Anne Eßer | Johannes Kirschenmann

Vom Bild aus: Gender

Anne Eßer | Johannes Kirschenmann

Paare, Ehepaare und Verträge

Die Ehe dient in vielen Kulturen der Funktion, das soziale Band zu stabilisieren und als Kern eines Familienverbundes zur Erhaltung des sozialen Sinns einer Gemeinschaft beizutragen. Dies hat Einfluss auf die Geschlechterrollen und auf die Paarbeziehungen.

Dies ist der zweite Beitrag einer Folge von Materialien zur Genderdebatte. Diese Serie wird in den nächsten Ausgaben von KUNST+UNTERRICHT fortgesetzt.
  • Geschlecht und politische Diskussion (in: K+U 429/430//2019, Beilage: IM FOKUS: Gender)
  • Paare, Ehepaare und Verträge
  • Marienbildnisse
  • Künstler, Modell, Puppe
  • Blicke des Begehrens und der Macht
  • Aufbrüche, Umbrüche, Auflösung und Geschlechterkampf
  • Das Genderthema in Jugendfilmen
Im christlichen Europa wird im zwölften Jahrhundert die Ehe erstmals als ein unauflösliches Sakrament definiert sofern sie in beiderseitigem Einverständnis von Frau und Mann geschlossen worden war. Das Sakrament galt als Gnade Gottes, mit dem der testamentarisch belegte Bund zwischen Christus und der Gemeinde bestätigt wurde. Damit unterlag die Ehe einem göttlichen Recht als dessen Vollstrecker wurde der katholischen Kirche in allen Fragen die Gerichtsbarkeit zugebilligt. Zur christlichen Heirat gehörte auch die testamentarische Aufforderung „Seid fruchtbar und mehret Euch. Damit galt die Ehe erst als vollzogen, wenn gern unter Zeugen das Brautpaar bald nach der Hochzeit das „eheliche Beilager aufsuchte.
Die katholische Kirche und nach Luther auch die evangelische gehen grundsätzlich von der Unauflösbarkeit des Versprechens aus mit Ausnahmen: Ausbleibender Nachwuchs könne zur „Trennung von Tisch und Bett führen und auch ein Ehebruch gibt den anderen Ehepartner frei. Beide Kirchen appellieren jedoch, alles für den Bestand der Ehe zu tun.
Das 1563 beendete Konzil von Trient legte die katholische Lehre zur Ehe fest; diese galt im katholischen Glaubensbereich, bis sie nach der Französischen Revolution durch den Code civil abgelöst wurde, der auch in die durch Napoleon besetzten Gebiete ausstrahlte. Mit dem Konzil wurde der Priester zum aktiven Zeugen des Ehebundes, den er nun vor dem Altar schloss.
Zur gleichen Zeit wurden als Personenstandsregister die Kirchenbücher eingeführt. In ihrer amtlichen und transparenten Funktion galten sie als offizielle Dokumente und sollten heimliche Eheschließungen oder die zwischen nahen Verwandten verhindern. Erst mit dem Code civil geht die Hoheit über die Eheschließung von der Kirche auf den Staat über.
Ehe als Vertrag
Wirtschaftliche Fragen der Ehe und das Erbrecht unterstanden nun der weltlichen Obrigkeit und waren durch viele Besonderheiten der lokalen Gewohnheitsrechte geprägt. Die Heirat kam einem Vertrag gleich, für den zunächst Zeugen empfohlen waren und der weitere vertragliche Abmachungen vor allem für die wirtschaftlichen Güter umfasste. Das Heiratsalter war nicht definiert und in den oberen Schichten bildete sich eine Heiratspolitik aus, die den freien Willen der Individuen zugunsten von Bündnissen und Verträgen zwischen Familien in den Hintergrund rückte.
Das führte in der Malerei zu zahlreichen Paarbildnissen, die über das Bild, seine Attribute und ggf. auch schriftliche Fixierungen die Heirat für ein weiteres Publikum bezeugten. Bildnisse von Ehepaaren testieren nicht nur deren rechtliche Verbindung, sie demonstrieren auch Besitz und Tugenden, die nach dem Verständnis der Zeit den Geschlechtern und ihren Protagonisten zugewiesen wurden. Bei verheirateten Paaren wurde die Frau meist im rechten Bildsegment dargestellt (M-1 ).
Das Konzil und die Ausführungen Luthers zur Ehe werteten die Ehe auf. Der Ehefrau galt als Verwalterin der Ökonomie des Hauses gleiche Wertschätzung wie dem Mann. Auch hat sie die gleichen Segnungen der Gnade Gottes, bleibt aber in der Geschlechterhierarchie nachgeordnet und wird vor allem zum Gehorsam gegenüber ihrem Mann aufgefordert. Genau solch eine...

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aus: Kunst und Unterricht Nr. 431 / 432

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