Jan Schmolling

Mit Fotografie eigene Standpunkte vermitteln

Jan Schmolling

Ein Interview mit Daniel Chatard zur Serie Niemandsland

Daniel Chatard studiert Fotojournalismus und Dokumentarfotografie in Hannover. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und präsentiert, u.a. beim Deutschen Jugendfotopreis und beim Leica Oskar Barnack Award. Im Interview mit Jan Schmolling erläutert er seine Arbeit.

JS: Wann hast Du angefangen zu fotografieren und wie kam es dazu? Welche Bedeutung hat das Medium Fotografie für Dich heute?
CD: Ich glaube, ich habe schon immer ganz gerne fotografiert, aber eine fotografische Entwicklung hat bei mir erst mit 17 eingesetzt. Ich habe angefangen, mir technische und gestalterische Grundlagen anzueignen und immer mehr fotografiert. Anfangs war ich vor allem daran interessiert, „schöne Fotos zu machen: Blumen, Sonnenuntergänge, solche Sachen. Mich haben Fotografen interessiert, die weit entfernte Länder erkundet und dort fotografiert haben, Steve McCurry zum Beispiel.
Heute finde ich diese Fotos weniger spannend. Inzwischen ist Fotografie für mich ein Medium geworden, mit dem Menschen sich ausdrücken können und ihre Erfahrungen, Gefühle und Ideen visuell kommunizieren. Ganz persönlich hat Fotografie mir eine Stimme verliehen, mit der ich auf Themen aufmerksam machen kann, die mir am Herzen liegen. Wenn man das selber spürt, ist das ein großartiges Gefühl.
Zerstörung einer Region
JS: In Deiner fotografischen Arbeit Niemandsland zeigst du die Zerstörung einer Region (Abb. 1– 4 ). Ganze Dörfer mussten und müssen der Kohlegewinnung weichen. Die Rettung des Hambacher Forsts hat starken Symbolcharakter. Woher kommt Dein Interesse für dieses Thema?
CD: Ich denke, der Klimawandel ist das größte Problem, das die Menschheit in diesem Jahrhundert haben wird. Manchmal wünsche ich mir, wir Menschen könnten einen Tag lang in der Zukunft leben, dann würden sich solche Fragen erübrigen.
Wir leben in Deutschland auf eine extrem klimaschädliche Weise und unsere Klimaziele für 2020 werden wir verfehlen, obwohl diese meiner Ansicht nach nicht weit genug gehen. Die Förderung von Braunkohle, dem schmutzigsten Energieträger überhaupt, soll noch jahrzehntelang weitergehen.
Die Proteste im rheinischen Braunkohlegebiet machen mir Hoffnung, dass unsere Regierung auf Druck der Gesellschaft vielleicht doch schneller einlenkt. Ich habe den Wunsch, mit meinen Fotos einen kleinen Teil dazu beizutragen.
Bildnerische Mittel
JS: Dein Projekt ist dem Genre Reportage zuzuordnen. Die Thematik ist sehr ernst, um nicht zu sagen: dramatisch. Die Darstellung der Proteste und gewaltsamen Auseinandersetzungen als packende Nahaufnahmen umgesetzt zu sehen, wäre eine Möglichkeit gewesen.
Du hast ganz andere bildnerische Mittel gewählt. Viele deiner Fotos wirken fast schon sanft und artifiziell die Bildkomposition, die Perspektive, das Licht, die Farbigkeit, Wie kam es dazu? Ist das Dein genereller Stil? Weshalb hast Du diese Bildsprache für das Thema gewählt?
DC: Ich habe generell eher eine ruhigere Bildsprache, aber fotografiere auch unterschiedlich, je nachdem, mit welchem Thema ich mich beschäftige und welchen Ansatz ich habe. Als ich angefangen habe, an dem Projekt zu arbeiten, habe ich noch anders fotografiert, war mit der Kamera näher an den Menschen dran. Ich habe dann aber nochmal neu angefangen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich die Thematik anders abbilden will.
Ich habe mit einer analogen Mittelformatkamera gearbeitet, was mehr Konzentration erfordert und den Prozess des Fotografierens etwas verlangsamt. Ich wollte in den Fotos eine gewisse Ruhe und Distanz schaffen, weil ich denke, dass der Diskurs darüber nicht zu emotional geführt werden sollte. Das heißt nicht, dass ich versuche, in meiner Arbeit objektiv zu sein. Ich möchte aber meine Sicht der Dinge klar und ohne Übertreibungen darstellen. Für mich zeigt auch diese Darstellung ganz deutlich die Maßlosigkeit, mit der die Umwelt und die Heimat von Menschen zerstört wird sowie den...
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aus: Kunst und Unterricht Nr. 431 / 432

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst und Unterricht" Hintergrund Schuljahr 10-13