Heiko Wommelsdorf

Kontextverrückung

Schülerarbeit (Kl. 7): Geheimnisvolle Geräusche aus dem Schulkeller
Schülerarbeit (Kl. 7): Geheimnisvolle Geräusche aus dem Schulkeller, aus dem Unterricht von Heiko Wommelsdorf

Heiko Wommelsdorf

Neuvertonung von Objekten in Klanginstallationen

In diesem Unterrichtsbeispiel werden Schülerinnen und Schüler zur bewussten Wahrnehmen von Klängen ihrer Alltagsumgebung herausgefordert. Dabei erkennen sie den Zusammenhang zwischen visueller und sonorischer Erscheinung. In einer anschließenden Inszenierung von Objekten mit ausgewählten Geräuschen werden neuartige Situationen in einer Installation gestaltet.

Der Begriff „Klangkünstler wird u.a. von DJs, Bands, Komponisten, Klangtherapeuten, Sounddesignern, Yogalehrern, Lautpoeten, Poetry-Slammern, Astrophysikern oder Meeresbiologen verwendet. Die Tongestaltung als kreatives Arbeiten mit Klängen und Geräuschen findet Anwendung in verschiedenen kulturellen und kommerziellen Bereichen.
Ein Brainstorming dazu, was sich Jugendliche unter dem Begriff „Sound vorstellen und in welchen Zusammenhängen dieser auftaucht, führt in die Thematik im Kunstunterricht ein. Verschiedene Berufsfelder vom Studiomusiker bis zum Sounddesigner werden aufgezählt und mit zusätzlichen Informationen ergänzt:
  • Für die Suche nach dem richtigen „Knuspern haben Keksdesigner sogar ein eigenes Soundlabor.
  • In der Autobranche entwickeln eigene Abteilungen das korrekte „Klack-Geräusch zuschnappender Autotüren oder den Sound von Auspuffrohren und Motoren.
  • Für die Vertonung von Filmen, Hörspielen, Musicals, Computerspielen u.v.m. nutzen Geräuschmacher unterschiedliche Objekte, um z.B. das Geräusch von Stöckelschuhen auf sandigem Untergrund oder das Rauschen eines geschobenen Einkaufswagens für einen Film zu optimieren. Um ein möglichst authentisches Meeresrauschen zu generieren, kann man beispielsweise mit einer Schuhbürste über eine Kiste streichen. Das Geräusch von knisterndem Feuer kann man mit Zellophanfolie erzeugen.
Die Frage: „Was hört ihr, wenn ihr in einem Film ein galoppierendes Pferd seht? ist somit nicht einfach zu beantworten. Sie verdeutlicht aber, dass Objekt und Geräuschquelle nicht immer ein und dasselbe sind.
Schallmessung
Um Sensibilität für Geräusche zu eröffnen, kommt ein Dezibel-Messgerät zum Einsatz. Alternativ kann eine Smartphone-App verwendet werden (z.B.: Sound Analyzer, für Schallmessung: Sound Meter).
Fünf Sekunden lang sollen alle im Klassenzimmer so laut wie möglich sein. Das Messergebnis auf dem Messgerät wird mit einer Lautstärkeliste verschiedener Geräusche verglichen.
Im nächsten Schritt soll fünf Sekunden lang möglichst kein Geräusch produziert werden. Auch hier wird die Lautstärke im Raum gemessen. Es stellt sich heraus, dass das Messgerät trotzdem ausschlägt. Der angezeigte Pegel wird nun analysiert und besprochen. Welche Geräusche lösen den Pegelstand aus? Verschiedene Geräuschquellen werden aufgespürt und mit Adjektiven charakterisiert, z.B.:
  • das dumpfe Glucksen der Heizung,
  • das rhythmische Brummen der Lüftungsanlage,
  • das hohe Surren der Leuchtstoffröhren,
  • das prägnante Rascheln einer Jacke,
  • das melodische Gezwitscher der Vögel vor dem Fenster,
  • das intensive Rauschen des Beamers.
Die Schülerinnen und Schüler werden so auf die uns alltäglich umgebenden Geräusche aufmerksam gemacht. Diese Beobachtungen bilden die Grundlage für die gestalterische Arbeit mit Sounds.
Audioaufnahme
Ausgehend von ihren bisherigen Erfahrungen und reflektierten Beobachtungen, fokussieren die Lernenden allein oder in Gruppen ein einzelnes Geräusch aus ihrer Schulumgebung (Abb. 1 ).
Zudem können Geräusche eigens produziert werden, indem z.B. ein Buch zugeschlagen, ein Stuhl über den Boden gezogen oder auf der Tafel mit Kreide geschrieben wird.
Diese Geräusche werden je nach Ausstattung mit Smartphone (mögliche Apps: Diktiergerät, Audio Recorder oder Aufnahmegerät), MP3-Player mit Aufnahmefunktion oder professionellen Aufnahmegeräten aufgenommen. Wichtig ist, dass möglichst keine Gespräche oder Umgebungsgeräusche zu hören sind, um wirklich nur ein Geräusch zu separieren.
Vorteilhaft ist zudem, die...
Kunst und Unterricht
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Kunst und Unterricht abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 429 / 430

Sound im Kunstunterricht inkl. IM FOKUS: Gender

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst und Unterricht" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 6-8