Roland Meinel

Zeitgenössische Papierkunst

Roland Meinel

Paper Art/Paper Design/Paper Craft

Dieser MATERIAL-Teil setzt sich mit den vielfältigen Erscheinungen der zeitgenössischen Papierkunst in all ihren unterschiedlichen Ausprägungen auseinander. Mit ausgewählten Beispielen wird auf die Vielschichtigkeit des Phänomens „Gestaltung und Kunst mit Papier hingewiesen.

Paper Art, Paper Design und Paper Craft sind Begriffe, die nur unzureichend die gesamte Breite des Bereiches umschreiben, in dem Papier gestalterisch und künstlerisch genutzt wird von freier Kunst aus Papier bis zu dekorativen Arbeiten und Design. Hinzu kommen noch die unzähligen Technologien und Möglichkeiten der Papierbearbeitung, wie Falten, Schneiden, Kleben usw. Neue Bearbeitungstechnologien werden von Künstlern und Gestaltern aufgegriffen, alte weiter entwickelt und in hybriden Gestaltungsweisen werden völlig neue Aspekte dieses Materials ausgelotet.
Auch im Hobby- und Freizeitbereich wird bevorzugt mit diesem Material gearbeitet, da es so omnipräsent, preiswert und wandelbar ist.
Im pädagogischen Prozess ergeben sich neben den eigentlichen gestalterischen und künstlerischen Arbeiten mit dem Material oft Fragen zur Rezeption und reflektorischen Auseinandersetzung. Allerdings: Beispiele von Paper Art und Paper Art-Künstlern sind selten in den Medien präsent, Ausstellungen finden sich kaum und wenn, dann meist nur in Museen für angewandte Kunst und Design. Auch deshalb werden in diesem MATERIAL-Teil ausgewählte Beispiele vorgestellt und aus didaktischer Sicht kommentiert.
Funktionswandel des Papiers
„Ich gehe das Risiko ein, dogmatisch zu klingen, wenn ich behaupte, daß heute ein Wandel der Rolle des Papiers vom Funktionellen zum Kulturellem stattfindet. Mit anderen Worten: Erlebt Papier nicht eine Transformation von einem Material der Informationsvermittlung hin zu einem Medium, das selbst Information trägt? Wie wird sich Papier seiner neuen Rolle anpassen, um sein Überleben zu sichern?
Es gibt eine tiefe und vertraute Beziehung zwischen Menschheit und Papier wie wird sie sich in Zukunft entwickeln und verändern? Die Suche nach einer angenehmen Beziehung zwischen Menschen und Papier, die uns davor bewahrt, ‚papierlos zu werden, hat begonnen. (Ibe 1990, S. 32).
Diese Suche nach der „angenehmen Beziehung zum Papier in Kunst und Kultur ist inzwischen schon fortgeschritten, im Schulalltag wie auch im Alltagsleben. Bücher verlieren zwar an Bedeutung zugunsten elektronischer Medien, aber künstlerische „Bücher, Buchobjekte und Gestaltungen aus umgearbeiteten „alten Büchern sind nicht mehr selten. Und auch die Arbeitsgebiete, mit dem sich dieses K+U-Heft befasst also das konstruktive Gestalten mit Papier, das Falten, Schneiden, Konstruieren sind längst zu künstlerischen und gestalterischen Äußerungen geworden.
Noch immer finden die Künstler neue Möglichkeiten der „Sprache des Papiers, entdecken neue Formen und Papiermaterialien oder neue Formen der Bearbeitung. Thomas Demand (s. Beitrag Hahn) verbindet Papiermodellbau mit Fotografie. Er baut mithilfe von Papier und Karton Orte und Ereignisse nach, um sie zu fotografieren und anschließend zu zerstören.
Dass die innovativsten Entwicklungen zumeist aus Japan kommen, verwundert nicht. Die lange geschichtliche Tradition von Papier in diesem Land und die immer noch anzutreffende hohe „Papierkultur dort wie auch eine leistungsfähige technologische Entwicklung und wissenschaftliche Forschung auf dem Papiersektor wirken auf die Gestalter und Künstler ein. So sind in den letzten Jahren z.B. viele neue mathematische Erkenntnisse zum Falten direkt von Faltkünstlern im geometrischen Origami übernommen worden (z.B. modulares Origami: https://www.besserbasteln.de/Origami/modulares_origami.html).
Didaktische Überlegungen
Aus didaktischer Sicht betrachtet, bedeutet dies alles, dass Paper Art in allen Ausprägungen heute eine aktuelle Form von Kunst und Design ist und im Unterricht thematisiert werden...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 419 / 420

Papier Konstruktiv

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