Nicola Hahn

Banalitäten und Monumentalitäten

Papierstreifen werden durch Löcher gezogen
Schülerarbeit (Kl. 10): Papierbindungsmöglichkeit - Stecktechnik, Nicola Hahn

Nicola Hahn

Papierobjekte und deren fotografische Inszenierung

In diesem Beitrag wird ein Unterrichtsprojekt vorgestellt, bei dem sich alles um weißes Papier als Werkstoff dreht. Zwei Aufgabenstellungen werden verbunden: die Fertigung von Papierobjekten in einem experimentellen Arbeitsprozess und die fotografische Inszenierung der entstandenen Objekte.

Papier hat seit seiner Erfindung vor über 2000 Jahren eine lange Tradition als Bildträger.
Als künstlerischer Werkstoff taucht Papier allerdings erst im 20. Jahrhundert auf etwa in den kubistischen Collagen von Georges Braque und Pablo Picasso, den Scherenschnitten von Henri Matisse, den Papierreliefs von Eduardo Chillida und Günther Uecker, den Pappmaschee-Objekten von Claes Oldenburg, den Papierabformungen von Andreas von Weizsäcker oder den Papierwelten von Thomas Demand (Abb. s. MATERIAL).
Sein und Schein: Papiermontage und Fotografie bei Thomas Demand
Die Grundlage für das Unterrichtsprojekt bildet die bildnerische Technik des zeitgenössischen Künstlers Thomas Demand (*1964). Dieser nutzt farbiges Papier als Ausgangsmaterial für originalgroße Nachbauten von Orten, die meist Schauplätze bekannter Pressebilder sind. Die farbigen Papiermodelle werden von ihm fotografiert und anschließend vernichtet.
Künstlerische Endprodukte sind somit großformatige Fotografien. Demands Auseinandersetzung mit dem Aspekt der medialen Konstruktion von Realität, mit Bildern des kollektiven Gedächtnisses und der Frage nach Sein und Schein basiert auf einem doppelten Reproduktionsvorgang: dreidimensionale Papierreproduktion gekoppelt mit fotografischer Reproduktion.
In Anlehnung an diese zweiteilige Arbeitsweise gliedert sich das Unterrichtsprojekt in zwei sich aufeinander beziehende Aufgabenteile und zielt auf die Nutzung zweier Medien: Papiermontage und Fotografie.
Projekteinführung
Anhand ausgewählter Arbeiten von Thomas Demand, waren die Schülerinnen und Schüler angehalten, die befremdlich kühle, sterile Wirkung der Fotografien zu ergründen. Ihre Vermutungen bezogen sich dabei v. a. auf drei Aspekte: auf eine spezielle Beleuchtung als Ursache für die fehlenden Lichtreflexe und stumpfe Oberflächenwirkung, auf das „eigenartig Leere, Aufgeräumte und Saubere, sowie das „Ausschnitthafte.
Die Information über das allem zugrundeliegende Material sorgte für großes Erstaunen und das Interesse an einem derartigen bildnerischen Umgang mit Papier war geweckt.
„Banalitäten“ /Papierobjekte
Die Aufgabenstellung für den ersten Teil des Unterrichtsprojekts lautete folgendermaßen:
  • Unter Berücksichtigung von Proportionen, Formdetails und Oberflächentextur soll ein originalgroßer Papiernachbau eines Alltagsgegenstandes gefertigt werden, wobei der Nachbau weder funktionsfähig noch belastbar sein muss.
  • Entsprechend der Grenzen, die das Material Papier vorgibt, kann die Gegenstandsform minimal verändert bzw. vereinfacht werden, solange der Gegenstand sein typisches Aussehen behält.
  • Als Werkstoffe stehen ausschließlich weißes Papier unterschiedlichen Formats und unterschiedlicher Stärke sowie Flüssigkleber zur Verfügung.
  • Für die Bearbeitung können neben Scheren, Cutter-Messern, Linealen und Geodreiecken Hilfsmittel aller Art genutzt werden.
  • Eine farbige Oberflächengestaltung ist nicht vorgesehen.
  • Je nach Umfang bzw. Komplexität des anzufertigenden Objekts kann dieses in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit realisiert werden.
  • Der einzuplanende Bearbeitungszeitraum beträgt etwa fünf Doppelstunden.
Diese Aufgabe impliziert verschiedene Lernziele.
Lernziel: Kreativitätsschulung
Der Schwerpunkt dieser Aufgabenstellung liegt in einem experimentellen Umgang mit Papier, im Austesten von Grenzen des Materials und im Finden geeigneter Konstruktionstechniken.
Das Gestaltungsziel ist mit der Gegenstandsauswahl zwar von Beginn an konkret definiert, doch ist der Weg dorthin offen, weil er vielfältige Ansatzmöglichkeiten in sich birgt und es wenig etablierte...
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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 419 / 420

Papier Konstruktiv

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "Kunst und Unterricht" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13