Maria Große

Sprachbildende Übungen im Lateinunterricht

schematische Illustration: Satzbaupuzzleteile
Senator servum videt – sieht der oder ein Senator den, einen, diesen oder seinen Sklaven? Die Schüler werden für die feinen Bedeutungsunterschiede sensibilisiert., Maria Große

Maria Große

Sprachvergleiche zwischen dem Lateinischen und dem Deutschen gehören zur Methodik eines sprachsensiblen Lateinunterrichts und haben ihren Ort in erster Linie beim Übersetzen und der sich anschließenden Sprach- und Textreflexion. Als Beispiel dient hier eine Übungsstunde zur Frage nach dem passenden Artikel im Deutschen.

Da in der aktuellen Diskussion im Bereich der Sprachbildung herausgestellt wurde, dass für den Lernerfolg in der Schule gerade die Beherrschung der Bildungssprache entscheidenden Einfluss hat, wurde im Rahmen der durchgängigen Sprachbildung diese als Lernziel der sprachlichen Förderung festgelegt. Hierfür bieten sich jegliche Übungsformate an, die Sprachhandlungen initiieren, zur Reflexion und Interaktion anregen: „Der Inhalt der Aufgabe ist die Grammatik selbst: Die Lernenden sprechen miteinander über die Korrektheit bestimmter Sätze sowie über die Richtigkeit einer Regel. Sie versuchen gemeinsam, deduktiv vorgegebene Regeln zu verstehen oder induktiv Regeln zu ermitteln und tauschen Informationen über Grammatik aus.1 Es mag überraschen, dass dieses Zitat nicht aus der Lateindidaktik entnommen ist, und verdeutlicht, dass gerade der Lateinunterricht, in dem systematisch-sequenzielle Übungs- und Wiederholungsphasen zu den integralen Momenten der Spracharbeit gehören,2 den didaktischen Vorschlägen zur Sprachbildung ohne Weiteres nachkommen kann.
Übungsangebot des Lehrbuchs
Eine stärkere Integration von Übungsphasen könnte die Sicherung, Vernetzung und Verankerung der zahlreichen sprachlichen und inhaltlichen Informationen unterstützen und gleichzeitig zur Sprachbildung genutzt werden. Ergänzend zur Vertiefung und Elaboration können Übungen aber auch zur Erschließung oder Textentlastung eingesetzt werden und somit ein Einbeziehen von Übungsschleifen in allen Phasen des Lehrgangs ermöglichen.3 Um in den Unterricht auch sprachbildende Übungsschleifen einzubinden, sollte also jede Lateinlehrkraft das Übungsangebot ihres Lehrwerks dahingehend untersuchen, ob aus dem Bestand passende Aufgaben ausgewählt oder mit dem Ziel der Sprachbildung variiert werden können, wofür meistens schon eine andere Fokussetzung genügt.
Lateinlehrkräfte können dabei aus einem bunten Aufgabenschatz schöpfen, während sich andere Fachlehrkräfte häufig auf die Entlastung der genutzten Texte beschränken müssen.
Von Alltags- zur Bildungssprache
Eine solche Vereinfachung von Fachtexten ist allerdings nicht immer förderlich, da die Lernenden so keine Chance haben, das Deutsche über dem Niveau einer „Schonsprache (vgl. Kipf 2014: 35) hinaus zu erwerben – geschweige denn einen Zugang zur Bildungssprache zu erhalten. Sinnvoller ist es daher, sprachliche und metakognitive Brücken zu bauen und als „sprachliche Leitern zur Verfügung zu stellen. Zum Begriff „Schonsprache siehe auch:
Begriffserklärungen
Begriffserklärungen
Schonsprache
Zu verstehen ist hierunter eine Varietät des Deutschen, die eher der konzeptionellen Mündlichkeit zuzuordnen ist und im gut gemeinten Sinne eingesetzt wird, die eher sprachschwachen Lernenden bei der Sprachrezeption zu schonen. Es werden also möglichst alle sprachlichen Mittel auf Wort-, Satz- und Textebene, die für die Bildungssprache typisch sind, systematisch vermieden, wodurch es den Lernenden jedoch auf Dauer an passendem Sprachinput zur Erweiterung des eigenen Inventars fehlt.
Recast
Unter Recast versteht man das korrigierende Wiederaufgreifen einer Schüleräußerung, die sprachlich nicht der Norm entspricht, den Inhalt aber korrekt abbildet. Die Lehrkraft wiederholt die Schüleräußerung und bereinigt sie sprachlich, wodurch der Lernende eine positive Wertschätzung für die inhaltlich korrekte Antwort erhält, gleichzeitig aber auch durch den korrekten und im besten Fall auch durch Betonung oder Akzentuierung hervorgehobenen Input seine sprachliche Ausdrucksweise korrigieren und erweitern kann.
Dieses offensive Verfahren zielt auf die Aktivierung des...
Altsprachlicher Unterricht
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Altsprachlicher Unterricht abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 6 / 2018

Sprachbildung und Sprachförderung

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Methode & Didaktik Schuljahr 5-9