Alexander Schneider

Bildgeschichten begreifen!

Schülerarbeiten (Primarstufe):  Cut-Out-Methode: Ergänzung eines fehlenden Panels in einer Bildgeschichte
Schülerarbeiten (Primarstufe): Cut-Out-Methode: Ergänzung eines fehlenden Panels in einer Bildgeschichte, aus dem Unterricht von Alexander Schneider

Alexander Schneider

Cutouts zur Erschließung von textfreien Bildgeschichten

In diesem Beitrag wird eine Methode zur praktisch-rezeptiven Annäherung an textfreie Bildgeschichten vorgestellt: die Cutout-Methode.

Räumt man Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit ein, gestalterisch mit Bildern umzugehen, statt sich diesen lediglich verbal anzunähern, wird es für sie einfacher, etwas über deren Herstellungsprozess, Formbestand, Bedeutungsgehalt und Rezeptionsanforderungen zu erfahren (vgl. Buchschartner 1998, S. 88 ff.). Dabei stellt sich jedoch je nach Bild die Frage, wie eine solche Erfahrung angeleitet werden kann, damit die Lernenden im wahrsten Sinne des Wortes das Bild begreifen können.
„Blut im Rinnstein wie Bilder erzählen
Zunächst muss die Frage geklärt werden, wie Bilder Geschichten erzählen können. Innerhalb dieses Beitrags wird die Bildgeschichte als ein Comic spezifiziert, der sich auf mindestens drei Bildfelder (Panels) verteilt. Diese werden durch einen Zwischenraum voneinander getrennt. Eine solche Trennung nennt Scott McCloud auch „Rinnstein. Dieser „Rinnstein bilde die Adern, durch die das Blut fließe, das den zeitlichen Fluss und die Kohärenz einer Geschichte quasi organisch zusammenhalte (vgl. McCloud 2001, S. 81).
Doch damit dieser zeitliche Fluss überhaupt in Gang kommt, muss jedes Panel über inhaltlich-kausale und formale Aspekte verfügen, die einen „Augenweg (Grünewald 1996, S. 94) vorzeichnen. Wohin die Rezipierenden blicken und was sie sehen, wird bestimmt von:
  • der für das jeweilige Panel gewählte Einstellungsgröße oder
  • den mimischen und gestischen Bewegungen der dargestellten Figuren.
Das bedeutet, dass die Rezipierenden von den Bildern zur aufmerksamen Betrachtung aufgefordert werden. Sie müssen präzise beobachten, was im Verlauf der Bildfolge gleich bleibt und was sich wie verändert. Dieses „vergleichende Sehen (Grünewald 1996, S. 106) kommt mit der rezeptionsästhetischen Einsicht überein, dass die Betrachterinnen und Betrachter das Bild bzw. die Bildgeschichte aktiv mitproduzieren. Sie müssen die Bilder in ihrer Vorstellung miteinander verknüpfen, indem sie rezeptionsästhetisch gesprochen die „Leerstellen auflösen; erst dann erhält die Bildgeschichte ihren Sinn.
Narrative Gelenkstellen
Wie man das „vergleichende Sehen praktisch anleiten kann, wird in diesem Unterrichtsbeispiel anhand einer Geschichte von Erich Ohser (e.o. plauen) gezeigt (Abb. 1 ). Aufgrund der überschaubaren Anzahl an Bildfeldern ist hier eine anschauliche Grundform dafür gegeben, die formale und zeitliche Struktur der Bildgeschichte quasi grammatikalisch zu erfassen.
Die drei Panels umfassende Geschichte lässt sich in einen zeitlichen Dreischritt gliedern: Vorher Jetzt Nachher (vgl. hierzu auch Schmid 2012). Indem man das mittlere Bildfeld ausschneidet also ein Cutout vornimmt (s. Kasten) bleiben nur noch das Vorher und das Nachher übrig.
Voraussetzung zum Einsatz der Cutout-Methode
Voraussetzung zum Einsatz der Cutout-Methode
Die Cutout-Methode lässt sich nur dann sinnvoll anwenden, wenn eine Geschichte bzw. Bildkonstellation vorliegt, in der über drei Bildfelder hinweg die Kulisse und Hauptfiguren bestehen bleiben.
Ist dies nicht der Fall, besteht die Gefahr, dass der inhaltliche Bruch und die spätere Differenz beim Abgleichen der Schülerergebnisse mit dem Original zu groß werden.
Je größer die Differenz zwischen Schülervorstellung und Originalwerk ist, desto geringer ist die Aufmerksamkeitsspanne für die weitere Anschlusskommunikation und das weitere praktische Anschlusshandeln.
Die Schülerinnen und Schüler sind nun dazu angehalten, eine Ursache – Wirkungs-Analyse vorzunehmen und mit detektivischem Gespür Figur(en) und Raum abzugleichen und zu imaginieren, was sich in der Mitte ereignen könnte.
Das Ergebnis dieser Analyse setzen sie dann zeichnerisch in das leer gewordene Bildfeld.
Vorgegebene Raumkulisse
In der Geschichte von...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 437 / 438

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