Werner Bloß

Bildanalysen am Tablet

Bildanalyse am Tablet: Invertierung, Tontrennung, Zusammenfassung nahe verwandter Farben
Bildanalyse am Tablet: Invertierung, Tontrennung, Zusammenfassung nahe verwandter Farben, aus dem Unterricht von Werner Bloß

Werner Bloß

Überlegungen und praktische Anwendungen

Im Folgenden werden digital gestützte Bildanalyseverfahren vorgestellt, die sich vornehmlich für die Oberstufe eignen, z.T. aber auch in der SekundarstufeI anwenden lassen. Im Kunstunterricht genutzte Verfahren, wie die Erkundung per Handzeichnung auf Papier oder die ikonologische Analyse, sollen keinesfalls verdrängt, sondern durch digitale Verfahren behutsam und zweckmäßig ergänzt werden.

Für die Analyse eines Kunstwerks bieten Abbildungen auf dem Bildschirm eines Tablets einige Vorteile:
  • Die Abbildungen sind zwar relativ klein, aber qualitativ meist hervorragend im analogen Bereich vergleichbar mit einem Leuchttisch. Bei genügend großer Auflösung der Bilddatei gelingt eine Näherung an die Details durch die bekannte Vergrößerungsgeste: zwei auf dem Touchscreen auseinander gezogene Fingerspitzen.
  • Die verwendete Maltechnik, z.B. ein lasierender oder pastoser Auftrag, kann bei guter Auflösung oft besser untersucht werden als bei einer gedruckten Abbildung.
  • Bilder können am Tablet leicht beschriftet werden, z.B. mit Apps zum Herstellen von Comic-Layouts. Sprechblasen lassen sich dann als Hinweisschilder mit einem oder mehreren Zeigern (Abb. 2) verwenden. Im Vergleich zur analogen Collage mit Schere und Klebstoff geht diese Arbeit schneller und wäre auch in Prüfungssituationen einsatzfähig.
  • Weitere Zugänge zu technischen Finessen verschaffen etablierte Programme wie Photoshop und deren tablet-taugliche Derivate, die inzwischen schon vieles leisten, was bis vor Kurzem nur am Desktop-Rechner möglich war.
  • Tablets sind für die meisten Jugendlichen intuitiv zu nutzen und im Klassenraum flexibler einsetzbar als der Desktop-Computer.
  • Eine der einfachsten Funktionen ist z.B. die unbestechliche Messung von Farbtemperaturen im Bild.
  • Mit (Auto-)Farbtonfunktionen kann man gelbstichige Ölfirnisse virtuell mit Leichtigkeit von der Bilddatei entfernen.
  • Es gibt Apps, die Gesichter erkennen können und ihnen mit großer Sicherheit sogar Lebensalter zuweisen.
Tablet-gestützte Bildanalysen im Kunstunterricht
Mit dem Blick auf das aktuell Mögliche und Sinnvolle sollen die folgenden Beispiele zeigen, wie der Einsatz von Tablets das Analysieren unterstützen, verändern und erweitern kann.
Diese analytische Arbeit wurde von Schülerinnen und Schülern in vielgestaltiger Weise geleistet, angeregt und zum Teil auch selbst entwickelt. Die unterschiedlichen Möglichkeiten werden anhand eines einzigen Bildes gezeigt, nämlich an Johan Christian Clausen Dahls Gemälde Frederiksholms Kanal in Kopenhagen mit dem Brauhaus Christians IV. (Abb. 1).
Erkennen von Farbunterschieden
Die farbliche Invertierung kann das Erkennen qualitativer Farbunterschiede auch für Menschen mit eingeschränkter Farbsensibilität erleichtern. Reine, leuchtkräftige Farben erzeugen auch in der Inversion deutliche Kontraste. Wer diese erst in der Umkehrung erkennt, kann auf jene in der Originalfarbgebung Rückschlüsse ziehen (Abb. 3).
Optische Farbmischungen bemerken
Eine starke Detailvergrößerung kann dabei helfen, optische Farbmischungen sichtbar zu machen, die in der originalen Bildgröße nur schwer zu sehen sind: Da verstecken sich im satten Ockerton eines trüben Himmels blaue Sprengsel, die dafür sorgen, dass ein Bild die Illusion farbräumlicher Tiefe erzeugt, obwohl auf den ersten Blick nur warme Farben mit Nahwirkung erkennbar sind.
Farbkomposition wahrnehmen
Apps sind in der Lage, Felder im Bild mit gleicher oder ähnlicher Farbgebung und Helligkeit aufzudecken. Im Hinblick auf psychologisch bedingte Farberwartungen (z.B. bei Farbperspektiven) kann das digitale Werkzeug dabei helfen, farbkompositorische Bezüge offen zu legen, die ohne diese Hilfe und mit ungeübtem Auge schwerer erkennbar sind (Abb. 3).
Abbildungsqualitäten wiederherstellen
Tablet-Apps können unterbelichtete Zonen lesbar machen. Bei chemisch und historisch bedingt abnehmenden Abbildungsqualitäten...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 415 / 416

Mit Smartphones und Tablets

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13