Philine Küssner-Niemann | Katharina Scheubert

Gothic Drawing

Schülerarbeit (Kl. 8): Gothic Drawing, Gestaltung einer Szene aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens
Schülerarbeit (Kl. 8): Gothic Drawing, Gestaltung einer Szene aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, aus dem Unterricht von Philine Küßner-Nimann, Katharina Scheubert

Philine Küssner-Niemann | Katharina Scheubert

Gestaltung eines narrativen Einzelbildes

In diesem Unterrichtsbeispiel aus zwei sehr unterschiedlich heterogenen Klassen (8. u. 9. Jahrgangsstufe) wird Verständnis für den Einsatz gestalterischer Mittel im narrativen Einzelbild entwickelt. Dabei erwerben die Schülerinnen und Schüler vielfältige zeichnerische Kompetenzen.

Wie gelingt es, nur mit einem Bild eine Geschichte zu „erzählen? Wie müssen zeichnerische Mittel eingesetzt werden, um beim Betrachter Vorstellungen zu wecken und die Fantasie anzuregen, eine Szene weiterzudenken?
Mit diesen Fragestellungen befasste sich die hier vorgestellte Unterrichtseinheit* in der Sekundarstufe I.
Zunächst lernten die Schülerinnen und Schüler zeichnerische Grundlagen, die dann reflektiert in einer eigenen Einzelbildgestaltung angewendet werden sollten. Diese Gestaltung konzentrierte sich auf die Bildwirkung als Kommunikationsmittel: Über eine gezielt inszenierte Bildstimmung sollte dem Betrachter ein Gefühl vermittelt werden, das dazu anregt, die dargestellte Szene gedanklich fortzusetzen.
Thema: Gruselgeschichte
Welches Thema kann dafür geeigneter sein als eine Gruselgeschichte? Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Jahrgangsstufe lassen sich für diese Thematik leicht begeistern und bringen häufig eigene Geschichten und Vorwissen aus analogen und digitalen Welten mit. In dieser Unterrichtsreihe wurden die Lernenden befähigt, selbst eine spannende, gruselig aufgeladene Atmosphäre mit zeichnerischen Mitteln erschaffen zu können und dabei grundlegendes Wissen über narrative Bildgestaltung zu erwerben (vgl. K+U 347/348//2010: Erzählen).
Gestaltungskompetenzen erwerben
Der Erwerb der notwendigen Gestaltungskompetenzen wurde in Lernphasen der eigentlichen Praxisphase vorangestellt, um noch frei vom Gelingen oder Nichtgelingen der Ausgestaltung einer eigenen Idee verschiedende Möglichkeiten kennenlernen und ausprobieren zu können. Diese bewertungsfreien Phasen ermöglichten es auch, an Defiziten zu arbeiten, um sich technisch zu verbessern. Teilweise bildeten diese kleineren, rein formal angelegten, Aufgaben zum Erwerb neuer Fähigkeiten auch eigenständige Lerneinheiten mit Leistungsanteilen.
Zeichnerische Fertigkeiten
Die vorgeschalteten Übungen sollten die Lernenden konkret befähigen, einen Raum fluchtpunktperspektivisch in der Ein- bzw. Zweifluchtpunktperspektive zu konstruieren und dabei die Funktion des Betrachterstandpunktes zu nutzen: Welches Gefühl vermittelt eine Aufsicht? Mit welcher Sicht auf das Motiv kann ich dessen Bedeutung/Gefährlichkeit/Bedrohlichkeit steigern?
Um den Raum realistisch und interessant auszugestalten, braucht man die Fähigkeit, Gegenstände durch Punktier- und Schraffurtechniken ansatzweise plastisch wiederzugeben (Abb. ).
Mit der Darstellung einer Lichtquelle in einem dunklen Raum wurde die Kombination verschiedener Schattierungsmöglichkeiten durch Punkt, Linie und Fläche zur Wiedergabe von Helligkeitsstufen geübt.
Darstellung von Atmosphären
In der rezeptiv-reflexiven Analyse von geeigneten Beispielen u. a. Edward Hoppers Night Shadows oder Zeichnungen von Käthe Kollwitz (Abb. s. MATERIAL-Teil) wurde gemeinsam überlegt, wie der gezielte Einsatz folgender gestalterischer Mittel genutzt werden kann, um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen:
  • Betrachterstandpunkt,
  • Perspektive,
  • Ausleuchtung,
  • Einstellungsgrößen.
Zur Verstärkung einer gruseligen oder dramatischen Wirkung erfolgte die Ausführung des narrativen Einzelbildes mit schwarzem Fineliner. Da mit dem Fineliner keine Wischtechniken möglich sind, mussten die erlernten Schraffurtechniken sauber ausgeführt werden, um Plastizität und Texturen darzustellen.
Unterschiedliche Voraussetzungen
Die Aufgabenstellung „Gothic Drawing wurde mit geringer Variation in zwei sehr unterschiedlichen Klassen durchgeführt beide Male mit dem Ziel, allein durch den reflektierten Einsatz gestalterischer Mittel...

Friedrich+ Kunst

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Kunst!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Kunst + Unterricht und Kunst 5-10
  • Umfassendes Archiv mit über 300 didaktischen und fachwissenschaftlichen  Beiträgen, z. B.  Unterrichtsbeispiele, Materialblätter, Bildmaterial,  Aufgaben, Hintergrundinformation,  u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge mit Unterrichtseinheiten zu lehrplanrelevanten Themen

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Kunst

Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 437 / 438

Textfreie Bildgeschichten

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-11