Alexander Holzapfel

Ökotopien und die Fragen nach unserer Zukunft

Schülerarbeit (Kl. 6): Schrumpfungsmaschine: Menschen werden geschrumpft – gegen Überbevölkerung
Schülerarbeit (Kl. 6): Schrumpfungsmaschine: Menschen werden geschrumpft – gegen Überbevölkerung, aus dem Unterricht von Alexander Holzapfel

Alexander Holzapfel

Skizzieren, basteln oder modellieren als Äquivalent zur Sprache

In dieser Unterrichtssequenz zum Thema „Ökotopien werden bildnerisch-praktische und rezeptive Handlungsfelder zusammenfassend dargestellt. Dabei durchzieht „die Frage als kritisches Reflektieren das gesamte Projekt mit seinem Ziel einer besseren, einer utopischen Welt.

Das Unterrichtsbeispiel wurde in einer sechsten und siebten Klasse eines Gymnasiums durchgeführt. In der genauen Betrachtung historischer Bilder, gegenwärtiger Fotos aus dem Internet, aktueller Netzvideos sowie in der Begegnung mit Ausschnitten aus der Ökoliteratur gewinnen die Jugendlichen einen sensibilisierten Blick auf ihre Gegenwart, die zum Handeln im Sinne positiver Zukunftsentwürfe auffordert.
Die spiralcurriculare Synopse zahlreicher Unterrichtsfächer legt viele Möglichkeiten eines sinnhaften Projekts zur notwendigen Zukunftsgestaltung nahe. Ökologische sowie soziale Probleme und Fragestellungen sind Kern und Ausgang des Erkundens auch im Kunstunterricht.
Die gewollte Gestaltungsvielfalt und der bewusste Verzicht auf eine einheitliche formale Aufgabenstellung bedingen eine unterrichtliche Offenheit, aus der divergent gestellte Fragen resultieren und die eine bunte Palette an Ökotopien in den Ergebnissen praktischen Arbeitens zeigen.
Kunstrezeption: Gartenutopien bei Bosch und Roth
In der ersten Stunde begegnen die Schülerinnen und Schüler exemplarischen Werken bildender Kunst: dem Garten der Lüste von Hieronymus Bosch (Abb.: https://www.museodelprado.es/coleccion/obra-de-arte/el-jardin-de-las-delicias/02388242-6d6a-4e9e-a992-e1311eab3609) und der Gartenskulptur von Dieter Roth (Abb. 1 ). Im vergleichenden Sehen drängen sich folgende Fragestellungen auf:
  • Was haben beide Werke mit einem Garten zu tun?
  • Wofür steht der Begriff Garten?
  • Ist nicht jeder Mensch ein Gärtner, der Verantwortung für den ihm anvertrauten globalen Garten, für die Welt, trägt?
  • Worin bestehen die Unterschiede im Verständnis beider Künstler?
  • Ist der Garten ein guter oder böser Ort?
  • Was verspricht uns ein Paradiesgärtlein und weshalb taucht die Hölle als ein Ort der Marter auf?
  • Bei Bosch wird alles fortwährend neu geboren und ist dem Verfall anheimgegeben. Der Gärtner ist nie fertig. Was ist daran utopisch und worin besteht der Wille zur Veränderung zum Guten?
Die Lernenden schreiben in Gruppen auf kleine Zettel ihre Argumente, weshalb ein fortwährendes „Garteln wichtig ist eben auch im Hinblick auf die Verpflichtung, mit der Welt behutsam und ressourcenschonend umgehen zu müssen. Sie schlagen sich nach eingehender Betrachtung und dem Austausch der spekulierenden Sichtweisen auf die Seite von Hieronymus Bosch: In der Mitte ist das Heil!
Wie wollen wir sein, wie wollen wir wohnen?
Der nächste Unterrichtsschritt kommt aus der Bildbetrachtung von den Schülern selbst: „Wie wollen wir sein, wie wir wohnen?
Es wird gesprochen, diskutiert, widersprochen, fantasiert. Alle Schülerinnen und Schüler stellen die drängende Frage: „Was hat das mit heute und morgen zu tun? „Was wir hier machen, was wir hier alles vorhaben , wir haben doch keine Garantie für die Zukunft, da sind wir doch in der Gegenwart gefangen! So der spontane Reflex eines vermeintlich resignierenden Schülers der siebten Klasse .
Die andrängenden Probleme werden schon in diesem Alter sensibel wahrgenommen. Gerade deshalb ist der Wunsch der Lernenden groß, diese zentralen Fragen gedanklich und gestalterisch zu beantworten.
Problemfelder
Jede Gruppe fokussiert sich auf ein Thema. Das Problemfeld wird anhand einer Mind-Map in seiner Komplexität abgesteckt und für jeden Begriff ein weiterer Lösungsaspekt hinzugefügt.
Die Gestaltungsdirektive lautet: „Bitte keine perfekten Kunstobjekte! Eure Gedanken, so unfertig sie auch sein mögen, sind ins Bild zu setzen.
Gestaltungsarbeit mit improvisierendem Charakter
Für die folgende Gestaltungsarbeit ist ein improvisierender Charakter...
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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 443 / 444

Utopien

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst und Unterricht" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 6-10