Benedikt Simons

Die Gleichheit vor dem Gesetz – ein moderner Wert?

Tonscherben eines Scherbengerichts
Bei der Ekklesia, der Volksversammlung, hatten die Bürger das Recht, mitzuentscheiden: über Kriegserklärungen, die Wahl von Strategen und anderen Amtsträgern, und ob ein Scherbengericht stattfinden sollte, um unliebsame Personen aus der Stadt zu verbannen., Foto: © Andronos Haris / Shutterstock.com

Benedikt Simons

Die Schüler erfahren, dass die Grundidee der Gleichheit jedes Bürgers vor dem Gesetz keine Erfindung der Neuzeit ist. Art. 6 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte und Art. 3 des Grundgesetzes dienen als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit einem Ausschnitt aus Herodots Historien und Platons Menexenos in der frühen Lektürephase.

„Das Gesetz ist der Ausdruck des allgemeinen Willens. Alle Bürger haben das Recht, persönlich oder durch ihre Vertreter an seiner Gestaltung mitzuwirken. Es muss für alle gleich sein, mag es beschützen oder bestrafen. Da alle Bürger vor ihm gleich sind, sind sie alle gleichermaßen, ihren Fähigkeiten entsprechend und ohne einen anderen Unterschied als den ihrer Eigenschaften und Begabungen, zu allen öffentlichen Würden, Ämtern und Stellungen zugelassen. Am 26. August 1789 wurde diese Definition als sechster Artikel der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte kodifiziert und zu einem signifikanten Proprium des modernen Rechtsstaats, die Gleichheit jedes Bürgers vor dem Gesetz. Die folgende kleine Einheit, die sich auf drei bis vier Stunden erstreckt, soll den Schülerinnen und Schülern aufzeigen, dass diese Grundidee mitnichten ein Gewächs der Neuzeit ist, sondern der Antike, und dass sie dennoch Modifikationen durch die historischen Rahmenbedingungen unterworfen sein kann. Genuin eine Einheit des Griechischunterrichts in der (frühen) Lektürephase, innerhalb dessen sie in die Auseinandersetzung mit der Historiografie oder mit der Philosophie Platons oder als Scharnier solcher Themenblöcke eingefügt werden kann, ist sie – mithilfe von Übersetzungen1 – auch im Geschichtsunterricht einsetzbar, z.B. in der Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution. Ausgangspunkt soll das oben zitierte Eingangswort und dessen Adaptation im Grundgesetz bilden (Material 1 und 2 ). Die kurzen Texte, in zwei Gruppen zu bearbeiten, haben sich als Einstieg zu Beginn der Stunde bewährt. Die Arbeitsaufträge erfordern eine Recherche im Netz, die sehr leicht über die modernen Medien möglich ist, sei es über Smartphones oder im Computerraum einer Schule; die entsprechenden Begriffe, „Absolutismus, „Nationalsozialismus und „Rechtsstaat, im Netz zu recherchieren, stellt für Schülerinnen und Schüler kein Problem mehr dar. Die Ergebnisse können am Ende der ersten Stunde über Tafel, Whiteboard, Computer oder Beamer gesichert werden.
Die Bedeutung des Artikels 6 der Menschen- und Bürgerrechte von 1789

Die Bedeutung des Artikels 6 der Menschen- und Bürgerrechte von 1789
  • Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, sodass sie an der Gestaltung des Gesetzes beteiligt sein dürfen und alle öffentlichen Funktionen besetzen dürfen.
  • Gesetz als „Ausdruck des allgemeinen Willens“ /Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz/gleicher Zugang zu allen öffentlichen Ämtern als Folge der Erfahrungen aus dem Absolutismus (Monarch an keine Gesetze gebunden/ständische Privilegien auch vor Gericht/ständisch bedingter Zugang zu öffentlichen Ämtern, auch im Militär)
  • Die Gleichheit aller Bürger eines Staates Grundlage für den modernen Rechtsstaat.
Die Bedeutung des Artikels 3 des Grundgesetzes

Die Bedeutung des Artikels 3 des Grundgesetzes
  • Artikel 3 betont die bedingungslose Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz (Abs. 1). Dem dient auch die Differenzierung in Abs. 2 und 3: Gleichberechtigung von Mann und Frau, Verbot jedweder Verfolgung aufgrund von geschlechtsbezogenen, familiären, sprachlichen, herkunftsbezogenen, religiösen oder politischen Unterschieden.
  • Der Artikel ist in dieser Form und Gewichtung nur vor den Erfahrungen der Rasseideologie des Nationalsozialismus und seiner totalitären sowie menschenverachtenden Umsetzung zu verstehen.
  • Die Gleichheit aller Bürger eines Staates ist Grundlage für den modernen Rechtsstaat.
Herkunft des Gleichheitsgedankens
Die Formulierung, das Gesetz sei „Ausdruck des allgemeinen Willens, es gelte für alle gleich und deswegen...
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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 5 / 2019

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Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 10-13