und Klimaschutz., © Thomas Plaßmann

Benjamin Frankl

Eine Unterrichtssequenz zum Iudicium Iovis des Paulus Niavis

Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die Anklagepunkte gegen den Menschen in der Causa „mater terra laesa mit aktuellen Missständen und Forderungen rund um den Umwelt- und Klimaschutz. Die Aktualität des lateinischen Textes dient ihnen als Ausgangspunkt für die Reflexion über umweltethische Fragen.

Weltweit demonstrieren Schülerinnen und Schüler nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg unter dem Motto „Fridays for Future für Klimaschutz und intergenerationelle Gerechtigkeit. Sprüche wie „Wir sind hier! Wir sind laut! Weil ihr uns die Zukunft klaut!1 zeigen, dass diese Themen insbesondere für die junge Generation von großer Bedeutung sind. Durch die Proteste, die u.a. auch von tausenden Wissenschaftlern und Eltern („Scientists for Future bzw. „Parents for Future) unterstützt werden, soll die Politik auf Missstände aufmerksam gemacht und zu schnellem Handeln aufgefordert werden. Dass der Mensch auf Kosten der Natur lebt und durch sein in weiten Teilen unverantwortliches und wenig nachhaltiges Handeln die Erde stark belastet, ist allerdings nicht nur ein Thema des 21. Jahrhunderts, sondern erscheint bereits in dem 1495 publizierten Werk Iudicium Iovis des Frühhumanisten Paulus Niavis (ca. 1453 – 1517). Darin wird ein Eremit zufällig Zeuge einer vor Jupiter stattfindenden Gerichtsverhandlung, in der der Mensch aufgrund seiner Bergbautätigkeit des Mordes an Mutter Erde angeklagt ist.
Angesichts des bei einem großen Teil der Jugendlichen vorhandenen Interesses gegenüber Umwelt- und Zukunftsfragen ist dieses Werk für den Lateinunterricht von höchster Aktualität und kann als Ausgangspunkt für eine Reflexion über umweltethische Fragestellungen genutzt werden.
Ziele der Sequenz
  • Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass die Frage nach dem richtigen Umgang mit den Ressourcen der Erde bereits im 15. Jahrhundert Bestandteil menschlichen Denkens war.
  • Durch die Bezugnahme auf die weltweiten Proteste der Bewegung „Fridays for Future bzw. Greta Thunbergs Reden soll den Schülern die Aktualität des lateinischen Textes vor Augen geführt werden.
  • Die Schüler sollen ein Problembewusstsein für aktuelle umweltethische Fragen entwickeln.
Our house is on fire Greta Thunberg als Zugang zum Iudicium Iovis
Die Sequenz beginnt mit einem Ausschnitt aus einer Pressekonferenz, die die nahezu allen Schülern bekannte junge schwedische Aktivistin Greta Thunberg auf dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos gegeben hat.2 Darin vergleicht sie den Zustand der Erde mit einem brennenden Haus und fordert die Erwachsenen auf, angesichts der Klimakrise in Panik zu geraten und endlich zu handeln.
Ausgehend von der Metapher des brennenden Hauses wird das Vorwissen der Schüler zum Thema Klimawandel bzw. Naturzerstörung durch den Menschen erhoben. Hierzu werden mittels einer Kartenabfrage Beispiele gesammelt, die Greta Thunberg zu dieser Aussage veranlassen. Im Anschluss daran tragen die Schüler die Mittel zusammen, die die junge Schwedin bzw. die Bewegung „Fridays for Future nutzen, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen, wie z.B. Schulstreiks, Demonstrationen und öffentlichkeitswirksame Reden. Durch die Diskussion, inwiefern eine Klage vor Gericht ein sinnvolles Mittel darstellt, wird schließlich auf das Thema der Sequenz übergeleitet und die Rahmenhandlung als erster Zugang zum Iudicium Iovis des Paulus Niavis in deutscher Übersetzung sowie in einer lateinisch-deutschen Textpassage gelesen (Material 1). Anhand dessen werden die am Verfahren beteiligten Personen bzw. Gruppen (z.B. Jupiter als Richter) herausgearbeitet und an der Tafel gesichert.
Da den Schülern zu diesem Zeitpunkt der konkrete Anklagepunkt noch nicht bekannt ist, sollen sie zunächst ihre Vermutungen äußern, warum der Mensch vor Gericht erscheinen muss. Aufgelöst werden diese durch die Übersetzung des lateinischen Werktitels Iudicium Iovis in valle...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 2 / 2020

Mensch und Umwelt

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (> 10 Std.) Schuljahr 9-10