Margareta Biegert-Simm | Daniela Märkl

SCHNITT | RAUM

Modell des Osloer Opernhauses – aus einem Blatt Papier
Modell des Osloer Opernhauses – aus einem Blatt Papier , aus dem Unterricht von Margareta Biegert-Simm, Daniela Märkl

Margareta Biegert-Simm | Daniela Märkl

Architektur: Modelle, Zeichnungen, Illusionsrräume

Unter dem Motto „Wenn die Stadt München uns fragen würde …“ beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler einer 12. Jahrgangsstufe mit der Diskussion um den neuen Konzertsaal für München. Angeregt vom Osloer Opernhaus, entstanden Papiermodelle und daran anschließend Architekturzeichnungen und Collagen.

Zu Beginn des Unterrichtsprojektes im Münchner Erasmus-Grasser-Gymnasium standen im Herbst 2015 noch fünf Standorte für die Planung des Konzertsaales zur Diskussion. So konnten sich die Lernenden anhand ihrer eigenen Recherchen und Begehungen der einzelnen Plätze für unterschiedliche Situationen entscheiden.
Für die Erarbeitung ihrer Entwürfe verwandelte sich die Klasse in ein fiktives Architekturbüro, das besonders durch seine scherenschnittartig entworfenen Gebäude bekannt geworden sei. Die Schülerinnen und Schüler erhielten ihre Semester-Aufgaben in Form einer Auslobung für einen Architekturwettbewerb.
Konzerthäuser kennenlernern
Dem Einstieg zur eigenen Entwurfsarbeit ging eine Auseinandersetzung mit dem Gebäude-Typus Konzerthaus voran. Beginnend mit dem griechischen Theater, das Grundvoraussetzungen für ein Erleben von Aufführungen vor einem Publikum festlegt, über die Entwicklung von Opernhäusern zu Konzertsälen, die den jeweils veränderten Formen der Darbie-tungen von Musik Rechnung tragen. Schließlich wurden einige der großen Konzertbauten der Gegenwart und deren Architekten vorgestellt.
Ein besonderes Augenmerk wurde auf das Konzerthaus von Oslo gelegt. Im Jahr 2000 gewann das Osloer Architektenteam Snøhetta den internationalen Wettbewerb für das neue Haus der Norwegischen Staatsoper. Grundlegende Entwurfsidee war dabei eine frei zugängliche Dachlandschaft als neuer öffentlicher Stadtraum. Zwei versetzte Dachebenen verbinden das große Bauvolumen des Foyers und beider Bühnen (Abb. 1).
Aus einem Papier
Beim Osloer Konzerthaus bietet die besondere Verbindung von begehbarem Dach mit darunter liegendem Foyer und einer zweiten schrägen Ebene, unter der sich der Raum für die Bühnen ausbreitet, einen hervorragenden Übergang zur Eigenarbeit der Schüler. Denn: So eigenwillig die Konstruktion des Osloer Konzertsaals erscheinen mag, lässt sie sich erstaunlicherweise aus einem rechteckigen Papier mit sieben richtig platzierten Schnitten und einigen Knicken nach oben, um einen Quader als Kern herum, modellhaft nachstellen (Abb.2und Schnittbogen, s. MATERIAL 1).
Im weiteren Verlauf sollten die Schülerinnen und Schüler selbst mithilfe von Papier und Cutter eigene Bauformen im Modell erfinden und sich dabei von den vielfältigen Möglichkeiten eines Schnittes in der Fläche leiten lassen (s. Kasten).
Schnitte zur experimentellen Formfindung
Schnitte zur experimentellen Formfindung
Ein Schnitt in der Fläche
  • ist immer eine Trennung,
  • schafft eine Verbindung von vorn und hinten,
  • gibt den Blick frei von innen nach außen.
Hilfestellung zur experimentellen Formfindung können folgende Hinweise zum Setzen der Schnitte sein:
  • Schnitte über eine vorher umgefalzte Kante, die nach dem Aufklappen in sich nach innen und nach außen geknickt werden können,
  • parallel zu einer Kante gesetzte Schnitte, die sich durch Zusammenschieben der seitlich liegenden Kanten zu Bögen aufwölben,
  • Schnitte, deren Form ineinander liegende Rechtecke darstellen, die alle mit einer gemeinsamen Linie verbunden sind, also nur an drei Seiten geschnitten werden,
  • das Herausschneiden einer oder mehrerer Spiralen, die entweder am äußeren oder inneren Ende in die Höhe gezogen werden.
Weitere Anregungen bieten (Kinder)-Bilderbücher in Pop-up-Technik und Falttechniken, z.B. Kirigami eine japanische Papiertechnik, die Scherenschnitt und Falten verbindet und zu faszinierenden, filigranen Papierbau-Werken führt.
Ein Schnitt schafft Raum
Mehrere Schnitte in Verbindung mit Biegen, Knicken und Falzen lassen Räume entstehen, deren Formen ...

Friedrich+ Kunst

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 419 / 420

Papier Konstruktiv

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13