Die Unterweltsfahrt des Aeneas

Die Aeneis im Unterricht: Aeneas in der Unterwelt

Nach jahrelanger Irrfahrt verzweifelt Aeneas kurz vor dem Ziel. Mit dem Abstieg in die Unterwelt ändert sich das: Er erfährt von der glorreichen Zukunft seines Volkes. Seine Unterweltsfahrt ist eine der bekanntesten Episoden aus Vergils Aeneis. Unter welchen Fragestellungen die Kapitel im Unterricht gelesen werden können, stellen wir hier vor.

Geheimnisvoller Weg zwischen zwei Felsen.
Die Reise in die Unterwelt weckt in Aeneas neue Zuversicht. Foto: Foe Rodens

Unterwelt, Hades, Hölle: Mythische Reisen in diese Sphäre faszinierten Autoren unterschiedlicher Epochen, Nationalitäten und Milieus. In unzähligen Texten steigen Heroen in den Hades hinab, um ihm Geheimnisse zu entlocken, Schätze zu heben, böse Mächte zu bezwingen, Tote zu erlösen, spannende Abenteuer zu bestehen oder Vorhersagen über die (eigene) Zukunft zu erhalten – so auch Aeneas in Vergils Aeneis. Wie lässt sich die Station in diesem Epos im Unterricht behandeln?

Wendepunkt in der Aeneis: Aeneasʼ Verzweiflung kurz vor dem Ziel

Als vorletzte Haltestation vor dem Erreichen des endgültigen Ziels steigt Aeneas in die Unterwelt hinab. Nach langjähriger, strapaziöser Irrfahrt auf dem Meer ist er mutlos und verzweifelt. In diesem Zustand erhält er in der Unterwelt aus dem Mund seines Vaters Anchises Weisungen über die Weiterfahrt und die künftige Geschichte Roms.

In der Unterweltsreise findet nicht nur der Held eine klare Vorgabe für seinen weiteren Reiseweg, sondern auch der Leser eine Leseanweisung für den anschließenden zweiten Teil des Epos. Sie lautet kurz und knapp: Alles muss auf die zukünftige Existenz Roms hin gelesen und gedeutet werden.

Mögliche Stationen der Lektüre

Die Lektüre im Unterricht kann folgende Stationen umfassen:

  1. Anlass und Motiv der Reise
  2. Reisevorbereitungen
  3. Start der Reise
  4. Reiseverlauf: Stationen und Reaktionen des Aeneas
    • vestibulum Orci
    • Charon und die Überfahrt von Aeneas und Sibylle
    • Die Trauergefilde und Begegnung mit Dido
    • Bereich der Kriegshelden
    • Tartarus und Elysium
  5. Reiseziel: Begegnung Aeneas – Anchises
  6. Ergebnis und Ende der Reise
Zeitschrift
Der Altsprachliche Unterricht Nr. 6/2014 Reisen

Das Reisen ist Teil des menschlichen Lebens. Wir machen neue Erfahrungen, mit denen wir uns vielleicht noch lange beschäftigen und die uns eventuell sogar prägen. Mit dem Standort verändern wir auch die Perspektive, durch den Blick aus der Distanz erweitern wir unseren Horizont.

18,50 EUR Preise jeweils zzgl. Versandkosten

Produkt ansehen

Fragestellungen für die Unterweltsreise

Mögliche Fragen, die während der Lektüre angesprochen und beantwortet werden können, lauten:

  • Welche Personen umfasst die Reisegruppe des Aeneas?
  • Wie unterscheidet sich die Unterweltsreise von den bisherigen Reisen des Aeneas (in der ersten Werkhälfte)?
  • Vor welche generellen Probleme sind die Unterweltsreisenden gestellt?
  • Was sind Grund, Motiv und Ziel von Aeneas’ descensus?
  • In welchen Etappen findet die Reise statt? Wie unterscheiden sich die einzelnen Stationen voneinander?
  • Welche Reiseeindrücke sammelt Aeneas an den jeweiligen Stationen? Wie reagiert er auf die einzelnen Eindrücke?
  • Erreicht Aeneas das Ziel seiner Reise? Wie erreicht er es?
  • Welche Bedeutung hat die Unterweltsreise für Aeneas’ Zukunft und den zweiten Teil der Aeneis?

Das Ende der Unterweltsreise

Aeneas reagiert euphorisch auf die Prophezeiungen der glorreichen Zukunft seines Geschlechts – für die Schüler eine nicht unbedingt selbstverständliche Reaktion, schließlich wird Aeneas selbst die prophezeite Heimat nie erreichen und deren strahlende Zukunft nie erleben. Doch Aeneas hat gelernt, die menschliche Existenz von einer überzeitlichen Warte aus zu betrachten, und hat seinen Part im Ganzen verstanden. Um den Schülern dies näherzubringen, sollten abschließend Aeneas’ Reiseerfahrungen gebündelt werden:

  • Er hat eine ungewöhnliche Leistung vollbracht, die nur wenigen Sterblichen und immer nur den Günstlingen der Götter vorbehalten ist.
  • Er hat durch Autopsie oder Augenzeugenberichte (Sibylle, Frevler, Anchises) Einblicke in (schreckliche wie paradiesische) Existenzformen erhalten, die Menschen nach ihrem Tod zuteilwerden können.
  • Er hat am eigenen Leib starke Emotionen (Schrecken, Trauer, Angst, Mitleid), physische Ablehnung, psychisches Leid Anderer und eigene Hilflosigkeit erfahren.
  • Er hat das Bewusstsein gewonnen, dass die ihm von den Göttern zugewiesenen Strapazen und Aufgaben (Reise mit den trojanischen Exilanten nach Latium, vor ihm liegende Kriege) trotz vieler Sorgen und Nöte lohnenswert sind und ihm dauerhaften Ruhm garantieren können.

Mehr erfahren?

Dieser Beitrag beruht auf Axel Schmitt: „Aeneas’ Reise in die Unterwelt“, in: AU 6/2014, S. 32-39. Die ausführliche Beschreibung der Unterrichtssequenz finden Sie in diesem Beitrag. Darin nehmen die Schüler schrittweise die einzelnen Stationen von Aeneas’ Reise in die Unterwelt und seine unterschiedlichen Reaktionen wahr. So erkennen sie die Bedeutung der Reise für die innere Entwicklung des Titelhelden und für die Strukturierung des Epos.

Fakten zum Artikel
Unterricht (> 10 Std.) Schuljahr 10-13
Zeitschrift
Der Altsprachliche Unterricht Nr. 6/2014 Reisen

Das Reisen ist Teil des menschlichen Lebens. Wir machen neue Erfahrungen, mit denen wir uns vielleicht noch lange beschäftigen und die uns eventuell sogar prägen.

18,50 EUR Preise jeweils zzgl. Versandkosten

Produkt ansehen