Stefanie Haschler

Gipskleider

Kleidungsstücke in Gips getaucht
Schülerarbeiten (Kl. 11) „Gipskleider“ , aus dem Unterricht von Stefanie Haschler

Stefanie Haschler

Von der Alltagskleidung zum Objekt

Schülerinnen und Schüler tränken ein Kleidungsstück in Gips: Es entsteht ein skulpturales Objekt mit hohem Identifikationswert. Auf diese Weise können die Lernenden das Prinzip der Transformation handelnd erfahren.

Kleidungsstücke sind ebenso wie der Körperhabitus individuelle Ausdrucksträger insbesondere für Jugendliche, die mit spezifischen Modestilen Rollenattribute und Identifikationsmuster verbinden. Wird ein Kleidungsstück in einer bestimmten Haltung mit flüssigem Gips „eingefroren, entsteht plötzlich ein gestaltetes Objekt, das durch die verfremdete Oberflächenstruktur und die geformte Bewegung körperhaft-skulpturale Anmutung erhält. Durch die transformierte Materialität und die gewählte Formgebung wird das Kleidungsstück nicht nur seines ursprünglichen Gebrauchs enthoben, sondern es wird auch zu einem Artefakt, das noch immer die persönlichen Erinnerungen und Identifikationsaspekte der Schülerin bzw. des Schülers beinhaltet. Damit entsteht ein autonomes Werk, das mit einem hohen Identifikationswert und mit starkem Ausdrucksgehalt für die Lernenden ausgestattet ist. Der implizite Ausdrucksgehalt im bewusst komponierten „Gegenüber kann mit einer gewissen Distanz reflektiert werden.
Unterrichtsverlauf
Als Einstieg in das hier vorgestellte Unterrichtsprojekt mit einer 11. Klasse dient die Auseinandersetzung mit Kleidungsstücken als Gegenständen, die uns im alltäglichen Gebrauch selbstverständlich sind. Kleidungsstücke müssen umhüllen, wärmen, schützen und sollten weich, anschmiegsam, atmungsaktiv und geruchsneutral sein. Sie können auch als Werbeträger oder Ausdruck von modischen oder ideologischen Bekenntnissen dienen.
Um das Prinzip der Transformation als künstlerisches Gestaltungsmittel handelnd erfahrbar zu machen, erhält die Lerngruppe zunächst den Auftrag, ein Kleidungsstück mitzubringen, das zwar eine gewisse Bedeutung für den Besitzer/die Besitzerin hat, das aber nicht mehr getragen wird im Kunstunterricht also zweckentfremdet werden darf.
Praktische Arbeit
In einem nächsten Schritt werden die mitgebrachten Hemden, Jeans, T-Shirts und andere persönlich bedeutsame Kleidungsstücke mit Gipswasser getränkt und drapiert. So soll ein „Gipskleid entstehen, das den Wesensmerkmalen eines Kleidungsstücks zwar verhaftet bleibt, zugleich aber ein räumlich-körperhaftes Objekt mit formalen Qualitäten und inhaltlichem Ausdruck darstellt. Denn mit dem Material Gips kann anschaulich vermittelt werden, wie der textile Stoff von weicher Formbarkeit innerhalb von Minuten in objekthafte Körperlichkeit übergeht. Darüber hinaus erlaubt das Materialverhalten, Gegenstände oder irritierende Formen in die Kleidungsstücke einzuarbeiten und gezielt als Gestaltungsmittel einzusetzen.
Sobald alle Materialien und Arbeitsmittel bereitstehen, wird die Gipsmasse angesetzt, die Kleidungsstücke werden darin getränkt und danach auf den Werktischen arrangiert. Die Arbeitszeit beträgt ca. 20 Minuten, dann beginnt der Aushärtungsprozess.
Praktische Hinweise
Praktische Hinweise
  • Arbeiten mit Gips bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld sehr genau über das Procedere instruiert werden müssen, da die Zeit bis zum Abbinden knapp bemessen ist.
  • Für jede Person sollte ausreichend Arbeitsfläche vorhanden sein, evtl. muss mit kleineren Gegenständen wie Handschuhen, Puppenkleidern o. Ä. gearbeitet werden.
  • In der Praxis hat es sich bewährt, alle Werktische zu einer großen Tafel zusammenzuschieben, die dann mit einer handelsüblichen Malerfolie abgedeckt wird.
  • Drahtkleiderbügel helfen im Arbeitsprozess und dienen zum Schluss als Auf-hänger.
  • Der Gips wird im Verhältnis 6 : 7 (6 Teile Gips/7 Teile Wasser) angesetzt und kann bei Bedarf weiter verdünnt werden.
  • Für 25 Schülerinnen und Schüler benötigt man jeweils eine Mischung in fünf bis sechs Plastikeimern. Aus diesen lassen sich die ausgehärteten Gipsreste nach Beendigung der Arbeit relativ...

Friedrich+ Kunst

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 421 / 422

Arbeiten mit Gips

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13