Stephan Flaucher

Cicero Platonicus – das Somnium Scipionis und Platons Politeia

Herschels Milchstraße (1784)
Für gute Staatsmänner, so erzählt der ältere Scipio, sei im Himmel ein Ort, die Milchstraße, bestimmt, an dem sie ewig lebten und von dem aus sie auf die Erde gekommen seien., Foto: ©akg-images / Science Source

Stephan Flaucher

Anhand des Somnium Scipionis erhalten die Schüler einen Einblick in antike Weltvorstellungen und erfahren, was für Cicero einen guten Staatsmann ausmacht. Sie erkennen, wie Cicero mit griechischen Vorlagen umgeht und wie er daraus etwas Römisches schafft.

Das Somnium Scipionis stellt mit seinen Themen „Belohnung des Staatsmanns im Jenseits, „Aufbau des Kosmos und „Unsterblichkeit der Seele eine spannende Lektüre dar, die den Schülern einen Einblick in antike Weltvorstellungen sowie Ciceros Ansichten vom Wesen eines guten Politikers bietet (ein Lektüreplan in Tabelle 1). Durch deutsche Zusatztexte, z.B. zum Aufbau von Platons Politeia und De re publica, kann eine weitere Dimension des Werks erschlossen werden: Ciceros Umgang mit den griechischen Vorlagen. Dadurch wird den Schülern deutlich, dass Cicero in seine Darstellung seine profunden Kenntnisse griechischer Philosophie einfließen lässt und in der Auseinandersetzung mit Platon etwas Eigenes, Römisches schafft. So überträgt er etwa die in der Sphärenharmonie zu beobachtende concordia auf den politischen Bereich mit einer vom Staatsmann in der res publica anzustrebenden concordia eine Zielsetzung, die in Zeiten zunehmend polemisch geführter und eher auf Spaltung abzielender politischer Auseinandersetzungen nichts von ihrer Aktualität verloren hat.
Die Stellung des Somnium in De re publica
Das Somnium Scipionis war durch eine gesonderte Überlieferung im Rahmen eines Kommentars des spätantiken Autors Macrobius (5. Jh.), der es neuplatonisch interpretierte und als Einführung in die Philosophie nutzte, im Mittelalter und in der Neuzeit gut bekannt und rezipiert. Die Schrift De re publica, deren Schluss es bildet, galt als verloren und konnte erst durch den Fund eines Palimpsests aus der Vatikanischen Bibliothek im Jahr 1820 in Teilen wiedergewonnen werden, sodass der Gedankengang des Werks deutlich wird. De re publica spielt im Jahr 129 v.Chr. an den feriae Latinae auf dem Landgut des jüngeren Scipio, der als Hauptredner auftritt. Je zwei Bücher geben die Gespräche eines Tages wieder und bilden eine thematische Einheit. Im ersten Buch wird zunächst der Begriff res publica definiert und die These vertreten, dass der Einsatz für die res publica der Zweck der menschlichen Existenz sei: Neque enim est ulla res, in qua propius ad deorum numen virtus accedat humana, quam civitatis aut condere novas aut conservare iam conditas (1,12); eas artes quae efficiant ut usui civitati simus; id enim esse praeclarissimum sapientiae munus maximumque virtutis vel documentum vel officium puto (1,33).
Nach einer Betrachtung der Staatsformen Monarchie, Aristokratie und Demokratie sowie deren Verfallsformen wird eine gemischte Verfassung aufgrund ihrer Stabilität als beste Variante hervorgehoben. Im zweiten Buch wird geschildert, wie sich in Rom im Laufe der Zeit eine solche Mischverfassung entwickelt habe, sodass die theoretischen Überlegungen nun an einem konkreten Beispiel dargestellt werden können. Die Bücher drei und vier untersuchen die Frage nach der Gerechtigkeit und ihre Umsetzung in der Gesetzgebung. Das fünfte und sechste Buch ist dem besten Staatsmann gewidmet. Dank Macrobius ist die genaue Anbindung des Somnium überliefert. Auf die Bemerkung eines Gesprächsteilnehmers, dass Politikern nicht die verdiente Anerkennung ihrer Mitbürger zuteil geworden sei, antwortet Scipio mit seiner Traumvision, um zu zeigen, dass den Staatsmann ein größerer Lohn erwartet als der flüchtige Ruhm auf der Erde.
Platons „Staat
Wie schon am Titel De re publica deutlich wird, lehnt sich Cicero mit seinem Werk an Platons Politeia an. Dies gilt auch für die Gestaltung der Rahmenhandlung und einige Themen. Die Politeia spielt am Abend des Festes der Göttin Bendis im Haus des Kephalos, Hauptunterredner ist Sokrates. Da der Versuch einer Bestimmung der Gerechtigkeit zunächst kein Ergebnis gebracht hat, beschließt man die Frage in einem größeren...
Altsprachlicher Unterricht
Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Altsprachlicher Unterricht abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 1 / 2018

Plato Romanus

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (> 10 Std.) Schuljahr 11-13