Torsten Meyer I Benjamin Jörissen

Post Internet Art Education

Torsten Meyer I Benjamin Jörissen

Ästhetische Bildung, Post-Digitalität und ihre Subjekte

„Cyberspace gehörte zu den Metaphern, mit denen in den frühen Jahren des Internets versucht wurde, das Neue des neuen Mediums irgendwie fassbar, greifbar, begreifbar zu machen. Heute jedoch sind die Grenzen zwischen „digital und „real längst obsolet. Willkommen in der post-digitalen Kultur!

Als William Gibson das Wort „Cyberspace 1984 erfand, prägte er damit nachhaltig unsere Vorstellungswelt. Science-Fiction-Filme der 1990er-Jahre trugen ihren Teil dazu bei und so stellten wir uns diesen Cyberspace folglich vor als einen großen, dunklen, kalten am Bild des Weltraums orientierten , „virtuellen Raum, als eine Art Jenseits-Welt, eine „virtual reality.
Diese virtual reality war scharf abgegrenzt vom sogenannten „real life. Die Grenze zwischen beiden Welten war aus irgendeinem Grund sehr wichtig. Die virtuelle Realität hatte zu tun mit dem Nicht-Wirklichen, mit dem Fiktionalen, Traumhaften, mit den Imaginationen und Illusionen, manchmal auch dem Imaginären, dem Magischen und Unheimlichen. Diesseits der Grenze war „real life, die wirkliche Wirklichkeit, das echte Leben. Wer sich zu sehr ins Jenseits der virtuellen Realitäten bewegte, zu tief drin war im Cyberspace, für den bestand Gefahr, nicht mehr herauszufinden, süchtig zu werden, unter „Realitätsverlust zu leiden usw.
Cyberspace in der Hosentasche
Inzwischen ist die Hälfte der Weltbevölkerung drin in dieser vermeintlich virtuellen Welt. Mit social media und Smartphone ist der Mainstream im Internet angekommen. Der Cyberspace ist bewohnbar geworden. Aber er wird nicht von den schrägen Cyborgs der frühen Science-Fiction-Fantasien bewohnt. Die Eingeborenen der Digitalkulturen tragen keine Cybernauten-Anzüge, um sich in parallele Welten zu versenken. Stattdessen tragen sie den Cyberspace in der Hosentasche mit sich herum. Sie haben das Internet ins real life geholt und damit gewissermaßen den Cyberspace von drinnen nach draußen gestülpt.
Diese Umstülpung ist ein monumentaler Prozess von globaler Bedeutung und enormer Komplexität. Was im Verhältnis zu unseren biografischen Zeitverläufen als relativ langsam erscheinen mag das World Wide Web wurde vor mehr als einem Vierteljahrhundert erschaffen, das „Web 2.0 vor 15 Jahren ausgerufen, Smartphones begannen vor mehr als einem Jahrzehnt, unseren Alltag zu verändern , geschieht im Verhältnis zur Reaktionszeit auf kultureller (z.B. pädagogischer) und gesellschaftlicher (z.B. bildungspolitischer) Ebene in einer nicht adäquat zu verarbeitenden Geschwindigkeit. Mehr noch als in einem Zeitalter der Digitalisierung leben wir in einem der Disruption und Transgression. Eine dringend benötigte metalanguage for describing the world that complex systems have wrought (Bridle 2018, S. 5) ist noch nicht entwickelt immerhin zeichnen sich einige ihrer Grundlagen langsam am Diskurshorizont ab (vgl. beispielsweise Seyfert/Roberge 2017).
Doch die vernetzten Komplexitäten schon dieser Gegenwart lassen sich kognitiv nicht mehr hinreichend verstehen. Die „dritte Natur (Kluge/Liebs 2016) unterscheidet sich von der ersten maßgeblich: Sie ist Katalysator ihrer eigenen Entwicklung, ausgestattet mit sehr aktiven Eigendynamiken. Culture, so der Kulturwissenschaftler Ted Striphas, is fast becoming in domains ranging from retail to rental, search to social networking, and well beyond the positive remainder resulting from specific information processing tasks (Striphas 2015, S. 406) auch hier also die Diagnose einer Umstülpung mit weitreichenden Konsequenzen.
Cultural Hacking als neue Kulturtechnik
Die Eingeborenen der Digitalkulturen sind damit konfrontiert, dass sich der größere Teil ihrer Lebenswirklichkeit der Kontrolle entzieht. Ihre Umwelt ist geprägt davon, dass sie überall in den Ökosystemen wie in den Netzwerken der Gesellschaft damit rechnen müssen, dass wie Dirk Baecker formuliert ...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 425 / 426

Prinzip Transkulturalität

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