Kerstin Hallmann

SOUND

eine Schülerin dokumentiert Schulgeräusche
eine Schülerin dokumentiert Schulgeräusche , aus dem Unterricht von Kerstin Hallmann

Kerstin Hallmann

Medium und Gestaltungsmaterial im Kunstunterricht

Der Titel „Sound verweist auf ein Feld interdisziplinärer und intermedialer Arbeitsweisen von Künstlerinnen und Künstlern, die unter dem Begriff „Sound Art subsumiert werden. Auch im Kunstunterricht kann man Sound als kreatives Gestaltungsmittel einsetzen.

Sound im Kunstunterricht das erscheint zunächst ungewöhnlich, würden wir den Begriff doch allgemeinhin dem Musikunterricht zurechnen. Das Verständnis von Sound in der Musik und ihrer Didaktik unterscheidet sich jedoch von künstlerischen Strategien im bildnerischen Gestalten (s. Kasten 1). Sound wird in der Bildenden Kunst weniger als musikalisches Gestaltungsmaterial bedeutsam, sondern in seiner materiellen Eigenqualität und in Bezug zu Raum und Visuellem erkundet.
1|Zum Soundbegriff in Musikwissenschaft und Musikdidaktik
1|Zum Soundbegriff in Musikwissenschaft und Musikdidaktik
International verweist der Begriff „Sound auf unterschiedliche Ebenen: Er bezeichnet
  • individuelle Klangfarben von Musikerinnen und Musikern, die durch Spiel- als auch Produktionstechnik (vgl. Brockhaus, 2017) erzeugt werden (z.B. der Gitarrenton, Stimmklang usw.),
  • Produktionsparameter (z.B. Aspekte wie Härte, Tiefe usw.),
  • ganze Stilistiken oder musikalische Genres (z.B. Detroit Sound, Bass-Cultures usw.).
Sound wird aktuell nicht (mehr) als ein englisches Äquivalent zu „Klang verstanden, da sich in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche Diskurse ausgebildet haben, welche vor allem auf kulturelle Aspekte des (wahrgenommenen) Schalls verweisen oder gar versuchen, die Musik vom „Sonischen zu unterscheiden.
Insgesamt kann Sound als transformierter, technologisch vermittelter und alle musikalischen Erscheinungen umfassender Klang, auch als ein kulturell geprägtes und durch die individuelle Erfahrung bestimmtes subjektives Wahrnehmen und Interpretieren von (musikalisch-)akustischen Reizen, verstanden werden (Herbst 2014, S. 171). Auf diesem Verständnis basierend, entstehen in der jüngeren Vergangenheit Unterrichtseinheiten, welche diese Sichtweise fachdidaktisch aufarbeiten.
Michael Ahlers
Literatur zu Kasten
Brockhaus, Immanuel: Kult-Sounds. Die prägendsten Klänge der Popmusik 1960 – 2014. Bielefeld 2017.
Herbst, Jan-Peter. Netzwerk Sound. Eine didaktische Herausforderung der populären Musik. Augsburg 2014.
PopScriptum: Das Sonische Sounds zwischen Akustik und Ästhetik. https://www2.hu-berlin.de/fpm/popscrip/themen/pst10/index.htm [31.10.2018]
Wie Sound zum Gegenstand, Material und Thema im Kunstunterricht werden kann, zeigt das vorliegende Heft auf. Das Wahrnehmen, Erkunden, Erforschen, Dokumentieren ebenso wie das Gestalten, Bearbeiten, Konstruieren, Manipulieren von Sounds, Geräuschen, Klängen und akustischen Phänomenen ermöglicht vielfältige Erfahrungen in allen Alters- und Klassenstufen. Zentral sind hierbei didaktische Ansätze, die über eine rein akustische Konsumhaltung hinausgehen und Sound als Gestaltungsmaterial begreifen.
Aktuelle Klangwelten
Wir leben in einer Welt voll von Tönen und Bildern. In alltäglichen Situationen verbindet sich permanent Visuelles mit Auditivem. In Bahnhöfen oder Einkaufszentren begegnen uns Video- und Plakatwerbung, Lautsprecherdurchsagen, Menschen, Stimmen, Umgebungsgeräusche usw., die unsere gesamte Sinneswahrnehmung ansprechen. Situative Wahrnehmungserfahrungen sind nicht neu, sondern schon immer in natürlichen Umgebungen gegenwärtig. Doch die Dichte an visuellen und akustischen Informationen, die uns tagtäglich erreicht, ist gestiegen und lässt sich auch dadurch kennzeichnen, dass sie häufig nicht kongruent ist und somit multidimensionales Wahrnehmen, Erkennen und Auswerten von Informationen erfordert.
Auch Konsum- und Medienstrukturen operieren nicht nur auf visueller Ebene, sondern umfassen immer ein Konvolut vielfältiger Wirkmechanismen, die auditive Aspekte einschließen.
In der Lebenswelt von Jugendlichen sind...

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Fakten zum Artikel
aus: Kunst und Unterricht Nr. 429 / 430

Sound im Kunstunterricht inkl. IM FOKUS: Gender

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