Anne Friedrich

Mensch und Umwelt in der Antike

Römisches Mosaik in der Villa Romana del Casale, Sizilien: Ein Arbeiter zieht zwei Ochsen mit Pflug heran.
Als den Göttern heilig verehrt, als bedrohliche Wildtiere gefürchtet, genutzt als Nahrungsmittel oder Arbeitshelfer – unter anderem im Umgang mit Tieren offenbart sich das Selbstverständnis des antiken Menschen., Foto: © imago images / Steffen Schellhorn

Anne Friedrich

Zur Bildung für nachhaltige Entwicklung im Altsprachenunterricht

 Das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt zu thematisieren hat eine lange Tradition im Altsprachenunterricht, schließlich ist die Selbstverortung im umgebenden Kosmos ein menschliches Grundanliegen und von antiken Autoren in verschiedensten Facetten durchdacht worden. Mit der aktuellen Debatte um Nachhaltigkeit und die Rolle des Menschen bei der Umweltzerstörung ergeben sich neue Zugänge für die Hinterfragung der antiken Texte. So auch die Legitimierungsfrage, inwiefern und unter welchen methodischen Leitlinien die Beschäftigung mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur unter diesem Blickwinkel zu einem tieferen Verständnis der Antike und zur Bewältigung heutiger Menschheitsfragen und Bildungsziele beitragen kann.
Dabei sollte man sich der Gefahr bewusst sein, zu viel Gegenwart anachronistisch in die Antike zu projizieren und nach einer eindeutigen Etikettierung zu suchen: Weder Ökofatalismus noch Greenwashing sind zielführend. Auch wenn der Forschungszweig der Historischen Ökologie noch in den Anfängen steckt, zeichnet sich als Bild bereits ab, dass erkennbare Veränderungen der Umwelt in der Antike durchaus sichtbare und als solche kommentierte anthropogene, mehr jedoch natürliche klimatische und geophysikalische Ursachen hatten.1 Die Antike hatte noch nicht die technologischen Möglichkeiten, die Umwelt in dem Maße zu beeinflussen und zu zerstören, wie wir es über die Jahrhunderte gelernt haben, insofern musste sie auch noch keine Antworten auf unsere Fragen suchen. Doch bietet die Thematik im Sinne historischer Kommunikation die Möglichkeit, heutige Sichtweisen in ihren Ansätzen und ihrer Genese aus der Antike heraus zu verstehen und dies als Korrektiv zu nutzen.
Als Erkenntnisquellen stehen der Umweltgeschichte textuelle und materielle Hinterlassenschaften sowie naturwissenschaftliche Methoden zur Klima- und Landschaftsforschung zur Verfügung, wobei die Textquellen oft keine sichere Gewähr bieten insofern sie auf der Ebene der literarischen Repräsentation verbleiben.2 Ihr Wert besteht gegenüber den big-data-Forschungsansätzen wiederum in einer vertieften Reflexion des Mensch-Umwelt-Verhältnisses, in der Artikulation menschlicher Wahrnehmung und sinnstiftender Gestaltung dieser Wechselwirkung wie auch des individuellen oder gesellschaftlichen Umgangs mit Problemen und Risiken. Anregungen für die Auswertung literarischer Quellen kommen u.a. aus dem Forschungsbereich des „Ecocriticism, der die symbolisch-kulturellen Ausdrucksformen von Mensch-Umweltbeziehungen im Sinne einer „kulturellen Ökologie in Abgrenzung von der „historischen Ökologie zum Untersuchungsgegenstand hat.3
Im altsprachlichen Unterricht sind Fragen der Umweltgeschichte daher anzusiedeln in der allgemeinen Kultur- und Geistesgeschichte mit Fokus auf die (Selbst-) Wahrnehmung des antiken Menschen in seinem Verhältnis zu Natur und Umwelt sowie sein daraus resultierendes Verhalten, mithin im Bereich der (inter-)kulturellen Kompetenz.
Mythisch-religiöses vs. naturwissenschaftliches Weltbild
Das Ringen um die Position des Menschen gegenüber Natur, Tieren und Pflanzen, ebenso gegenüber Göttern und Kosmos ist eine im Kern philosophische Frage, auf die man im Medium von Mythos und Logos Antworten suchte, die handlungsleitend für das Verhalten von Individuum oder menschlicher Gemeinschaft gegenüber der Umwelt wurden (zum Umweltbegriff: ).
Im mythisch-religiösen Denken ist der Mensch der Natur und den Göttern, die in ihr walten, ausgesetzt und spürt ihre Superiorität. Diese Natur kann er als heitere oder auch als furchterregende wahrnehmen, die Naturphänomene Göttern attribuieren und sein Verhalten danach ausrichten. Doch anmaßendes Fehlverhalten führt leicht zu Bestrafung. So ist schon die Figur des Prometheus als Sinnbild des Kulturbringers ambivalent deutbar, einerseits büßt er für seinen Frevel, andererseits entwickelt Platon daraus ein...
Altsprachlicher Unterricht
Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Altsprachlicher Unterricht abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 2 / 2020

Mensch und Umwelt

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Fachwissen Schuljahr 7-13