Kerstin Hallmann

Ästhetische Klangforschung

Arbeiten von Studierenden (Angélique Gallenbeck, Svenja Großmann, Daniela Herzog): Elbebeats, 2018
Arbeiten von Studierenden (Angélique Gallenbeck, Svenja Großmann, Daniela Herzog): Elbebeats, 2018, aus dem Unterricht von Kerstin Hallmann

Kerstin Hallmann

Auseinandersetzung mit Phänomenen der Lebenswelt

Im Zentrum des hier dargestellten kunstpädagogischen Unterrichtskonzepts steht die Nutzung ästhetischer Strategien zur Auseinandersetzung mit Phänomenen der Lebenswelt. Wie sich dies in der konkreten Lehrpraxis von Hochschule und Schule umsetzen lässt, verdeutlichen Beispiele.

Jeder Schulhof, jede Stadt, jeder Ort birgt Besonderheiten, charakteristische Eigenschaften, markante Strukturen o.Ä., die erst durch gezielte Aufmerksamkeit in ihrer ästhetischen Qualität erkennbar werden.
Mittels ästhetisch-künstlerischer Forschung lassen sich Orte erkunden und ästhetisch-forschende Zugänge zur Lebenswelt eröffnen. Diese werden in weiteren Arbeits- und Handlungsschritten im Unterricht praktisch aufgearbeitet und führen zu eigenständigen ortsspezifischen Gestaltungsergebnissen.
Künstlerische Feldforschung
Ausgehend von künstlerischen Arbeitsweisen der Spurensicherung oder Feldforschung (u.a. Lili Fischer, Nikolaus Lang, Christian Boltanski, Sophie Calle) und deren konzeptueller und intermedialer Aufarbeitung sowie der fachdidaktischen Position zur „Ästhetischen Forschung von Helga Kämpf-Jansen (vgl. Kämpf-Jansen 2001) entwickelte Andreas Brenne einen kunstpädagogischen Ansatz zur „Künstlerischen Feldforschung (vgl. Brenne 2004; 2008). Das Konzept bietet eine didaktische Vorgehensweise, die sich auf die Realisierung von Sound-Art-Projekten in Schule und Hochschule übertragen lässt.
Zusammengefasst gliedert sich ein kunstpädagogischer Unterrichtsprozess im Sinne der „Künstlerischen Feldforschung in drei aufeinander aufbauende Handlungsebenen:
  • Die Feldbegehung zur Initiierung ästhetischer Aufmerksamkeiten und Erfahrungen und zur Ästhetischen Dokumentation und Materialgewinnung.
  • Die Aufarbeitung des im Feld gewonnenen Materials zur Bewusstwerdung und Reflexion des ästhetisch Erlebten.
  • Die Präsentation der ästhetisch-künstlerischen Feldforschungsergebnisse zum kommunikativen Austausch und zur gemeinsamen Reflexion im Klassenverband (vgl. Brenne 2008).
Die drei Handlungsebenen bilden einen verbindlichen Arbeitsrahmen und strukturieren den Unterricht. Dieser ist jedoch nicht ergebnisorientiert im Sinne eines feststehenden künstlerischen Endproduktes, sondern wird erst durch die jeweiligen ästhetischen Feldforschungsaktivitäten der Beteiligten entwickelt.
Feldbegehung
Ziel der ersten Arbeitsphase ist die umfangreiche ästhetische Dokumentation und Materialgewinnung des erkundeten Feldes. Hierzu eignen sich vielfältige künstlerische Aufzeichnungsformen wie Fotografie, Zeichnung (Skizzieren bis Materialfrottagen), Film, Sammeln von Gegenständen o.Ä.
In Bezug auf die Thematisierung von Sound im Kunstunterricht kann hierbei ein Schwerpunkt auf akustische Phänomene und deren Dokumentation gelenkt werden: akustische Aufnahmen im Feld per Handy oder mit speziellen Aufnahmegeräten. Die Wahl des jeweiligen Dokumentationsmaterials beeinflusst dabei die Wahrnehmung und lenkt wiederum die ästhetische Aufmerksamkeit.
Weckt bei der Feldbegehung ein Phänomen das Interesse, so sollte dies vertiefend dokumentiert, Ähnliches erkundet bzw. weiterverfolgt werden, damit sich diese Begehung von einer „frei flottierenden Aufmerksamkeit hin zur gezielten Beobachtung und Erkundung verdichtet.
Aufarbeitung des Materials
In der zweiten Phase wird das gewonnene Material ästhetisch-künstlerisch aufgearbeitet.
Da die „Künstlerische Feldforschung auf unmittelbarer eigener ästhetischer Erfahrung beruht, geht es in der Aufarbeitung um die Konstruktion einer erweiterten Vorstellung von Wirklichkeit und die Auswertung erkundender Verfahren der Welt- und Selbstaneignung im Ästhetischen.
Die Sichtung des erhobenen Materials und deren weitere Bearbeitung sollten von der Lehrperson beratend begleitet oder im Klassenverband gemeinsam diskutiert werden:
  • Lassen sich einzelne Dokumentationsmaterialien zu einer neuen Einheit zusammenfassen?
  • Welche...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 429 / 430

Sound im Kunstunterricht inkl. IM FOKUS: Gender

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 4-13