Stefan Mayer

Geheimnisvolle Spuren im Schnee

Gipsguss von erfundenen Tierspuren
Schülerarbeit (Kl. 5): Die Tonformen werden mit Gips ausgegossen, aus dem Unterricht von Stefan Mayer

Stefan Mayer

Mit Gipsmodellen Fußstapfen auf dem Pausenhof „fälschen

Mit dem Ziel, Spuren zu fälschen, werden in einer Schülergruppe Vorstellungsprozesse initiiert, die zum Modellieren von Pfotenabdrücke führen. Aus diesen Negativformen werden Gipsstempel gewonnen, mit denen Fährten in den frischen Schnee gelegt werden Impulse für Geschichten!

Wer hat Spuren im Schnee gesehen? So lautet die Frage an eine fünfte Klasse, nachdem es am Abend vorher geschneit hatte.
Die Schülerinnen und Schüler berichten von ihren Beobachtungen und spekulieren, welche Tiere wohl unter den nächtlichen Besuchern gewesen sein könnten. Katzen, Rehe und Hasen werden vermutet. Hinzu kommen Hundespuren und Abdrücke von Krähenkrallen.
Versenkte Reliefs als Indizes
Spuren im Schnee sind technisch gesehen versenkte Reliefs, wie man sie zum Beispiel in der altägyptischen Kunst finden kann.
Als Zeichen fallen sie in die Kategorie der Indizes, die im Gegensatz zu Symbolen oder Ikonen einen direkten Bezug zu ihrem Ursprung haben.
Menschen- und Tierspuren entstehen durch den physischen Akt des Schreitens und weisen so auf ihren Erzeuger hin. Dies macht die Beschäftigung damit in der Unterstufe in zweierlei Hinsicht interessant:
  • Plastische Formprozesse können durch das Erarbeiten von erhabenen und versenkten Reliefs direkt erfahrbar gemacht werden.
  • Mit ihrem indexalischem Charakter kann die Fantasie und Imagiation angesprochen werden: Welches Wesen steckt hinter den Spuren?
Nächtliche Besucher
Die Lernenden beenden zunächst ihr aktuelles Thema und bekommen die Hausaufgabe, Tierspuren zu recherchieren und Bildbeispiele mitzubringen.
Die nächste Stunde beginnt damit, die mitgebrachten Ausdrucke und Zeichnungen von Tierspuren zu vergleichen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden beobachtet:
  • Wie läuft ein Tier?
  • Hat es Hufe oder Pfoten?
  • Wie bewegt sich ein Vogel auf dem Boden?
  • In welchem Abstand und in welcher Reihenfolge berühren Tiere den Boden?
  • Wie groß waren sie wohl?
  • Wie schnell sind sie gelaufen?
Die Fragen nach der Aussagekraft der Tierspuren beflügelt die Vorstellungskraft der Kinder. Ob sich die Tiere in der Nacht auch getroffen haben oder ob sie zu verschiedenen Zeiten auf der Wiese vor dem Haus vorbeiliefen, beschäftigt einen Schüler. Was wäre wenn?
Spuren lesen
Die Schülerinnen und Schüler vermuten, dass die Größe der Tiere und ihr Gewicht nicht nur die Dimension der Spuren, sondern auch ihre Tiefe beeinflussen. Spuren sind Abdrücke von Tierextremitäten negative Formen, die über besondere Eigenschaften verfügen.
Auf welche Art und Weise verdrängen Tierpfoten den Schnee? Sind es weiche, rundliche Formen oder bestimmen harte Kanten die Spur? Besteht der Abdruck aus mehreren Einzelformen oder sind verschieden tiefe Eindrücke miteinander verbunden? Kann man noch weitere Eigenschaften der Oberfläche erkennen?
Bei genauerem Überlegen wird manchem Schüler klar, dass er sich Tierspuren im Schnee noch nie genau angesehen hat. Mit dem Wissen um die verschiedenen Formeigenschaften wird die Klasse auf das Schulgelände geschickt, um nach Tierspuren zu suchen und sich diese nochmal ganz genau anzuschauen. Vor allem soll die Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden, ob die Abdrücke überall gleich tief sind und ob sie mehr runde Formen oder eckige besitzen. Zwischen den vielen Schuhabdrücken finden sich einige wenige rundliche, die auf nächtlichen Katzenbesuch schließen lassen.
Spurenerzeuger
Anschließend an die Beobachtungssequenz und das dann folgende Gespräch, zeigt der Lehrer versteinerte Dinosaurierspuren. Wie haben die Tiere ausgesehen? Über solche Fragen wird versucht, die Verbindung von konkreten Spuren mit unbekannten Verursachern herzustellen. Die Versteinerungen könnten nach ihrer Größe und Form zu unheimlichen Echsen gehören.
Spuren sind eine besondere Form von Abbildern. Sie sind direkte Hinweise auf ihre Verursacher sie sind authentisch. Mit dieser Glaubwürdigkeit zu spielen und Spuren...

Friedrich+ Kunst

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 421 / 422

Arbeiten mit Gips

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 3-7