Andreas Schoppe

Unterrichtspraxis

Beispiel für eine Fußbodentabelle
Beispiel für eine Fußbodentabelle, aus dem Unterricht von Fritz Seydel

Andreas Schoppe

Effektive Methoden für Beratung und Feedback

Die folgenden Ausführungen geben Impulse, wie man Rückmelde- und Beratungsprozsse effektiv gestalten kann. Das gelingt über nondirektive, zum Nachdenken anregende Rückmeldungen bzw. über ein breites, Motivation wie Herausforderungen auslösendes Spektrum von Beratungs- bzw. Feedbackmethoden.

„Bin ich mit meinem Bild fertig? Oder kann ich noch etwas daran machen? Wie oft hört man derartige Fragen bei Prozessen gestalterischen Arbeitens und wie oft ist man hin- und hergerissen bezüglich der Konkretheit des Antwortens. Sicher wird man sich häufig auf ganz handfeste Rückmeldungen einlassen, etwa: „Ich gebe dir den Rat, bei der Gestaltung des Hintergrundes die Blautöne in ihrer Helligkeit noch mehr abzustufen. Lernende sind mit einer solch konkreten Antwort in der Regel sehr zufrieden, da ihre Frage doch häufig impliziert, eine gestalterische Lösung zu finden, die ganz im Sine des Unterrichtenden ist. Von einer effektiven Beratung kann in diesem Fall jedoch nicht die Rede sein.
Kooperativer Gesprächsprozess
Angelehnt an das Konzept einer nondirektiven Beratung (vgl. Rogers 1985) kommt es primär darauf an, die eigene Fähigkeit zur Lösung von Problemen bei den Lernenden zu fördern. Dass es bei Rückmeldungen durch den Unterrichtenden nicht um die Vorgabe einer Richtung zur Weiterarbeit gehen sollte, sondern vielmehr um einen kooperativen, Ideen wie Ressourcen auf Schülerseite freisetzenden Gesprächsprozess, macht auch die folgende Definition deutlich: „Beratung ist eine freiwillige kurzfristige, soziale Interaktion zwischen mindestens zwei Personen. Das Ziel der Beratung besteht darin, in einem gemeinsam verantworteten Beratungsprozess die Entscheidungs- und damit Handlungssicherheit zur Bewältigung eines aktuellen Problems zu erhöhen. (Schwarzer/Posse 2005, S. 139)
Demzufolge sind Ratschläge, die eine konkrete Problemlösung vorgeben, eine Fehlstrategie von Beratung. Möchte man ein gestalterisches Arbeiten fördern, das mutig und fehlertolerant eigene Wege beschreitet, so sind in der Beratungstätigkeit Grundcharakteristika wie Empathievermögen, Interessenbekundung, Aktives Zuhören und Bewertungsfreiheit vonnöten.
Impulse und Fragen
Es empfiehlt sich, häufig mit Impulsen und vor allem mit Fragen zu arbeiten. Letztere sollten eine persönliche Ansprache aufweisen („Was möchtest du darstellen? anstatt „Was soll das darstellen?) und unter Umständen auch durch vertieftes Nachfragen zum Weiter- und Querdenken anregen („Welche anderen Wege des Farbauftrags könnten beschritten werden?, „Durch welche Farbgebung würde ein fünfjähriges Kind das Hauptmotiv hervorheben?).
Symmetrisches Gesprächsverhältnis
Damit verbunden sollte während der Beratung auf ein gelungenes Setting im Sinne eines symmetrischen Gesprächsverhältnisses geachtet werden. Ratsuchende Schülerinnen und Schüler sind gleichwertige Subjekte, es wird mit ihnen und nicht an ihnen gearbeitet.
Konkret bedeutet das: Man muss sich hinreichend Zeit für einzelne Beratungsprozesse nehmen und führt diese nicht „von oben bzw. von der Seite herab, sondern auf Augenhöhe mit direktem Blickkontakt durch. Die Schaffung eines stabilen und verlässlichen Rahmens, innerhalb dessen sich Ratsuchende ernstgenommen und wohl fühlen, ist ein zentrales Kriterium für gelingende Beratungstätigkeit und somit Lerneffizienz.
Beratungsverhalten reflektieren
Angesichts derartiger Anforderungen an Beratung vor allem aber unter Berücksichtigung unterrichtlicher Realität (20 Finger gehen gleichzeitig hoch und signalisieren Ratsuche bei der unterrichtenden Person ) gilt es für Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer, das eigene Beratungsverhalten immer wieder zu reflektieren und genaue Überlegungen bezüglich eines wirksamen und schülergerechten Agierens anzustellen.
Hierbei geht es sowohl um das zeitliche und räumliche Setting als auch um die Frage, inwiefern Formen der Kleingruppenberatung oder der...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 447 / 448

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