Katharina Waack-Erdmann

„Kleine Helden“ bei Caesar

Reenactment: Römische Soldaten marschieren.
Alle römischen Soldaten, auch die Soldaten der niederen Ränge, sind nostri, also Identifikationsfiguren, und kämpfen im Vertrauen auf ihre virtus. , Foto: © stephen mulcahey / Shutterstock.com

Katharina Waack-Erdmann

An drei Beispielen wird gezeigt, dass sich in Caesars Bellum Gallicum an „kleinen Helden Momente des Heldenbildes mit den dazugehörigen virtutes nachweisen lassen. In der Abschlussdiskussion können die Schüler die gewonnenen „Heldenbilder historisch einordnen und mit heutigen Vorstellungen von „Helden vergleichen. Dabei sollten sie auch die eigenen Vorstellungen einer kritischen Prüfung unterziehen.

Helden bei Caesar? Caesars Helden? Was sollen wir darunter verstehen, wo doch Caesar in der Regel sich und seine eigenen Taten heroisiert? Vor der Caesar-Lektüre ist daher zunächst zu klären, was – bewusst oder unbewusst – impliziert wird, wenn von einem Helden gesprochen wird.
Neuzeitliche Heldenkonzepte
Im 20. Jh. hat der Begriff des Helden durch die Nationalsozialisten eine sehr ungute Konnotation erfahren. Die deutschen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges wurden zu Helden stilisiert, zu deren Verehrung der Heldengedenktag abgehalten wurde; in Abgrenzung dagegen wurde 1952 der (bis jetzt übliche) Volkstrauertag eingeführt. Das Konzept des „Helden war damit für lange Zeit vermutlich auch aufgrund eigener Betroffenheiten äußerst suspekt und der Begriff wurde nur sehr selten gebraucht. Ironischer Sprachgebrauch („du bist mir ja ein Held) oder Zusammensetzungen, die den Heldenbegriff einschränken, waren eher denkbar: Sagenheld, Titelheld, tragischer Held u.a., wurden aber gerne auch umschrieben: Sagenfigur etwa. In der ehemaligen DDR gab es allerdings z.B. die Bezeichnung „Held der Arbeit.
Seit einiger Zeit, im 21. Jh., bahnt sich eine Entwicklung an, wieder sehr viel unbefangener und großzügiger mit dem Wort Held umzugehen. Comichelden und eine Theaterfigur, die zur „Heldin der eigenen Geschichte wird,1 passen in das überlieferte Konzept, bei dem seit dem 18. Jh. in der Dichtung nicht mehr die „idealen Menschen, sondern die Hauptpersonen, die der bürgerlichen Realität entsprechen, zu „Helden werden.2 Mit diesen Helden setzen die Schülerinnen und Schüler sich auch im Deutschunterricht auseinander. Nun aber mutieren Baumarkt-Kunden zu „Helden der Tat, Aldikunden und „Deutschlands Pädagogen stellen, je im anderen Kontext, „Helden des Alltags dar,3 Erdogan kommt als Held, Cem Özdemir als Volksheld in die Schlagzeilen.4 Die Beispiele lassen sich durch aufmerksame Lektüre der täglichen Medien beliebig ergänzen. Ist ein Held einer, der sich durchsetzt und im Mittelpunkt des Interesses steht?
Das Heldenkonzept bei Cicero
„Heros, der „Held, stammt hinsichtlich Wort und Konzept aus dem Griechischen. So sind es zunächst die Helden aus der mythischen Vorzeit, die als ἥρως/heros bezeichnet werden: bei Homer ebenso wie noch bei Vergil, Ovid oder Horaz. Bei Platon, Kratylos 398c, sind ἥρωες ἡμίθεοι, Halbgötter. Entsprechend gelten in der griechischen Literatur u.a. Herakles und Sisyphos als Heroen, aber auch Lokalgottheiten (Platon, Nomoi 738d) und Stadtgründer (Herodot, Historiae 1,168). So geschieht offenbar der Übergang von der mythischen Figur zur historischen Person, die Besonderes geleistet hat, dafür kultisch verehrt wird und in Folge wiederum ihren Schutz gewährt. Von hier aus ist es dann gedanklich nur noch ein kleiner Schritt zu der Bezeichnung als heros für historische Personen überhaupt, die sich durch ihr Wirken hervorgetan haben und als Vorbilder dienen können. Cicero bezeichnet Brutus und Cassius, die Caesarmörder, als heroes (Ad Atticum 14,11,2 und 14,6,1), als divini viri, über die er sagt: „quos satis laudare non possum (Ad Atticum 14,14,3 und 2), Brutus dann einzeln z.B. als singularis vir (Ad Atticum 14,18,4). Aber selbst Cato tituliert er als Helden (Ad Atticum 1,17,9: heros ille noster Cato) (Material 4).
Für die in seinen Briefen als heros bezeichneten Personen verwendet Cicero andere, für ihn gleichbedeutende bzw. sich gegenseitig erklärende Ausdrücke. Hieraus ergibt sich folgendes Verständnis des Begriffs heros: Es handelt sich...
Altsprachlicher Unterricht
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Altsprachlicher Unterricht abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 6 / 2017

Helden und Antihelden

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (> 10 Std.) Schuljahr 9-11