Sara Burkhardt

Gips als eigenständiges Material in der Kunst

Sara Burkhardt

Weit mehr als ein Hilfsmittel!

In diesem MATERIAL-Teil werden Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern vorgestellt, die Gips entweder auf eine ganz bestimmte Art und Weise nutzen oder das Material Gips aufgrund seiner besonderen Beschaffenheit wählen.

Künstlerinnen und Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts arbeiten auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Material Gips. Während Gips in vorangehenden Jahrhunderten vor allem für die Erstellung von Modellen für spätere Abgüsse oder zur Nutzung dieser als Vorlage für die Arbeit am Stein (z.B. Bernini) Verwendung fand, rückt im Verlauf des 20. Jahrhunderts das Material selbst stärker in den Blick.
Gips wird zunehmend zum eigenständigen künstlerischen Material. Künstler modellieren Figuren in Gips (z.B. Giacometti), um einen Kern aus Holz und Draht aufbauend, ohne dass diese zwingend abgegossen oder Modelle für die Arbeit mit anderen Materialien werden. Mithilfe von Gipsbinden lassen sich bestehende Formen erweitern und umformen, Körper oder Körperteile abformen.
Die Sprache des Materials Gips rückt in den Fokus, wenn es mit anderen Materialien kontrastiert wird oder wenn tradierte Darstellungsweisen kritisch betrachtet werden.
Gips im Kunstunterricht
Für den Kunstunterricht bedeutet diese Entwicklung, das Material verstärkt in den Blick zu nehmen. Welche Eigenschaften besitzt Gips? Wie kann sich diese Materialität prozesshaft und durch verschiedene Formen der Bearbeitung verändern?
Es gilt, eine Sensibilisierung für das Material zu schaffen, um es nicht lediglich als Hilfsmittel für die Erstellung von Gussformen oder Abdrücken zu begreifen, sondern als eigenständiges Material mit entsprechenden Eigenschaften.
Der Umgang mit Gips setzt nur wenige technische Kenntnisse voraus und ermöglicht ein breites Spektrum an Erprobungen. Gips lässt sich mit anderen Materialien kombinieren, erlaubt verschiedene Verarbeitungsweisen und erfordert aufgrund seiner materiellen „Sprachlosigkeit eine Konzentration auf Prozesse der Formfindung und absichtsvollen Gestaltung.
M1: Materialien kombinieren Karla Black
Mögliche Aufgaben
  • Informationen zu Karla Black und ihren Werken sammeln
  • Erprobungen: Wie lässt sich Gips in seinem Zustand als Pulver nutzen? Mit welchen Substanzen (Kreide, Make-Up, Pigmente, Haarspray, Sprühkleber, usw.) lässt er sich kombinieren und wie wirkt sich das auf die Beschaffenheit des Materials aus? Verändert es die Wirkung?
  • Experimente mit Gipspulver im Außenraum fotografisch dokumentieren und herausfinden, wie Räumlichkeit erzeugt bzw. Orte temporär verändert werden können
M2: Strukturen finden Tony Cragg
Mögliche Aufgaben
  • Informationen zu Tony Cragg und seinen Werken sammeln
  • Das Material Gips nutzen, um Strukturen zu finden: Wie lassen sich gegossene Gipsteile weiter verändern? Durchlöchern, einritzen, abrunden, aushöhlen, glätten
  • Wie können Kontraste mithilfe des Materials Gips dargestellt werden? Gegensatzpaare wie schwer/leicht, kaputt/heil, hoch/tief, innen/außen, positiv/negativ, natürlich/künstlich usw. plastisch umsetzen
M3: Körper abformen George Segal
Mögliche Aufgaben
  • Informationen zu George Segal und seinen Werken sammeln
  • Teile des eigenen oder anderer Körper mit Gipsbinden abformen und die so entstehenden Gesten/Haltungen/Büsten zusammensetzen
  • Körperteile mit Gipsbinden abformen und die entstandenen Formen mit Alltagsobjekten kombinieren
  • Ganze Figuren in alltäglichen Situationen aus Abformungen mit Gipsbinden herstellen und an ausgewählten Orten im Schulkontext oder im öffentlichen Raum platzieren
M4: Den Körper fragmentieren Sarah Lucas
Mögliche Aufgaben
  • Informationen zu Sarah Lucas und ihren Werken sammeln (weitere Künstlerinnen hinzuziehen, z.B. Helen Chadwick)
  • Teile des eigenen Körpers mit Gips abformen und die Formen ausgießen, sodass irritierende neue Formen entstehen
  • Eine Form für eine Geste finden: Welche Teile des Körpers werden...

Friedrich+ Kunst

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 421 / 422

Arbeiten mit Gips

Friedrich+ Kennzeichnung Fachwissen