Alexander Tilgner

What’s real? – Das Smartphone als Werkzeug der Bildtransformation

Alexander Tilgner

Zum Beispiel: J. Robert Feld

Im Zeitalter von „Mashup und „Remix, in dem das Verständnis von Hoch- und Alltagskultur sowie die Begriffe Original und Kopie verschwimmen, stellt sich die Frage nach der visuellen Konstruktion und Rezeption von Kunst. Die im Folgenden u.a. rezeptionsästhetisch analysierte Arbeit des New Yorker Künstlers J. Robert Feld lotet dieses Spannungsfeld aus.

„Ach das kennt man doch. Das hab ich schon mal irgendwo gesehen. Lass uns weitergehen! So in etwa könnten erste Kommentare zu den Arbeiten von J. Robert Feld lauten, wenn Museumsbesuchende sich der bemalten Leinwand nähern.
Diese „Appropriation Art eine Unterkategorie der Konzeptkunst, bei der Künstlerinnen bzw. Künstler bewusst Kopien von Werken anderer Kunstschaffender einsetzen zeigt die charakteristische Anordnung von Linien und geometrischen Formen eines Originalwerks von Piet Mondrian (18721944): Composition with Red, Blue and Yellow (1930). Dieses Werk ist so fest in unserem kulturellen Gedächtnis verankert, dass Museumsbesuchende die Arbeit sofort mit Assoziationen verbinden und einordnen können.
An dieser Stelle setzt das Konzept von Feld ein: Wie wird Kunst visuell konstruiert? Wie wird Kunst konsumiert? Welchen Einfluss haben die Medien darauf?
Rezeptionsästhetische Annäherung
J. Robert Felds Werk Composition in Teal, Ochre and Blue aus der Serie Mondrian Inverted: The Viewer is not present ist eine Malerei aus dem Jahr 2014, die in der internationalen Ausstellung Hamster, Hipster, Handy Im Bann des Mobiltelefons im Jahr 2015 im Museum Angewandte Kunst (Frankfurt/M.) gezeigt wurde (vgl. Richard u.a. 2015, S. 40).
Auf der quadratischen Leinwand des abstrakten Gemäldes sind formatfüllend verschiedene geometrische Figuren zu sehen. Die unterschiedlich großen rechteckigen Farbflächen in Blau, Blaugrün, Ocker und Schwarz werden durch eine Kombination aus dicken und dünnen weißen Linien begrenzt.
Abgesehen von seiner Farbigkeit, ist das Werk eine exakte „Kopie von Piet Mondrians Malerei aus dem Jahr 1930.
Das Gemälde bildet allerdings nur einen Teil dieses installativen interaktiven Werks der Konzeptkunst. Die konzeptionell implementierte Interaktivität zur „gehängten Flachware wird im Ausstellungsraum von einer schriftlichen Instruktion initiiert, welche die Besuchenden dazu auffordert, die Leinwand unter Nutzung ihres Smartphones* bzw. Tablets* zu betrachten. Zu diesem Zweck muss die Farbdarstellung vorab in den Geräteeinstellungen manuell geändert werden, sodass die auf dem Display angezeigten Farben eine Inversion erfahren (s. Kasten).
Technische Hinweise
Technische Hinweise
Nutzerinnen und Nutzer eines iOS-Device (mobiles Betriebssystem für iPhone oder iPad) können diese Inversion selbst vornehmen, indem sie in den Einstellungen unter dem Reiter „Allgemein die „Bedienungshilfen auswählen und dort den Schieber „Farben umkehren aktivieren.
Beim Gebrauch eines Android-Gerätes hängt das Vorgehen zur Farbumkehr meist vom Hersteller ab. In der Regel findet sich die Funktion allerdings in den Einstellungen unter dem Reiter „Mein Gerät. Dort kann unter den „Eingabehilfen die Funktion „Negative Farben an- oder abgewählt werden.
Im Anschluss daran ist das Smartphone entsprechend präpariert, sodass die Kamera-Linse zum Auge der Rezipientin bzw. des Rezipienten wird, durch das diesem die Arbeit von Piet Mondrian aus dem Jahr 1930 auf dem eigenen Display erscheint (Abb.1). Eben diese Abbildung kann auch durch das persönlich modifizierte Gerät der Leserinnen und Leser betrachtet werden, sodass der beabsichtigte Effekt auch anhand der hier abgedruckten Reproduktion in Erscheinung tritt.
Das künstlerische Konzept Felds thematisiert einen transformativen Prozess und gestaltet hierdurch die Beziehung zwischen dem jeweiligen Werk und seinen Betrachtenden, die laut Werktitel „not present sind.
Auf diese Weise wird unmittelbar ein rezeptionsästhetisch...

Friedrich+ Kunst

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Kunst

Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 415 / 416

Mit Smartphones und Tablets

Friedrich+ Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 1-13