Julia Rheingans I Carolin Wiese

Akteur im eigenen Werk werden

Bilderkundung an der Schattenwand - mit Sprache, Geräuschen und Bewegung
Bilderkundung an der Schattenwand - mit Sprache, Geräuschen und Bewegung, aus dem Unterricht von Julia Rheingans, Carolin Wiese

Julia Rheingans I Carolin Wiese

Filmische Bilderkundungen mit einer App

Das Unterrichtsbeispiel stellt einen Ansatz der Bilderkundung und Bildpräsentation an der Schnittstelle von analogem und digitalem Arbeiten vor. Mittels der iOS-App Puppet Pals HD Directors Pass erkunden Primarstufenschülerinnen und -schüler als filmische Figuren ihre eigenen analog mit Naturmaterialien gestalteten bildnerischen Arbeiten. In Kleingruppen erstellen sie auf Tablets hierzu kurze Filmsequenzen.

Im Kontext der von Petra Kathke an der Universität Bielefeld initiierten „Kinderkunstwerkstatt treffen Studierende des Studiengangs Kunst- und Musikpädagogik auf etwa 15 Schülerinnen und Schüler in Alter von ca. 8 bis 10 Jahren der benachbarten Grundschule (s. Kasten).
Kinderkunstwerkstatt
Kinderkunstwerkstatt
Innerhalb des betreuten Ganztagsangebots besuchen Grundschulkinder wöchentlich für eine Stunde die Kinderkunstwerkstatt. In jedem Semester gibt es einen anderen thematischen Rahmen, z.B. in diesem Fall „Entdecken, Erforschen und Erkunden.
Die Kinderkunstwerkstatt verfolgt das Ziel, die Schülerinnen und Schüler durch die Räumlichkeiten, vorhandenen Materialien und Impulse für selbstständiges bildnerisches Arbeiten zu begeistern und produktive, reflexive und rezeptive Phasen aufeinander zu beziehen.
Die Angebote werden von Studierenden gemeinsam geplant, durchgeführt und evaluiert.
Zeichnerische und fotografische Erkundungen
Dem Unterricht gingen einige Sitzungen voraus, in denen die Kinder als „Uni-Forscher geheimnisvolle Orte an der Universität Bielefeld aufspürten und erkundeten. Die Fundorte wurden zeichnerisch dokumentiert und vorgefundene rätselhafte Spuren durch Makroaufnahmen fotografisch festgehalten sowie u.a. malerisch weiterbearbeitet (Abb. 1a u. b).
Großformatige Projektionen
In der anschließenden Sitzung begrüßen zwei Studentinnen die Kinder, die auf Sitzkissen vor einer lichtdurchlässigen Projektionsfläche sitzen. Ohne auf die einzelnen Arbeiten einzugehen, projizieren die Studentinnen von der Rückseite mit einem Beamer die abfotografierten Bilder der Kinder als Diashow und knüpfen damit wortlos an die letzte Sitzung an.
Die Kinder sehen ihre analogen Arbeiten erstmals als digitale Bilder großformatig projiziert. Im verdunkelten Werkstattraum regen Linien, Farben und Strukturen der vergrößerten Arbeiten besonders zum detaillierteren Betrachten an.
Nachdem alle Arbeiten gezeigt wurden, zoomen die Studentinnen in das letzte Bild hinein. Eine Studentin erzählt, dass sie in der letzten Nacht einen Traum gehabt habe, in dem sie durch das projizierte Bild gelaufen sei. Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin schlüpft sie auf die Rückseite der Projektionsfläche. Für die Kinder werden die beiden Studentinnen als Schattenfiguren sichtbar, die gemeinsam das Bild erkunden und sich gegenseitig auf Besonderheiten in dem Bild hinweisen (Abb. 2).
Ideenentwicklung in Kleingruppen
Den Kindern, die das Schattenspiel der beiden Studentinnen gebannt verfolgten, wird in Aussicht gestellt, ebenfalls als Figuren in ihre Bilder „einzutauchen.
In von den Studentinnen im Vorfeld festgelegten 3er- bzw. 4er-Gruppen verteilen sich die Kinder mit ihren bildnerischen Arbeiten und einem Tablet-Computer auf verschiedene Räume. Für die dann folgende Arbeit mit der App Puppet Pals (s. Kasten)
Die App Puppet Pals HD Directors Pass
Die App Puppet Pals HD Directors Pass
Puppet Pals ist eine niedrigschwellige, sich weitgehend selbst erklärende App, die im Unterricht ohne filmische Vorbildung der Schülerinnen und Schüler eingesetzt werden kann.
Für den Kunstunterricht ist ausschließlich die kostenpflichtige Version der App von Interesse (ca. 5 Euro pro Gerät), da nur hier eigene Bildhintergründe und Charaktere in die App geladen und eingesetzt werden können.
Die App gibt es zwar nur in einer englischen Version, doch die Kinder haben das Prinzip der App unmittelbar verstanden und sind weitgehend...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 415 / 416

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Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 1-5