Frank Schulz | Lars Zumbansen

Vergangenheit und Gegenwart verbinden

Frank Schulz | Lars Zumbansen

Mythen und Legenden als Gegenstand des Kunstunterrichts

Das Thema „Legenden liefert unterschiedlichste auch sehr aktuelle Bezugspunkte für die inhaltliche und formale Gestaltung kunstunterrichtlicher Praxis. Die Einheit produktiver, rezeptiver und reflexiver Aktivitäten der Schülerinnen und Schüler ist besonders bedeutsam, wenn es um die vergleichende Auseinandersetzung mit historischer Kunst geht.

Zunächst wird in diesem Beitrag dargelegt, was es mit dem Legendenbegriff auf sich hat, worin die Eigenart von Legenden und die Möglichkeiten ihrer bildnerischen Darstellung bestehen.
Legenden als Unterrichtsgegenstand
Warum ist es wichtig, dass wir uns mit Mythen und Legenden beschäftigen? Eine Antwort, die der Literaturwissenschaftler Arthur Cotterell formuliert, lautet: „Weil wir es uns einfach nicht leisten können, die seltene Gelegenheit ungenutzt zu lassen, in die geheimsten Gedanken der Menschheit einzudringen. Denn Mythen und Legenden verkörpern eine universelle menschliche Erfahrung. Sie entstanden zu verschiedenen Zeiten an unterschiedlichen Orten als Erklärung für die Probleme, mit denen sich die Menschen konfrontiert sahen. Zu den wichtigsten Themenkreisen zählen: der Sinn des Lebens, Liebe und Fruchtbarkeit, Tod und das Leben nach dem Tod, das Verhältnis der Menschen zu den Göttern, Magie und Macht, Schicksal, Krieg, Unglücks- und Zufälle, die Schöpfung und die Beschaffenheit des Universums. (Cotterell 1990, S. 5)
Insofern spricht vieles dafür, Legenden zum Unterrichtsgegenstand zu machen, denn die Auseinandersetzung mit Grundfragen des menschlichen Daseins und Verhaltens, mit entsprechenden philosophischen und ethischen Fragen bietet vielfältige Verknüpfungsmöglichkeiten mit der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler und macht zugleich sozial-historische Zusammenhänge deutlich.
Mythen, Legenden und Sagen
Mythen verbinden „als Grundform menschlichen Erschließens von Wirklichkeit bildliche Sinndeutungen mit einer „imaginären Welt von göttlichen und halbgöttlichen Wesen, von historisch niemals existierenden Helden, von phantastischen Geschöpfen und Elementen (Lurker 1991, S. 510).
Legenden bleiben zwar auch oft im fiktionalen Bereich. Aber sie haben in Bezug auf die Personen und Ereignisse, von denen sie erzählen, häufig einen Kern von historischer Wahrheit. Unter Auslassung, Verzerrung oder gar Verfälschung von weniger idealtypischen Aspekten wird dieser Kern umhüllt von Wunschvorstellungen, Überhöhungen und Ausschmückungen, die sich zu einem Ideal verfestigen lassen.
Das Ganze erwächst zu einem Orientierung bietenden Vor-Bild, das zur Nachahmung auffordert. Zugleich gerät es zum Sinn-Bild einer von bestimmten Wertesystemen geprägten Auffassung menschlichen Verhaltens und entsprechender Persönlichkeitsmerkmale. Im besten Falle geht es darum, den außergewöhnlichen Sinn eines Lebens oder Geschehens zu vermitteln und vor allem existenzielle Grundprobleme zu thematisieren und eine Vision von ihrer Lösung anzubieten.
Der Begriff „Legende leitet sich von dem mittelalterlich-lateinischen Ausdruck „legenda ab, was so viel bedeutet wie „das Vorzulesende. Das deutet bereits auf eine enge Beziehung zur literarischen Tradition hin, die bis in die Antike zurückreicht. (Vgl. u.a. Vollmann 2001, S.1109)
Schon seit dem 15. Jahrhundert steht „Legende aber auch für einen unbeglaubigten, weitgehend erfundenen Bericht oder eine unwahrscheinliche Geschichte. Erst allmählich entwickelt sich die Legende „zu einem volkstümlichen, später auch kunstvollen literarischen Erzählgenre in wohl allen bedeutenden Nationalkulturen. Die poetische Form der Legende dient seither der Darstellung moralisch-didaktisch oder menschlich erhebender außerordentlicher Schicksale. Indem sie dabei den Bereich rationaler Erklärbarkeit und Erfahrung übersteigt, weist die Legende auch gemeinsame Züge mit Märchen, Mythos, Parabel und Sage auf (Träger/Leonhardt...
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aus: Kunst und Unterricht Nr. 445 / 446

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