Lars Mielke / Evelyn Syré

Landwirtschaft mit Anstand?

Mosaik aus Caesarea Mauretaniae: eine Szene intensiver Landarbeit, hier Pflügung und Aussaat.
Dieses Mosaik aus Caesarea Mauretaniae zeigt eine Szene intensiver Landarbeit – hier Pflügung und Aussaat., Foto: © akg-images / Fototeca Gilardi

Lars Mielke / Evelyn Syré

Zu Elementen nachhaltigen Denkens in Columellas Agronomie

Die Schülerinnen und Schüler erschließen, inwiefern sich die von Columella propagierte Form der Landwirtschaft als nachhaltig bezeichnen lässt. Sie entwickeln Lösungsansätze, um die Erwerbsorientierung eines Landwirtes mit den vielfältigen Ansprüchen, die mit einer nachhaltigen Entwicklung des Agrarsektors einhergehen, zu vereinbaren.

Vor den negativen externen Effekten der globalisierten, spezialisierten und technologisch hoch entwickelten Landwirtschaft kann der Konsument heutzutage seine Augen nicht mehr verschließen, denn sie betreffen ihn selbst; die Ernährungsgrundlage der Menschheit bedroht heutzutage teilweise ihre Existenz.1 Die zugrunde liegende Problematik betrifft jedoch nicht allein die moderne Landwirtschaft; die Wurzeln der heutigen Agrarkrise reichen tiefer. Auch vor der Entwicklung von Mineraldünger, Antibiotika und weiteren die Effizienz steigernden Innovationen erzeugte die Landwirtschaft „Schattenkosten, d.h. solche, für die ein Landwirt und sein Konsument nicht direkt Verantwortung übernehmen – so war es auch im griechisch-römischen Altertum.2 Anhand von Columellas Werk De re rustica lässt sich die Unterscheidung zwischen klugem Wirtschaften und (umwelt-)ethisch motiviertem Handeln schulen: Das Interesse an einer langfristigen Nutzung von Ressourcen kann nicht in jedem Fall schon als nachhaltig gelten.
Eine privatwirtschaftliche Form der „Nachhaltigkeit
In der Antike beruhte die Landwirtschaft, ebenso wie in den heutigen Industriestaaten, auf privaten Betrieben. Für das Imperium Romanum wurde die sogenannte Villa rustica ab dem 3. Jahrhundert v.Chr. zur „Leitform.3 Die kapitalkräftigen Betreiber dieser marktorientierten Landgüter bildeten das intendierte Publikum der römischen Agrarschriftsteller. Columella macht deutlich, dass er und seine Leserschaft die Landwirtschaft als „eine Form betrachten, „das Erbvermögen zu vergrößern und weiterzuvererben (Colum. 1, praef. 7). Der Gutsbetrieb, den Columella in seiner Agronomie entwirft, ist eine „komplexe ökologische Einheit, die die Fruchtbarkeit der genutzten Ressourcen, insbesondere der Böden, langfristig garantiert  : Sie lässt sich aus heutiger Sicht durchaus als „nachhaltig bezeichnen, beschränkt man sich bei diesem Urteil auf das Fortbestehen des Agrarbetriebes.4
Ein moralisch bewusster (wenn auch nicht engagierter) Fachautor
Das Hauptaugenmerk in Columellas Agrarschrift liegt auf dem langfristigen Profit des Gutsbesitzers. Trotzdem – und dieser Umstand macht eine Lektüre von De re rustica für den umwelthistorischen und ökokritischen Diskurs überaus wertvoll – besitzen die Ausführungen des Agronomen eine moralische Dimension: Columella verschließt sich nicht den übergeordneten (ethischen, naturphilosophischen) Fragen, die seine Leser stellen könnten, sondern deutet an, wie sich eine erwerbsorientierte Landwirtschaft mit einem moralisch integren Leben vereinbaren ließe.5
Interessenskonflikte erkennen und Kompromisse entwickeln
In seiner modernen Prägung bezeichnet der Begriff „Nachhaltigkeit ein politisches Konzept, dessen Grundlage die inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit ist. Es umfasst drei Ziel- bzw. Handlungsdimensionen: eine ökologische, soziale und ökonomische, wobei der ökologischen die größte Bedeutung zukommt.6 Die Operationalisierung und Implementierung des Ansatzes übersteigen die Interessen einzelner Akteure und führen unweigerlich zu Zielkonflikten. Vor diesem Hintergrund sollen die Schüler mit Columellas beschränktem Gefühl von moralischer Verantwortlichkeit konfrontiert werden: Sie sind dazu angehalten, die Aufrichtigkeit und Berechtigung seiner Position zu reflektieren und nach Möglichkeiten zu suchen, mit denen sich das Verhalten der Landwirte im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung steuern lässt, ohne deren wirtschaftliche Interessen zu ignorieren (siehe Aufbau der Unterrichtseinheit:  ).
Wie...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 2 / 2020

Mensch und Umwelt

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 10-13