Dennis Burrichter / Benjamin Magofsky

Peregrinationis ita cupidus, ut omnia praesens addiscere vellet

Zwei junge Frauen blicken auf das Forum
Wie können auf einer Studienfahrt Beobachtungs- und Arbeitsaufträge gestaltet werden, damit die Schüler zu selbstständigem Denken und forschend-entdeckendem Lernen angeleitet werden?, Foto: © Papava/Shutterstock.com

Dennis Burrichter / Benjamin Magofsky

Handlungsorientierte Impulse für die Gestaltung und Durchführung einer Studienfahrt nach Italien

Auf einer Studienfahrt nach Italien (mit dem Schwerpunkt Rom sowie ggf. Paestum und Pompeji) vertiefen und erweitern die Schülerinnen und Schüler im Sinne der historischen Kommunikation ihre im Unterricht erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen der Text- und Kulturkompetenz anhand historisch und kulturell bedeutender außerschulischer Lernorte.

Während der Alltag des altsprachlichen Unterrichts von der Grammatik- und Übersetzungsarbeit bestimmt ist, schaffen außerschulische Lernorte eine motivierende Abwechslung.1 Deshalb fordern allgemeine Pädagogik und Fachdidaktiken in den letzten Jahren vermehrt eine Auseinandersetzung mit dem Lernen vor Ort.2 Exkursionen und Studienfahrten können den Lernenden am Ort des Geschehens „begreifbar machen, dass das, was sie aus didaktisierten Lehrbuchtexten kennen, wirklich existierte und z.T. noch immer existiert. „Der historische Ort erlaubt echtes ,Lernen mit allen Sinnen. Man kann ihn besehen, begehen, anfassen, im wörtlichen Sinne begreifen, betasten, beriechen, vermessen.3 Dieser Gedanke, der sich bereits ähnlich in der Hadrians-Vita der Historia Augusta findet (Hist. Aug., De Vita Hadriani 17,8: Peregrinationis ita cupidus, ut omnia, quae legerat de locis orbis terrarum, praesens vellet addiscere), sollte gerade in einer Zeit Beachtung finden, in der der altsprachliche Unterricht immer wieder um seine Legitimation kämpfen und seinen Stellenwert behaupten muss.
Denn außerschulische Lernorte regen durch ihre Originalität, Authentizität und Anschaulichkeit des Konkreten und Räumlichen die historische Imagination an; sie vermögen durch das Eintauchen in fremde Orte und ferne Zeiten auch die damaligen Arbeits- und Lebensumstände aufzuzeigen sowie lebendig werden zu lassen.4 Gewiss finden sich an den ursprünglichen historischen Orten oftmals zahlreiche durch den Verfall bedingte Veränderungen, doch kann den Schülern auf diese Weise forschend-entdeckend die Historizität verdeutlicht und die Aufgabe gestellt werden, die antiken Monumente zu rekonstruieren und zu rekontextualisieren.5
Vor diesem Hintergrund zählen Italienstudienfahrten nicht nur zu den Highlights der Schulzeit, sondern auch zu den besten Mitteln, die Schüler aus dem Klassenzimmer in die Welt der Römer zu (ent-)führen. Hierfür bietet sich natürlich vor allem Rom mit all jenen Bauwerken an, welche die Schüler aus ihren Lehrwerken kennen. Aber auch die „versunkene Kleinstadt Pompeji oder die ehemals griechische Kolonie Paestum im Süden Italiens können einen bleibenden Eindruck vom antiken Alltagsleben vermitteln.
Im Folgenden geht es weniger um eine Auflistung praktischer Hinweise zur Planung von Studienfahrten6 oder um die Darstellung einer konkreten oft mit erheblichen Kosten verbundenen Fahrt als vielmehr um die Vorstellung verschiedener handlungs- und schülerorientierter Methoden und Zugriffe, die sich im Rahmen altsprachlicher und althistorischer Fahrten auch auf andere antike Orte übertragen lassen. Der mögliche Ablauf der vorgestellten Fahrt mit ihrem Schwerpunkt auf Rom ließe sich kürzen oder erweitern; genauso ließe sich der Aufenthalt in Pompeji oder Paestum einzeln herausgreifen.
Möglicher Ablauf der Italienfahrt

Möglicher Ablauf der Italienfahrt
1. Tag: Ankunft in Rom und „Erkundungsspaziergang, z.B. Piazza Navona, Pantheon, Fontana di Trevi, Spanische Treppe, gemeinsames Abendessen in einer typisch italienischen Trattoria
2. Tag: Die Geschichte Roms ab urbe condita. Forum Boarium, Marcellus-Theater, Forum Romanum, Konstantinbogen, Kolosseum, Circus Maximus
3. Tag: Die Geschichte und Kultur der Kaiserzeit (I). Kapitol und Kapitolinische Museen, Kaiserfora (insbesondere Trajansforum und Trajansmärkte)
4. Tag: Die Geschichte und Kultur der Kaiserzeit (II). Diokletiansthermen, Ara Pacis Augustae,...
Altsprachlicher Unterricht
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 5 / 2020

Jenseits des Alltags: Besondere Organisationsformen

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (> 10 Std.) Schuljahr 11-13
  • Thema: Kultur, Didaktik
  • Autor/in: Dennis Burrichter / Benjamin Magofsky