Benedikt Simons

Catull und Martial

Ausschnitt einer spanischen Briefmarke: Martial trägt seine Dichtung vor.
Martial nennt Catull nicht nur oft als Vorbild, sondern rezipiert verschiedene Catull-Gedichte in seinen Epigrammen., Foto: © josep perianes jorba / Shutterstock.com

Benedikt Simons

In Kleingruppen erarbeiten die Schüler Catulls carmina und die Epigramme, in denen Martial diese carmina aufgegriffen hat. Sie setzen sich dabei mit dem dichterischen Profil beider Autoren auseinander und vertiefen ihre Fähigkeiten des Übersetzens, ihre Kompetenz, Texte in ihrer Form und sprachlichen Gestaltung zu analysieren, sowie ihre (kreativen) Präsentationstechniken.

„Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule, im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab. Friedrich Schiller (1759 –1805) hatte mit dieser Definition des Distichons gerade die epigrammatische Dichtung im Blick, als deren „konstituive Elemente Schillers etwas älterer Zeitgenosse Lessing (1729 –1781) die „Erwartung eines (paradoxen) Sachverhalts und den „Aufschluss einer geistreichen Glosse dazu ansah. Als Schöpfer und Vollender des (römischen) Epigramms in seiner ausgefeilten Form und inhaltlichen Ausrichtung galt ihnen G. Valerius Martialis (ca. 40 – nach 102/3 n.Chr. ), der auf diese Weise keine Invektiven, um eine konkrete Person herabzusetzen, formulieren, sondern allgemeinmenschliches Fehlverhalten bezeichnen wollte. Vor diesem Hintergrund bietet Martial viel Material, um auch heutige Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken über ihre eigenen Verhaltensweisen zu bringen. Dies, die Kürze seiner Gedichte sowie der vergleichsweise leichte Zugang zu ihnen führen dazu, dass Martial als Schulautor mehr und mehr Bedeutung gewinnt.
Martial baute natürlich auf Vorläufern und Vorbildern auf. Dies war ihm selbst bewusst. Denn G. Valerius Catullus (84 (?) –ca. 50 v.Chr.) nennt er nicht nur oft, sondern prägt ein bestimmtes Bild, indem er gleichsam durch die Epitheta tener oder tenuis (1,14,13; 7,14,3; 10,103,5), doctus (1,61,1; 7,99,7; 8,73,8) und in feinsinniger Anspielung auf Catulls Eröffnungsgedicht lepidus (12,44,5) die neoterischen Grundprinzipien der Dichtkunst Catulls aufgreift. Dass Catull als einer der (entscheidenden) Wegbereiter der römischen und europäischen Lyrik gelten darf, steht außer Frage. Dass er wegen dieser Bedeutung und aus ähnlichen Gründen wie Martial zum Kanon der Schulautoren in den Klassen 9 und 10 gehört, auch. Diese Bindungen rechtfertigen eine synoptische Arbeit an beiden Autoren und damit die folgende kleine Unterrichtsreihe.
Martials Catull-Rezeption
Besonders reizvoll ist Martials Rezeption von einem Gedicht Catulls in zwei Epigrammen. Dass eines der Gedichte das Eröffnungsgedicht des libellum Catulls ist, macht die Auseinandersetzung umso reizvoller, weil sich Martial (und damit die Schülerinnen und Schüler) mit dem dichterischen Programm Catulls in der ihm eigenen Weise auseinandersetzen musste. So ergeben sich thematisch zwei Gruppen, Catulls c. 1 mit seinen „Pendants, Ep. 1,2 und 3,2 (Material 1 ), und c. 13 mit Martials Ep. 3,12 und 7,94 (Material 2 ).
Ein ähnlicher Reiz geht von Martials Rezeption zweier carmina Catulls (5 und 7) in einem Epigramm (6,34) aus, zumal es sich um zwei berühmte Lesbia-Gedichte handelt: Welche Schwerpunkte setzt Martial, wenn er zwei carmina in ein Epigramm verdichtet (Material 3 )?
Zu den carmina um Lesbia gehören bekanntlich auch die über ihren passer. Ihre Bekanntheit war schon früh offenkundig so groß, dass Martial carmen 2 und 3 gleich im ersten Buch zum Bezugspunkt von Ep. 7 nimmt und in Ep. 109 persifliert (Material 4 ).
Catulls lobender Spott über Cicero in c. 49, das Martial in Ep. 8,54 verallgemeinernd aufnimmt, bietet eine gute Folie, um Martials Grundmotiv parcere personis, dicere de vitiis (10,33,10), zu illustrieren (Material 5 ).
Ähnliches gilt für die drastisch deftigen Invektiven gegen die konkreten historischen Persönlichkeiten C. Julius Caesar und Mamurra in einem kurzen Distichon (93) und dem umfangreicheren, recht deftigen c. 57, die Martial geradezu sentenzenhaft in Ep. 8,35 und 9,81 verallgemeinert (Material 6 ).
Vorgehen im Unterricht
Die Materialien...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 3 / 4

Catull

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 9-12