Stephan Flaucher

Herodot – Reisejournalist und Vater der Geschichtsschreibung

Karte: Die Erde nach Herodot.
Wie glaubwürdig sind die Berichte Herodots? Unternahm er die erwähnten Forschungsreisen wirklich? Heute hat sich die Kontroverse etwas entspannt. Man nimmt stärker die literarische Gestaltung der Historien in den Blick., aus: J.G. Vogt: Illustrierte Weltgeschichte für das Volk, Bd. 1, 1893, S. 33

Stephan Flaucher

Biographie als Interpretationsansatz

Mit Herodots Biographie erhalten die Schüler zusätzliche Anhaltspunkte, um seine Leistungen zu bewerten. Gleichzeitig werden sie dafür sensibilisiert, dass ein Großteil der Kenntnisse über sein Leben aus seinem eigenen Werk stammt. In diesem Zusammenhang gehen sie der Frage der Glaubwürdigkeit Herodots nach.

Herodot, nach den viel zitierten Worten Ciceros „Vater der Geschichte, ist fester Bestandteil des Lektürekanons des Fachs Griechisch, wobei die Historien in der Regel unter den Aspekten „Geschichtsbild und „methodischer Ansatz des Autors gelesen werden. Das Einbeziehen der Biographie kann hierbei für die Interpretation und die Bewertung der Leistung Herodots interessante Gesichtspunkte beisteuern und den Schülern zugleich exemplarisch einen Einblick in die Problematik der lückenhaften Überlieferung der Angaben zu Lebensläufen bedeutender antiker Persönlichkeiten bieten.
Unsichere biographische Daten
Während Herodot in den Historien eine Fülle von Angaben über Länder, Völker und Einzelpersonen liefert, sind wir über seine eigene Biographie nur schlecht unterrichtet. Die meisten Informationen stammen aus seinem Werk selbst oder aus späten Quellen, insbesondere einem Artikel in dem byzantinischen Suda-Lexikon. Herodot kommt, wie er im Proömium selbst sagt, aus Halikarnass, einer dorischen Stadtgründung in Karien in Kleinasien. Seine Mutter, die Dryo oder Rhoio hieß, und sein Vater Lyxes tragen ebenso wie sein Onkel Panyassis Namen der vorgriechischen einheimischen Bevölkerungsgruppe, der Karer. Sein Onkel wurde in der Antike zu den fünf größten epischen Dichtern gerechnet, literarisches Interesse war also wohl in seinem familiären Umfeld vorhanden. Herodot stammte aus einer vornehmen Familie, die in Opposition zu dem über Halikarnass herrschenden Tyrannen Lygdamis stand. Deshalb lebte er einige Jahre in der Verbannung auf Samos. Im Zuge der Kämpfe, die zum Sturz des Tyrannen führten und in denen auch sein Onkel Panyassis den Tod fand, kehrte Herodot nach Halikarnass zurück. Dieses Ereignis lässt sich sicher vor das Jahr 454/53 v.Chr. datieren. Aufgrund erneuter Spannungen in der Polis soll Herodot seine Heimat für immer verlassen und schließlich 444/43 v.Chr. an der Gründung von Thurioi in Süditalien teilgenommen haben, wo er auch begraben sein soll. Gestorben ist er nach 430 v.Chr. Herodot soll in verschiedenen Städten, genannt werden Theben, Korinth, Olympia und Athen, öffentlich aus seinem Werk vorgetragen und dafür hohe Honorare und Ehrungen erhalten haben. In Athen soll ihn eine tiefe Freundschaft mit dem Dichter Sophokles verbunden haben, die enge Beziehung zu Perikles gehört wohl eher ins Reich der Legende. Für seine Erkundungen soll Herodot ausgedehnte Reisen nicht nur in der Magna Graecia, sondern z.B. auch ins Schwarzmeergebiet, nach Phönizien und Ägypten unternommen haben, was aber von einigen Forschern bestritten wird.
Selbstaussagen Herodots
Eng verbunden mit dem Problem der Authentizität der Forschungsreisen ist die Frage nach den Quellen Herodots und seiner grundsätzlichen Glaubwürdigkeit, sodass die Betrachtung der Biographie ein Ausgangspunkt für eine Bewertung der Leistung des Autors bilden kann. Dies lässt sich gut an eine Erarbeitung des Geschichtsbilds aufgrund der Lektüre des Proömiums und des Lydischen Logos anschließen. Dabei kann man von den Selbstaussagen Herodots über sein Vorgehen ausgehen. Im Proömium spricht er von „Erkundung (ἱστορίης) und nennt als Ziele den Kampf gegen die Zeit und das Vergessen. Dass er die Leistungen von Griechen und Nicht-Griechen gleichermaßen würdigen möchte, könnte durch seine Abstammung aus einer griechisch-karischen Familie und seine Herkunft aus Kleinasien bestimmt sein, wo er nicht nur die dorische Kultur seiner Heimatpolis kennenlernte,1 sondern auch in Kontakt mit der Kultur der ionischen Griechen und der orientalischen Völker kam. Herodot distanziert sich vom Mythos...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 5 / 2018

Biographische Hintergründe

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 10-13